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30. Oktober 2015

Indonesien: Von wegen nachhaltiges Palmöl

 Von 
Verbranntes Land in Indonesien.  Foto: REUTERS

Die Produktion von Palmöl ist mit erheblichen ökologischen und sozialen Problemen verbunden, bestätigt eine Studie. Auch Nachhaltigkeits-Zertifikate halten oft nicht, was sie versprechen. Eine Analyse.

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Indonesien wird derzeit von verheerenden Waldbränden heimgesucht. Mehr als 2000 Feuer brennen vor allem auf Borneo und Sumatra. Der Rauch verdunkelt den Himmel, die Luftverschmutzung erreicht Höchstwerte. Mehr als 20 000 Soldaten versuchen mit internationaler Hilfe, die Brände zu löschen. Doch das ist fast aussichtslos – es brennen nicht nur die Wälder, sondern auch die Torfböden. Auslöser der Feuer sind massenhafte illegale Brandrodungen, um Platz für neue Palmölplantagen zu gewinnen.

Palmöl ist das wichtigste Pflanzenöl, jedes zweite Produkt, das heute im Supermarkt erhältlich ist, enthält diesen Rohstoff. Es wird nicht nur in der Nahrungsmittelindustrie eingesetzt, sondern steckt auch in Körperpflegemitteln. Knapp 90 Prozent des global verfügbaren Palmöls werden in nur zwei Ländern angebaut, in Indonesien und Malaysia. Die potenziellen Anbaugebiete liegen in höchst sensiblen ökologischen Regionen, wo große Monokulturen intakte Waldgebiete verdrängen.

Die Folgen für die biologische Arten- und Pflanzenvielfalt sind dramatisch. Viele vom Aussterben bedrohte Tierarten wie Orang-Utan, Sumatra-Tiger oder Java-Nashorn verlieren ihren Lebensraum, Gewässer und Böden werden verschmutzt. „Die ökologischen Folgen sind verheerend“, schreibt Irene Knoke, Mitautorin einer neuen, vom Bundesentwicklungsministerium in Auftrag gegebenen Studie des Bonner Südwind-Instituts.

„Zu den immensen ökologischen Problemen kommen soziale Missstände, wie illegale Landnahmen oder die prekäre soziale Situation, in der sich viele Beschäftigte im Palmölanbau befinden“, sagt die Expertin. Teilweise gebe es massive Menschenrechtsverletzungen. Selbst in dem vergleichsweise wohlhabenden Malaysia müssten in einigen Regionen Migrantinnen unter sklavenartigen Bedingungen auf Plantagen leben und arbeiten.

An sich ist die Ölpalme, aus deren Früchten das Palmöl gewonnen wird, eine nahezu idealer Rohstofflieferant. Unter allen Ölpflanzen weist sie den mit Abstand höchsten Ertrag aus: Im Schnitt werden pro Hektar 3,7 Tonnen Öl erwirtschaftet. Raps in Europa bringt es lediglich auf 1,3 Tonnen, die Sonnenblume nur auf 0,9 Tonnen. Ein Verzicht auf Palmöl ist praktisch nicht möglich.

Ein Ausweg soll die Zertifizierung bringen, bei denen sich die Hersteller freiwillig zur Einhaltung von ökologischen und sozialen Standards verpflichten, beispielsweise keine Rodung von Primärwäldern oder die Lösung von Landkonflikten. Bei den Konsumprodukten wird in Deutschland immerhin schon zur Hälfte zertifiziertes Palmöl eingesetzt. Das Siegel mit der größten Verbreitung ist der „Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl“ (RSPO). Die Organisation zertifiziert laut der Studie gut 20 Prozent des weltweit produzierten Palmöls. In der Untersuchung wird jedoch kritisiert, dass viele der Kriterien zu lasch seien oder ganz fehlten. So sei etwa der Artenschutz bei RSPO nicht verankert. Außerdem seien die Kontrollen zu schwach und es gebe keine Sanktionsmöglichkeiten. Immer wieder stelle sich heraus, dass sich auch RSPO-Mitglieder nicht an die vereinbarten Standards hielten, so die Studie. Dass Palmöl zertifiziert ist, kann die Verbraucher also längst nicht beruhigen.

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