Die Frist, die sich Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg für den Verkauf der Karstadt-Warenhäuser selbst gesetzt hat, geht am Freitag um 17 Uhr zu Ende. Bis dahin sollen Interessenten ihr Angebot für die 120 Karstadt-Filialen mit ihren 25.000 Beschäftigten vorlegen. Es kursieren Namen von Finanzinvestoren wie Blackstone, Permira und Texas Pacific. Görgs Sprecher kündigte an, der Insolvenzverwalter werde auch Anfang nächster Woche einen Bieter "nicht von der Bettkante stoßen". Ohnhin wurde mit den Gläubigern des insolventen Warenhauskonzerns vereinbart, die Frist im Ausnahmefall verlängern zu können.
Doch für Experten ist nicht erst seit gestern klar: Görgs Vorhaben, die Häuser als Komplettpaket zu verkaufen, ist eine Illusion. "Ich kann mir keinen Investor vorstellen, der ein solches Risiko bereit wäre zu tragen", sagt Jörg Funder, Professor für Unternehmensführung an der Fachhochschule Worms, der Frankfurter Rundschau. "Das wäre bar jeder betriebswirtschaftlichen Logik." Schließlich verfüge Karstadt über keinerlei Anlagegüter mehr, sondern nur über immaterielle Werte wie die Marke und den Kundenstamm. Die Immobilien sind größtenteils im Besitz des Highstreet-Konsortiums, das etwa zur Hälfte der US-Investmentbank Goldman Sachs gehört, auch die Deutsche Bank hält Anteile. Highstreet hat die Warenhäuser an Karstadt rückvermietet - und das ist der Grund, warum Goldman nun offenbar als Retter in der Not auf den Plan tritt.
Nach Informationen der Financial Times Deutschland und der Welt denkt die Investmentbank darüber nach, die Karstadt-Warenhäuser zu übernehmen, falls sich kein anderer Käufer findet. Das Konsortium erhält hohe Mieten, denen Thomas Middelhoff, Ex-Chef der Karstadt-Mutter Arcandor, im Jahr 2006 zugestimmt hatte - im Gegenzug verkaufte er die Immobilien zum stolzen Preis von vier Milliarden Euro. Bei einer Zerschlagung der Warenhaus-Kette müsste Highstreet weitere Verluste hinnehmen - zusätzlich zu den rund 150 Millionen Euro, auf die sie im Zuge des Insolvenzplans verzichten.
Fusion wahrscheinlich
Funder rechnet damit, dass letztlich ein Konsortium die Karstadt-Häuser übernehmen wird, bestehend aus Goldman als Vertreter der Vermieter, dem Handelskonzern Metro, einem Privat-Equity-Fonds und eventuell einer weiteren Bank.
Denn Karstadt-Konkurrent Metro möchte seine 126 Kaufhof-Filialen veräußern und verhandelt bereits mit Investoren. Der Verkauf würde durch den Zusammenschluss mit den Karstadt-Häusern einfacher, wenn zusätzliche Immobilien durch Highstreet übertragen würen - denn damit wäre ein nennenswerter und für Investoren attraktiver Immobilienbestand wäre, so Funder. Der Privat-Equity-Fonds wäre für die operative Restrukturierung zuständig - mit dem Ziel, aus den Karstadt- und Kaufhof-Filialen eine "verkaufbare Einheit" zu schmieden. Das lässt nichts Gutes für die Zukunft der Beschäftigten erahnen. Für den Professor steht außer Frage, dass Standorte geschlossen und ein Teil der Arbeitsplätze abgebaut wird - er sieht hierzulande ein dauerhaftes Potenzial für maximal 70 Warenhäuser.
Damit diese funktionieren, hält Funder nicht nur eine Ausdünnung und Vereinfachung, sondern auch die grundlegende Neuausrichtung des Formats Warenhaus für notwendig - vor allem bei der Mode, die eine "zentrale Wirkung auf die anderen Warengruppen" habe. Vorstellbar wäre für ihn eine für den deutschen Markt angepasste Variante der englischen Warenhauskette Debenhams: "Preislich in der Mitte, klar ausgerichtet in Richtung Fashion und Trend".
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