Warum läuft die GDL gegen den neuen Zeitarbeits-Tarifvertrag bei der Deutschen Bahn Sturm?
Der Vertrag fördert Lohndumping im Konzern und unterläuft den Lokführer-Tarifvertrag, den unsere Mitglieder hart erkämpft haben. Man kann nur noch den Kopf schütteln, dass Transnet und GDBA einem solchen Vertrag zugestimmt haben. Wir werden das nicht akzeptieren.
Die beiden anderen Gewerkschaften und die Bahn halten die GDL-Kritik für leere Propaganda. Für das Trio sind die Regeln für Zeitarbeiter ein großer Erfolg.
Das ist doch lächerlich. Tatsache ist, dass ein Lokführer als Zeitarbeiter inklusive Zulagen gerade mal zwölf Euro verdienen soll. Das sind fünf Euro und damit fast ein Drittel weniger als der Einstiegstarif in unserem Vertrag. Das ist doch glattes Lohndumping.
Was wollen Sie dagegen tun?
Die Bahn hat den künftigen Lokführern, die sich umschulen lassen, rund 10 000 Euro mehr Gehalt versprochen als der Konzern nun zahlen will. Das halten wir nicht nur für fragwürdig, sondern auch für unzulässig. Zumal die Beschäftigten über Knebelverträge verpflichtet wurden, 40 000 Euro Ausbildungskosten zurückzuzahlen, wenn der schlecht bezahlte Zeitarbeitsjob nicht angetreten wird. Wir bereiten dagegen Musterklagen von Betroffenen vor. Und wir fordern, dass die Bahn Lokführer grundsätzlich nicht bei Zeitarbeitsfirmen anstellt.
Wie ist die Personalsituation derzeit?
Es klemmt überall, es gibt ständigen Personalmangel. Wir brauchen dringend mehr Lokführer bei der Bahn. Noch mehr Überstunden sind den Kollegen nicht mehr zuzumuten. Aber frustrierte neue Lokführer, die zum Dumpinglohn arbeiten müssen, sind nicht die Lösung und könnten zum Sicherheitsrisiko werden.
Wie reagiert die Bahn auf Ihre Kritik?
Wie üblich - Augen zu und durch. Offenbar geht es in diesem Staatskonzern nur noch darum, Gewinne zu maximieren und Kosten zu drücken, damit die verfehlte Privatisierung gelingt. Das zeigen ja auch die angekündigten neuen Preiserhöhungen. Das ist der falsche Weg. Lohndumping und hohe Fahrpreise verprellen Mitarbeiter und Kunden.
Interview: Thomas Wüpper
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