Berlin. Die Deutsche Bahn will im Februar mit den ersten Arbeiten für ihr umstrittenes Großprojekt Stuttgart 21 beginnen. Dann soll das Gleisvorfeld in der baden-württembergischen Landeshauptstadt umgebaut werden.
Stuttgart 21 bewegt die Menschen und die Politik seit langem - und wird sie auch weiter viele Jahre beschäftigen. Schon alleine deshalb, weil die Arbeiten ein Jahrzehnt lang die Innenstadt der Schwaben-Metropole auf den Kopf stellen werden.
Ob mit Bahn oder Auto, Fahrrad oder zu Fuß - Pendler leiden morgen für morgen geduldig. Bisher. Nun reden sie. Im FR-Pendlerblog.
Achsen brechen, Räder reißen. Pures Glück, dass Katastrophen ausbleiben. Das Management spart die Deutsche Bahn kaputt.
Einmal bereits wurde das finanziell durchaus riskante Projekt beerdigt. Jetzt sagt der zuständige Sprecher, Landtagsvizepräsident Wolfgang Drexler (SPD), der Beginn der Arbeiten werde "vorbehaltlich der derzeit laufenden Kostenaktualisierung" geplant. Die neue Schätzung der Bahn werde derzeit vom Land überprüft. Das Ergebnis solle noch vor Weihnachten vorliegen.
Ende der 90er Jahre war es der damalige Bahnchef Johannes Ludewig, der das Prestigevorhaben seines Vorgängers Heinz Dürr gestoppt hatte. Der Schwabe hatte die Neuordnung des Bahnknotens am Neckar durchgesetzt.
Die Idee ist genial - in der Theorie
Die Grundidee schien genial: Der bisherige Bahnhof verschwindet mitsamt Gleisen in Tunneln unter der Erde - und mitten in der Stadt werden so große Flächen für neue Läden, Wohnungen und Büros frei, deren Vermarktung das Projekt mitfinanziert.
Soweit die Theorie. In der Praxis wurden ähnliche Pläne für Frankfurt oder München bald wieder aufgegeben. Zu teuer, zu riskant, erkannte man dort. Stuttgart 21 blieb übrig. Aber nur bis zu Dürrs Abgang. Ludewig legte das damals auf umgerechnet 2,5 Milliarden Euro taxierte Vorhaben rasch zu den Akten.
Doch Stadt und Land ließen nicht locker. Durch eine Übernahme der meisten Kosten und Risiken sowie umfangreiche weitere Zusagen an die Deutsche Bahn gelang es den Politikern, den neuen Konzernchef Hartmut Mehdorn umzustimmen.
So kaufte die Stadt schon im Jahr 2000 der Bahn die projektierten Bahnhofsflächen zum stolzen Preis von 450 Millionen Euro ab. Doch die Chancen für die Realisierung sinken. Denn das Hauen und Stechen um die immer knapper werdenden Steuermittel für Verkehrsprojekte hat längst begonnen.
Die "Fuldarunde" verteilt das Geld
Deutschlandweit rund 60 laufende und künftige Bahn-Bauprojekte soll der Bund in den nächsten Jahren finanzieren. Die Verteilung legt die "Fuldarunde" fest, zu der sich die Experten der Bundesregierung, der Bahn und des Eisenbahnbundesamts jedes Jahr treffen. Deren aktuelle Planzahlen zeigen, dass am wichtigsten Bahnprojekt weiter kräftig gespart werden soll.
Noch 2015 steht demnach ein Investitionsbedarf von mehr als 2,2 Milliarden zu Buche. Massive Kapazitätsengpässe im Güterverkehr auf der Schiene wären damit programmiert - und der Ärger der Nachbarstaaten. Denn in der Schweiz soll bis 2017 der Gotthardt-Bahntunnel fertig werden. Das Nadelöhr im Nord-Süd-Frachtverkehr Europas haben dann für viele Jahre die Deutschen zu verantworten - sofern die Politik nicht umsteuert.
Wie sicher ist die Finanzierung von Stuttgart 21?
Der angekündigte Baubeginn in Stuttgart beschäftigt auch die Politik. Die Landtags-Grünen kritisierten, dass die Arbeiten ohne Abschluss der neuen Schätzung geplant werden. Projekt-Sprecher Drexler rechnet nach eigenen Angaben damit, dass die bislang kalkulierten knapp 3,1 Milliarden Euro für das Projekt nicht ausreichen. Er gehe aber auch nicht davon aus, dass die Maximalkosten in Höhe von 4,5 Milliarden Euro "angegriffen" werden müssten.
Werde diese Summe bereits vor Baubeginn überschritten, können die Projektpartner noch aussteigen. Verteuert sich das Vorhaben während des Baus, gibt es laut Drexler keine Ausstiegsklausel.
Nach Angaben des Politikers prüft die Deutsche Bahn Vorschläge für Einsparungen, etwa beim Bau der Tunnel. "Ich glaube nicht, dass am Bahnhof groß gespart werden kann", fügte er hinzu. Der mache nur 250 Millionen Euro des Gesamtprojekts aus. (mit ddp)
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