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Internet-Betrug: Trügerische Schnäppchen

Auf Immobilienportalen nutzen Schwindler die Not von Wohnungssuchenden aus. Vor allem in Frankfurt, Berlin, München und Hamburg sei Vorsicht ein guter Ratgeber. Denn an Betrüger überwiesenes Geld sieht man so gut wie nie wieder. Von Daniel Baumann

Eine schmucke, günstige Wohnung, Schlüssel gegen Vorkasse - bei solchen Angeboten im Netz ist Vorsicht geboten.
Eine schmucke, günstige Wohnung, Schlüssel gegen Vorkasse - bei solchen Angeboten im Netz ist Vorsicht geboten.
Foto: Wenz

Elisabeth Meier (Namen geändert) meint es offenbar gut mit anderen. In Frankfurt bietet sie eine möblierte Maisonette-Wohnung zur Miete an. Fotos zeigen einen Panoramablick auf die Skyline, rote Vorhänge und luxuriöse Möbel. Ein Wohlfühl-Ambiente. Für die Zeit, in der sie als humanitäre Helferin im Ausland ist, vermietet Meier das Objekt für 680 Euro warm. Ein Schnäppchen.

Das Problem ist: Elisabeth Meier weiß von all dem nichts. Sie ist weder humanitäre Helferin noch hat sie das Mietangebot ins Internet gestellt. Elisabeth Meier arbeitet in einem großen Frankfurter Hotel. Das Hotel vermietet auch die beschriebene Maisonette-Wohnung - nur nicht im Internet auf Immonet.de. Das Angebot ist gefälscht. Die Email-Adresse führt zu Betrügern. Meier ist entsetzt, als sie davon erfährt.

Die Masche

Internet-Betrüger stehen vor dem Problem, an das Geld zu kommen - ohne dabei erwischt zu werden. Dafür werden häufig Überweisungsdienste genutzt, für die kein Konto nötig ist.

Marktführer Western Union zum Beispiel betreibt 3300 Zweigstellen in Deutschland, über die an 420.000 Filialen in der ganzen Welt Geld überwiesen werden kann. Der Einzahler bekommt in der Filiale einen Code, den er an den Empfänger übermittelt. Der kann dann Minuten später das Geld an einer der Filialen abheben, indem er einen Ausweis und den Code vorlegt.

Das System ist praktisch für Immigranten, die Geld in die Heimat schicken oder ausgeraubte Urlauber, denen schnell mit Geld geholfen werden kann. Doch Internet-Betrüger nutzen es, indem sie beim Abheben falsche Pässe vorlegen. "Wir wollen keine betrügerischen Transaktionen durch Western Union", sagt der Deutschland-Chef von Western Union, Siegfried Bergles, der einräumt, dass Betrüger den Dienst nutzen.

Western Union habe deshalb seine Gegenmaßnahmen verstärkt. So würden die Nutzer gewarnt und das Personal speziell geschult. Das Computersystem ist ebenfalls eine Hürde: "Wenn zum Beispiel eine deutsche Rentnerin hohe Beträge an einen afrikanischen Staatsbürger in Spanien überweist, ist das mit großer Wahrscheinlichkeit ein Betrugsfall, der automatisch unterbunden wird", sagt Bergles.

Die Maßnahmen zeigen Wirkung, die Täter weichen teils auf Internet-Bezahldienste wie Moneybookers.com aus. Bei einer strafrechtlichen Ermittlung ist Moneybookers nach britischem Recht jedoch verpflichtet, Auskunft über den Inhaber eines Accounts zu erteilen. Kommt es zu einer Verurteilung des Straftäters, wird das Geld nach Angaben des Unternehmens zurückerstattet. Moneybookers teilte auf Anfrage mit, noch vor einer strafrechtlichen Verurteilung werde versuchst, das Geld an den Kunden zurückzuerstatten. Für alle Überweisungen gilt jedoch: Ist Geld erst einmal an den Betrüger gegangen, ist es aufwändig zurückzubekommen. (js)

Der Fall ist nicht der Einzige. Timothy Roy, ein angeblicher Grafikdesigner aus Manchester, bietet in Berlin eine wunderbare Wohnung an. Er stehe kurz vor der Rente und arbeite an seinem letzten großen Auftrag, schreibt er. Deshalb könne er - leider - nicht zur Wohnungsbesichtigung nach Berlin kommen. Gegen eine Kaution von 650 Euro schicke die Immobilienagentur Home Abroad aber einen Treuhänder mit dem Schlüssel nach Berlin. Die Webseite der Agentur scheint seriös. Doch die Firma existiert nicht. Auch der Reisepass, von dem Roy zum Beweis seiner Seriosität eine Kopie schickt, ist gefälscht.

Die Masche hat System. Immobilienbetrüger nutzen im großen Stil Portale wie Immonet.de oder Immmobilienscout24.de, wo sie attraktive Angebote veröffentlichen. Sobald sich Interessenten melden, teilen sie mit, dass sie derzeit im Ausland weilen. Gegen eine Kaution werde der Schlüssel aber zugeschickt. In Internetforen melden sich Geschädigte, die darauf hereingefallen sind und nie einen Schlüssel erhalten haben.

Die Immobilienportale sind besorgt über die Entwicklung. "Diese Betrugsversuche sind seit einigen Monaten sehr, sehr häufig", heißt es bei Mitarbeitern von Immonet.de. Das Portal ist mit rund 950.000 aktuellen Angeboten einer der größten Immobilienvermittler in Deutschland. Eine Sprecherin bestätigt die Vorfälle. Die Betrugsversuche konzentrierten sich auf Großstädte, wo die Wohnlage angespannt sei.

Vor allem in Frankfurt, Berlin, München und Hamburg sei Vorsicht ein guter Ratgeber. Auch der Konkurrent Immobilienscout24 kämpft gegen das Problem. "Die Betrüger handeln sehr professionell. Sie arbeiten mit vielen verschiedenen Adressen und Identitäten", sagt eine Sprecherin. Deswegen sei es schwierig, ihnen Einhalt zu gebieten. Wie viele Betrugsfälle es genau gibt und wer dahinter steckt, können beide Immobilienportale nicht sagen. Gemessen an der Gesamtzahl der Angebote sei die Zahl der Betrugsfälle aber gering.

Dennoch schaden sie dem Vertrauen in die Portale. Denn sobald Interessenten Kontakt aufnehmen mit den vermeintlichen Anbietern gelangen Telefonnummern, Email-Adressen und Anschriften in die Hände der Betrüger. Und wenn Geld überwiesen wird, ist es meist verloren. Die Zahlungen werden oft über Angebote wie Western Union oder Money Bookers abgewickelt, das erschwert es, Betrüger zu finden.

Immer öfter Betrug

Polizei und Strafverfolger registrieren seit Jahren einen drastischen Anstieg der Internetkriminalität. In der Kriminalstatistik der Polizei wurden 2009 rund 150.000 Betrugsfälle registriert. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Wie häufig Betrug auf Immobilienplattformen ist, weiß aber auch die Polizei nicht.

Doch wer gut aufpasst, kann sich vor Betrug schützen. "Unseriöse Angebote können Immobiliensuchende daran erkennen, dass sie meist sehr günstig sind", sagt eine Sprecherin von Immobilienscout24. Die gezeigten Bilder erinnerten oft an Hotel-Einrichtungen. Sobald Vorkasse verlangt werde, müssten die Alarmglocken schrillen. Wer dennoch auf die Betrüger hereinfällt, hat Pech gehabt. Anzeigen gegen Unbekannt verlaufen meist im Sand.

Mitarbeit: Jakob Schlandt

Autor:  Daniel Baumann
Datum:  5 | 6 | 2010
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