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Infineon-Chef Bauer: "Es wird viel härter"

Infineon-Chef Bauer spricht im Interview über die mögliche Euro-Aufwertung, den Ingenieurmangel in Deutschland und die Frage, wieso es in seinem Unternehmen noch keine Frauenquote gibt.

Von der ersten Stunde an bei Infineon dabei: Peter Bauer.
Von der ersten Stunde an bei Infineon dabei: Peter Bauer.
Foto: dpa

Herr Bauer, sind Sie eine Zockernatur?

Nein, im Gegenteil. Warum?

Möglicherweise droht eine Konjunkturkrise. Und Sie geben Geld aus, indem Sie eine steigende Dividende ausschütten.

Eine maßvolle Dividende signalisiert Stabilität. Langfristig orientierten Investoren wollen wir einen Anreiz bieten, bei uns einzusteigen. Die Dividende soll auch unterstreichen: Das Geschäftsmodell von Infineon bringt dauerhafte Erträge.

Zudem wollen wir im laufenden Geschäftsjahr 900 Millionen Euro investieren, vor allem in den Kapazitätsausbau und in neue Technologien.

Person und Unternehmen

Peter Bauer, Jahrgang 1960, hat Elektrotechnik studiert. Seine berufliche Karriere startete er bei Siemens. Bauer war zunächst als Entwicklungsingenieur tätig. Es folgten verschiedene Positionen im Marketing. 1997 übernahm er den Posten des Vertriebschefs für die Halbleitersparte.

Dieses Geschäftsfeld wurde 1999 ausgegliedert, in Infineon umbenannt und an die Börse gebracht. Bauer war im Infineon-Vorstand zunächst für Marketing und Vertrieb zuständig. Mitte 2008 stieg er zum Sprecher des Vorstands auf, zwei Jahre später wurde er Vorsitzender.

Ihr Umsatz und Ihr Gewinn gehen zurück. Wie finster sieht es tatsächlich schon aus?

Wir gehen für das laufende Geschäftsquartal von einem Umsatzrückgang von etwa zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Insbesondere spüren wir den Rückgang in China und weltweit sowohl in der Unterhaltungselektronik als auch bei Computern.

Über das gesamte Geschäftsjahr hinweg, das am 30. September 2012 endet, erwarten wir ein Umsatzminus von etwa fünf Prozent. Wenn keine Rezession kommt, kann das etwas positiver werden. Richtig finster wird es nicht.

2009 stand Infineon kurz vor der Pleite. Sie sind nun gefeit gegen eine Krise in Europa?

Die beste Maßnahme, sich gegen Risiken abzusichern, ist eine solide Bilanz, ein profitables Geschäft und ausreichend liquide Mittel. Das alles haben wir. Konjunkturschwankungen spüren wir natürlich weiterhin. Wir leiden jetzt jedoch nicht mehr unter den extremen Schwankungen, die es in vielen Segmenten der Chipbranche gibt.

Mit dem heutigen Portfolio in den Bereichen Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit ist Infineon so stabil aufgestellt wie nie zuvor. Wie andere exportstarke Unternehmen hätten wir jedoch mit einer dauerhaft stark aufgewerteten Währung ein Problem. Ich hoffe deshalb, dass die Politik die Eurokrise schnell in den Griff bekommt.

Was halten Sie dann von den bislang wenig erfolgreichen Versuchen, den Euro zu retten?

Ich bin Unternehmer, nicht Politiker. Ich kann aber sagen, was wir an Ergebnissen erwarten. Schlimm wäre wie gesagt eine drastische Aufwertung unserer Währung aufgrund einer Spaltung des Euroraums.

Darüber hinaus muss unser großer Binnenmarkt erhalten bleiben. Wir brauchen ein vereintes Europa als Leitmarkt und als Stabilitätsanker. Kein Land kann seine globalen Interessen alleine verteidigen.

Ihr Geschäft ist inzwischen voll auf klassische deutsche Branchen ausgerichtet: Sie machen Chips für Autos, für große Maschinen, für Sicherheitstechnik.

Ja, diese europäischen Stärken sind auch globale Wachstumsmärkte: Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit. Wir haben einen hohen Exportanteil. Wir erwirtschaften nur noch 27 Prozent unseres Umsatzes in Deutschland, 41 Prozent bereits in Asien.

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Autor:  Jakob Schlandt und Frank-Thomas Wenzel
Datum:  16 | 12 | 2011
Seiten:  1 2 3
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