Für den texanischen Finanzinvestor Lone Star ist die IKB nicht das erste Schnäppchen in der deutschen Bankenbranche. Deutschland-Chef Karsten von Köller, einst Chef des Immobilienfinanzierers Eurohypo, sucht schon einige Zeit nach Kaufgelegenheiten.
Nachdem erfolglosen Gebot für die Landesbank Berlin profilierte sich Lone Star vor zweieinhalb Jahren als Retter der in die Schieflage geratenen Gewerkschaftsbank Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden, die heute als Corealcredit firmiert. Nach einer brutalen Schrumpfkur, die mehr als die Hälfte der 360 Jobs kostete, schreibt das Institut inzwischen wieder schwarze Zahlen - eine prima Visitenkarte für den künftigen Besitzer der IKB.
Doch die des Banksanierers ist nur eine von vielen Rollen des Finanzinvestors. Lone Star, der einsame Stern, dessen Namen sich auf das texanische Banner bezieht, ist ein Resteverwerter des modernen Finanzkapitalismus. Vor wenigen Wochen erst sorgte er für Furore, als er der US-Investmentbank Merrill Lynch ein milliardenschweres Kreditportfolio zum Schleuderpreis abnahm.
Ob faule Kredite oder marode Banken: Das Unternehmen kauft, was niemand mehr will. Zu Schnäppchenpreisen.
Ein regulärer Verkaufsprozess, wie im Fall der IKB, ist dafür nicht immer nötig. Manchmal übernehmen die so genannten Geierfonds, zu denen auch Cerberus gezählt wird, einfach so viele Schulden des angeschlagenen Unternehmens, dass sie das Ruder an sich reißen können. "Debt-to-Equity-Swap" nennt es die Branche, wenn Gläubiger zu Großaktionären avancieren.
Anschließend wird restrukturiert und meist gehen die Finanzinvestoren dabei nicht zimperlich vor. Genauso wenig wie mit den deutschen Hausbesitzern, deren Hypotheken Lone Star aufkaufte. Immer wieder wird berichtet, wie der Finanzinvestor nach Ablauf der Zinsbindung mit Wucherkonditionen Zwangsversteigerungen provozierte.
In Finanzkreisen wird kolportiert, dass Lone Star beim IKB-Verkauf sein zweifelhaftes Image beinahe zum Verhängnis geworden wäre. Dass der Investor trotzdem den Zuschlag erhalten hat, dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass er immerhin ein Restrisiko von 3,3 Milliarden Euro auf sich nimmt. Der Konkurrent RJH International hätte das kaum stemmen können.
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