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IG-Metall-Chef Huber: "Alle müssen die Wirtschaft ankurbeln"

Berthold Huber spricht im FR-Interview über die laufende Tarifrunde, sichere Arbeitsplätze und sein erstes Jahr als Vorsitzender der IG Metall.

Berthold Huber steht seit einem Jahr an der Spitze der IG Metall.
Berthold Huber steht seit einem Jahr an der Spitze der IG Metall.
Foto: dpa

Was war bislang ihr größter Erfolg als IG-Metall-Chef?

Erfolge in einer großen Mitgliederorganisation sind nie die Erfolge eines einzelnen Menschen, sondern Ergebnisse einer Bewegung. Wir haben in zahlreichen Tarifrunden in unterschiedlichen Branchen in diesem Jahr gute Ergebnisse für die Beschäftigten eingefahren. Zum anderen haben wir unsere IG Metall strukturell auf Erfolgskurs gebracht. Wir sind kampagnenfähiger geworden und haben die Mitgliederentwicklung in den Fokus genommen. Hier sind wir auf einem guten Kurs.

Was hat nicht geklappt?

Dass ich mir genügend Freiräume schaffe, um einige Stunden in der Woche mit meiner Frau und meinen Kindern zu verbringen.

Was tun Sie, damit Beschäftigte nicht zu Verlierern von Finanzkrise und Abschwung werden?

Wir wollen in der Metall-Tarifrunde eine ordentliche Lohnerhöhung durchsetzen, um die Kaufkraft zu stärken. Satte Lohnerhöhungen sind das Gebot der Stunde, damit wir im nächsten Jahr in Deutschland nicht wirklich in die Krise geraten. Wenn die Weltwirtschaft schwächelt, muss der Binnenmarkt Stabilität bringen. Alle müssen jetzt helfen, die Wirtschaft anzukurbeln. So sichern wir Arbeitsplätze und verhindern, dass sich Menschen aus Angst vor Arbeitslosigkeit beim Konsum zurückhalten. Die Tarifvertragsparteien müssen satte Löhne und Gehälter vereinbaren, der Staat muss in die Infrastruktur und beispielsweise in die Bildung investieren, die Regierung muss die Arbeitnehmer steuerlich entlasten.

Wie bewerten Sie das Konjunkturpaket der Bundesregierung?

Ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch nicht ausreichend.

Wie können Sie Jobabbau, den es in der Autobranche ja schon gibt, verhindern?

Die Autobranche krankt ebenfalls an der Konsumzurückhaltung in Deutschland aber auch teilweise an verfehlter Modellpolitik, die zu lange auf zu große und spritfressende Autos gesetzt hat. Wir befinden uns gerade in der Umbruchphase, die zusätzlich durch die Finanzkrise belastet wird. Derzeit greifen unsere flexiblen beschäftigungssichernden Vereinbarungen zur Arbeitszeit, um die Delle zu überbrücken. Ich bin zuversichtlich, dass die deutsche Autoindustrie schnell wieder Aufwind bekommt, weil ihre Innovationskraft und ihr Entwicklungspotenzial herausragend ist.

Was sind wichtige Vorhaben für die nächsten zwölf Monate?

Wir werden uns noch stärker um junge Menschen bemühen. Und wir werden die Stimme der Arbeitnehmer im Wahlkampf erheben und zwar für eine Politik, die Arbeitsplätze und Gerechtigkeit schafft. Bildung, Regulierung prekärer Arbeit, gute Einstiegschancen für Jugendliche ins Berufsleben sind nur einige Stichworte.

Interview: Eva Roth

Datum:  6 | 11 | 2008
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