Stuttgart. Mehr als 600 Teilnehmer sind in Stuttgart zum vierten nationalen IT-Gipfel zusammen gekommen. Auf Einladung von Bundeswirtschaftsminister Brüderle diskutieren Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft darüber, wie sich Deutschland als Informationstechnologie-Standort zukünftig positionieren sollte. Bundeskanzlerin Merkel wird zum Abschluss des Kongresses sprechen.
Einer der Beratungsschwerpunkte wird der Ausbau der Breitbandverbindungen sein. Darüber hinaus wird diskutiert, wie die Informations- und Kommunikationstechnologie umweltfreundlicher und effizienter gestaltet werden kann. Auch der drohende Mangel an ausgebildeten Nachwuchskräften im IT-Bereich soll ein Thema sein.
Die Wirtschaftskrise ist für die Branche Informationstechnik, Telekommunikation und digitale Unterhaltungselektronik nach Angaben ihres Verbands weitgehend überwunden. Nach einer Bitkom-Umfrage rechnen 57 Prozent der Unternehmen für 2010 mit Wachstum, 17 Prozent mit einem stabilen Geschäft. Insgesamt erwartet Bitkom 2010 ein kleines Umsatzplus von 0,1 Prozent.
Für dieses Jahr bekräftigt der Verband seine Prognose, dass der Umsatz der Branche mit rund 829000 Beschäftigten um 2,5 Prozent auf 142 Milliarden Euro schrumpfen dürfte. sch
Der erste IT-Gipfel fand 2006 in Potsdam statt. Es folgten Treffen in Hannover und Darmstadt. Heute kommen in Stuttgart Vertreter von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. Prominente Teilnehmer sind unter anderem Kanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle sowie Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer und SAP-Chef Léo Apotheker.
Internetnutzer können den IT-Gipfel am 8. Dezember live verfolgen. Vom Spitzentreffen im Internationalen Congresscenter Stuttgart wird ein Studententeam des Hasso-Plattner-Instituts ganztägig online auf der Plattform www.it-gipfelblog.de berichten. sch
Auf Einladung von Bundeswirtschaftsminister Brüderle diskutieren Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft darüber, wie sich Deutschland als Informationstechnologie-Standort zukünftig positionieren sollte. Bundeskanzlerin Merkel wird zum Abschluss des Kongresses sprechen.
Einer der Beratungsschwerpunkte wird der Ausbau der Breitbandverbindungen sein. Darüber hinaus wird diskutiert, wie die Informations- und Kommunikationstechnologie umweltfreundlicher und effizienter gestaltet werden kann. Auch der drohende Mangel an ausgebildeten Nachwuchskräften im IT-Bereich soll ein Thema sein.
Die Politik genießt in der Hightech-Industrie einen großen Vertrauensvorschuss. Nur ein Fünftel der vom Branchenverband Bitkom befragten Firmen sieht nach einer aktuellen Umfrage in den politische Rahmenbedingungen ein Problem für die Geschäftsentwicklung - ein historisch niedriger Wert.
"Das heißt aber nicht, dass wir uns zufrieden zurücklehnen und uns beim vierten Nationalen IT-Gipfel in Stuttgart auf ein gemütliches Mittagessen mit der Bundeskanzlerin beschränken wollen", kündigt Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer an.
Scheer erinnert an große Herausforderungen wie den Klimawandel - und pocht darauf, dass Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) einen wichtigen Beitrag zu ihrer Bewältigung leisten können.
In der Regierung stößt die Lobby damit auf offene Ohren. Im Entwurf der "Stuttgarter Erklärung" erkennen die Gipfelteilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft IKT als Treiber für Wachstum und Innovation an. Es gelte jetzt den "ökonomischen und ökologischen Hebel" durch IKT auf die gesamte deutsche Wirtschaft und für die öffentliche Verwaltung gezielt zu nutzen, heißt es in der Erklärung, die der Frankfurter Rundschau vorliegt.
Die Gipfelteilnehmer sprechen sich insbesondere für den Start einer "Zukunftsinitiative Intelligente Netze" aus. Sie soll Deutschland international eine Vorreiterrolle etwa bei Verkehrstelematik, Gesundheitsversorgung, E-Energy, E-Learning und E-Government sichern. Allein bei umweltschonenden IT-Lösungen könne Deutschland bis 2020 ein Umsatzpotenzial von etwa 82 Milliarden Euro erschließen.
Moderne IKT macht aus vorhandenen Infrastrukturen denkende Systeme, betont Scheer. Diese Netze könnten nur im Zusammenspiel von öffentlicher Hand und Privatsektor aufgebaut werden. Als ein konkretes Beispiel nennt Scheer intelligente Energienetze. Sie sollen helfen, den steigenden Energiebedarf zu decken, ohne die Erderwärmung zu forcieren. Das betreffe jeden einzelnen Haushalt.
Mit "smarten" Stromzählern könnten Energienetze gemanagt und die Versorgung optimiert werden. Zudem seien intelligente Stromnetze (Smart Grids) die Basis für Elektroautos. In nicht allzu ferner Zukunft würden auf Deutschlands Straßen 40 Millionen mobile Energiespeicher unterwegs sein, die vernetzt werden müssten.
Die Gipfelteilnehmer plädieren auch für eine Software-Initiative, da Software die Schlüsseltechnologie für Innovation schlechthin sei. Um Stärken, die Deutschland auf diesem Gebiet habe, auszubauen, sollen unter anderem die Kooperation von Firmen sowie Cluster weiter gefördert werden.
Bitkom schlägt zudem einen Software-Fonds vor, der in Unternehmen, und zwar nicht nur in Startups, investiert. Hier könnte es eine Basis-Finanzierung durch die staatliche KfW-Bankengruppe geben, zudem sollten Möglichkeiten für institutionelle Anleger geschaffen werden, sich zu beteiligen.
Ein weiterer Wunsch der Hightech-Lobby, die steuerliche Forschungsförderung, wird in der Gipfel-Erklärung immerhin angesprochen. Dort heißt es, es werde eine steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung angestrebt, die bewährte Förderprogramme sinnvoll ergänzt.
Ein weiteres zentrales Thema in Stuttgart ist die Internetpolitik. Scheer kritisiert, dass es viele Initiativen und noch mehr Verwirrung und Verunsicherung gegeben habe und nennt das Gesetz gegen Kinderpornografie im Web, die Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchungen oder das Urheberrecht. Für ihn ist das Internet in weiten Teilen überreguliert. Nicht fehlendes Recht, sondern fehlende Rechtsdurchsetzung sei das Problem.
Der Gipfel-Erklärung zufolge wollen Staat und Wirtschaft zusammenwirken, um das Bedürfnis der "Netzbürger" nach Freiheit, Sicherheit und Vertrauen zu erfüllen. Dazu seien vielfältige Maßnahmen nötig. Unter anderem ist von der Einrichtung einer Stiftung Datenschutz die Rede.
Die verschiedenen Gipfel-Initiativen sollen, wie es weiter heißt, dazu beitragen, die neue IKT-Strategie für die digitale Zukunft Deutschlands rasch umzusetzen, die die Bundesregierung im Sommer vorlegen wolle. (mit ddp)
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