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IG-Metall-Verhandler Hofmann: "Bonus für Geringverdiener"

In der Metall- und Elektroindustrie stehen heute die entscheidenden Tarifgespräche an. Scheitern sie, dürfte es Streiks geben. Jörg Hofmann spricht in den Verhandlungen für die IG Metall. Der FR erklärt er die Chancen für einen Abschluss.

Jörg Hofmann (52), Chef der IG Metall in Baden- Württemberg, leitet für sie die enscheidenen Tarifgespräche heute in Sindelfingen.
Jörg Hofmann (52), Chef der IG Metall in Baden- Württemberg, leitet für sie die enscheidenen Tarifgespräche heute in Sindelfingen.
Foto: dpa

Im Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie gehen die Verhandlungen heute in die entscheidende Phase. Baden-Württembergs IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann und Südwestmetall-Chef Jan Stefan Roell versuchen in Sindelfingen bei Stuttgart, einen neuen Tarifvertrag für die Branche mit bundesweit 3,6 Millionen Beschäftigten auszuhandeln. Damit könnten sie in letzter Minute den ersten Streik in der deutschen Schlüsselindustrie seit sechs Jahren verhindern. Jörg Hofmann spricht in den Verhandlungen für die IG Metall. Der FR erklärt er den Stand der Dinge.

Wie groß ist die Chance, dass Sie heute mit den Arbeitgebern einen Tarifabschluss für die Metallbranche hinkriegen?

Zu Person und Scahe

Jörg Hofmann (52), Chef der IG Metall in Baden-Württemberg, leitet für sie die enscheidenen Tarifgespräche in Sindelfingen.

Die Verhandlungen: Ein Abschluss würde wohl auf die gesamte Metall- und Elektroindustrie übertragen. Scheitern die Gespräche, will die Gewerkschaft am Montag mit einem unbefristeten Streik beginnen. Bislang fordert die IG Metall acht Prozent mehr Lohn. Die Arbeitgeber haben zuletzt 2,1 Prozent und Einmalzahlungen geboten.

Ich bin eher skeptisch. Zwar ist der Druck, ein Ergebnis zu finden, extrem groß. Die Positonen liegen aber so weit auseinander wie selten in vergleichbaren Verhandlungen, wo auch klar war, dass es entweder einen Abschluss oder Streik gibt. Natürlich geben wir nicht auf, ein Verhandlungsergebnis zu erreichen. Der Bezirk ist geübt darin, schwierige Situationen zu meistern.

Ihre Gewerkschaft ist bereit eine relativ lange Laufzeit des Tarifvertrags von 20 Monaten zu akzeptieren. Wie hoch müsste denn dann das Lohnplus sein?

Ich nenne jetzt weder eine Laufzeit noch eine Zahl, klar ist aber: Die Erwartungen der Beschäftigten sind hoch. Daran muss sich ein Ergebnis messen lassen.

Warum sollten Ihnen die Arbeitgeber entgegenkommen, gerade jetzt, wo die wirtschaftlichen Aussichten trüber werden?

Die Unternehmen müssen zurzeit mit vielen Unsicherheiten klarkommen: Wie entwickeln sich die Kreditkosten, die Absatzmärkte, die Materialpreise? In dieser Situation ist es wertvoll, wenn sie wenigstens bei den Löhnen Planungssicherheit für 2009 haben. Im Übrigen verschaffen der gesunkene Ölpreis und Eurokurs den Betrieben Luft, einen ordentlichen Lohnzuschlag zu bezahlen.

Die Arbeitgeber bieten Einmalzahlungen, die gebeutelte Firmen kürzen können...

Die massiv gebeutelten Haushalts-Einkommen der Arbeitnehmer vertragen keine Differenzierungen nach unten. Wir streben vielmehr eine soziale Komponente an, von der Geringverdiener überproportional profitieren. Das könnte , sollte es zu einer Einmalzahlung kommen, ein fester Betrag von x Euro für alle sein, der nicht gekürzt werden darf.

Und wie wäre es mit einem Einmalbetrag, der florierende Unternehmen erhöhen müssen?

In Baden-Württemberg gibt es schon in 60 Prozent der Unternehmen ertragsabhängige Lohnbestandteile, die betrieblich vereinbart sind. Wenn wir jetzt per Tarifvertrag Boni beschließen, und im Gegenzug die betrieblichen Sonderzahlungen wegfallen, haben unsere Leute nichts davon. Bisher weigern sich die Arbeitgeber, dieses Verrechnen auszuschließen.

Sie lehnen also einen flexiblen Tarifabschluss ab?

Unternehmen können schon jetzt sehr flexibel auf Auftragsschwankungen reagieren. Es gibt Arbeitszeit-Konten, die jetzt in einigen Betrieben geräumt werden. Dann haben wir noch einen Tarifvertrag, der es erlaubt, die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich von 35 auf 30 Wochenstunden zu senken. Wenn beide Instrumente genutzt werden, haben wir eine Flexibilität von bis zu zwei Dritteln einer kompletten Jahresarbeitszeit, ohne dass jemand entlassen werden muss. Davor ist immer noch Kurzarbeit möglich. Leider sind Leiharbeiter viel schlechter geschützt, was zeigt, wie wichtig es ist, Zeitarbeit zu begrenzen.

Scheitern die Gespräche, planen Sie einen unbefristeten Streik. Welche Folgen hätten die Produktionsstopps in der Autobranche auf einen Arbeitskampf?

Wenn es soweit kommt, werden wir eine andere Strategie als beim letzten Streik 2002 fahren. Bestimmte Branchen werden eine größere Rolle spielen: So ist etwa der Anlagenbau oft bis 2012/13 ausgelastet, auch dem Maschinenbau geht es großteils ausgezeichnet. Wir würden einzelne Betriebe nicht nur einen Tag bestreiken, sondern durchaus länger. Und wir würden neue Formen des Arbeitskampfs wählen, um das filigrane Netzwerk in der Autoindustrie zu stören. Mehr verrate ich nicht. Jedenfalls können wir trotz der misslichen Umstände mit Streiks erheblichen Druck ausüben.

Interview: Eva Roth

Datum:  11 | 11 | 2008
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