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Insolvenz: Hertie geht auf die Straße

Unter dem Motto "Rettet Hertie - Rettet die Innenstädte" protestieren heute Beschäftigte der insolventen Warenhauskette. Ihr Unmut richtet sich gegen Finanzinvestor Dawnay Day. Von Annika Joeres

Große Tradition und große Probleme: die Marke Hertie.
Große Tradition und große Probleme: die Marke Hertie.
Foto: dpa

Düsseldorf. Ausnahmsweise freiwillig verlassen die Hertie-Mitarbeiter heute ihre Kaufhäuser: Sie wollen unter dem Motto "Rettet Hertie - rettet die Innenstädte" bundesweit auf die Straße ziehen. "Wir wollen Druck auf den Eigentümer der Immobilien, den britischen Finanzinvestor Dawnay Day, ausüben", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Horn. Dawnay Day solle "marktgerechte Mietverträge" einräumen.

Für die Mitarbeiter sind die beim Verkauf im Jahr 2004 ausgehandelten hohen Mieten verantwortlich für die Insolvenz ihres Arbeitgebers.

Auch eine internationale Investorengruppe zog ihr Kaufangebot für die 45 Kaufhäuser vor knapp vier Wochen wieder zurück, weil die Raten zu hoch seien. Trotzdem soll es nun erneut Gespräche geben: Kommende Woche geht das Tauziehen nach Informationen der Frankfurter Rundschau zwischen dem Insolvenzverwalter Dietmar Bähr und der britischen Dawnay Day weiter.

Die Deutsche Bank hat einen Runden Tisch organisiert, an dem sich die Parteien noch einmal treffen wollen. Die Bürgermeister von Kommunen mit einem Hertie-Geschäft in der Innenstadt hatten sich an das Institut gewandt. Es gehört nicht selbst zu den Kreditgebern, hat aber die Darlehen an Dawnay Day von internationalen Investoren arrangiert. "Ein zeitnahes Treffen wird aufgesetzt", bestätigt der Sprecher der Deutschen Bank, Armin Niedermeier. Die Bank verstehe sich als Moderator.

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Denn die Insolvenzverwalter und Dawnay Day sind offen zerstritten. Auf der Gläubigerversammlung am 20. Mai haben sich beide persönlich angegriffen - das Tischtuch schien endgültig zerschnitten. Dawnay Day befand Bähr für unfähig, dieser wiederum warf den Briten vor, heuschreckenhaft horrende Mieten aus Hertie ziehen zu wollen und dann die Häuser der Pleite zu überlassen.

Auch wegen dieser persönlichen Fehden werden einem neuen Rettungsplan nur geringe Chancen eingeräumt. Hertie hat, anders als zum Beispiel sein inzwischen ebenfalls insolventer Ex-Eigentümer Karstadt, die vergangenen Monate Millionen Verluste eingefahren, obwohl Bähr keine Miete mehr überwiesen hat und im Zuge des Insolvenzverfahrens drei komplette Monatsgehälter von der Arbeitsagentur übernommen wurden. Dennoch verbreitet die Hertie-Gruppe Optimismus.

"Die Investorengruppe ist nach wie vor sehr interessiert an einem Geschäft mit Hertie", sagt der Sprecher Wolfgang Weber-Thidy. Sie stünden nur auf Stand-by.

Allerdings müssten davor die rund 5000 Gläubiger von Hertie erneut zusammenkommen und ihren Insolvenz-Beschluss vom 20. Mai wieder rückgängig machen. Rein rechtlich wäre das möglich - so eine Kehrtwende hat es in Deutschland allerdings noch nicht gegeben.

Für den Berliner Anwalt von Dawnay Day, Detlev Stoecker, wird "die Situation immer unübersichtlicher und verworrener". Er glaubt, dass die Hertie-Häuser einzeln verkauft werden und es keine große Gesamtlösung geben wird.

Die Zeit drängt. Jeder Tag, an dem die Hertie-Häuser ungenutzt in den städtischen Zentren stehen, kostet Dawnay-Day viel Geld. Die zehn bereits still gelegten Häuser müssen gesichert und bewacht werden und zerfallen langsam. Einige kleinere Städte warnen sogar davor, dass nun bald die Ratten dort hausen werden.

Autor:  ANNIKA JOERES
Datum:  16 | 6 | 2009
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