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03. Februar 2016

Internet-Versandhandel : Amazon plant offenbar Buchläden

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Aus der digitalen Welt zurück ins Regal: Amazon plant für die Zukunft offenbar eigene Buchläden.  Foto: dpa

Das hat was Ironisches: Zuerst hat der Onlinehändler Amazon Tausende von Buchläden zerstört. Jetzt will der Konzern eigene Filialen für Belletristik und Sachbücher eröffnen. Wir erläutern, warum die Pläne den Weg in den Einzelhandel der Zukunft weisen.

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Wie konkret sind die Pläne von Amazon?
Der weltgrößte Onlinehändler hat sich selbst nicht zu den Plänen geäußert. Von der Pressestelle heißt es nur: Kein Kommentar. Sandeep Mathrani hat das Vorhaben eher beiläufig bei der Präsentation von Geschäftszahlen seines Unternehmens bekannt gemacht. Er ist der  Chef der Firma General Growth Properties, der  in den USA rund 120 Einkaufszentren betreibt. Er sagte: „Wie ich höre, peilen sie 300 bis 400 Buchläden an.“ Bezogen ist das auf  die Vereinigten Staaten. Ob es auch Pläne für Europa gibt, ist nicht bekannt.

Wie plausibel ist dann die Eröffnung von Läden?
Sehr plausibel. Amazon betreibt bereits in Seattle eine Art Pilotladen, mit dem das Unternehmen Erfahrungen im stationären Handel sammelt. Konzernchef Jeff Bezos hat mehrfach angedeutet, dass es bei diesem Laden nicht bleiben soll. Schließlich ist er permanent auf der Suche nach Erweiterungen des Geschäftsmodells von Amazon. Dabei spielt die Offline-Welt eine immer größere Rolle. So plant er unter anderem Handwerkerservices oder Lieferdienste für Lebensmittel – in München soll da womöglich demnächst ein erstes Projekt starten.

Warum vernichtet Amazon erst Buchläden, um dann selbst welche zu betreiben?
Amazon hat tatsächlich weltweit dazu beitragen, dass Buchläden verschwunden sind. Allein in den USA sind in den vergangenen zehn Jahren 13000 Bücherstuben dicht gemacht worden. Natürlich nicht allein wegen Amazon. Aber der Konzern hat die weltweit größte Auswahl an Büchern, CDs und Videos und damit eine enorme Marktmacht. In Deutschland hat er einen Marktanteil von knapp einem Viertel am gesamten Onlinehandel. Es kann durchaus sinnvoll sein, in Städten mit ausgedünntem stationären Handel in die entstandenen Lücken vorzustoßen.

Was kann Amazon besser als andere Händler?
Amazon ist nicht nur ein Handelsunternehmen, sondern auch einer der größten Datensammler und Datenauswerter weltweit – die Informationen werden dem Unternehmen kostenlos von den 260 Millionen Kunden geliefert. Es dürfte kein anderes Unternehmen geben, das so genau analysieren kann, in welchen Städten und in welchen Stadtteilen lukrative Standorte für Läden sind. Und zugleich kann das Unternehmen in diesen Geschäften Sortimente anbieten, die auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmt sind. Schließlich weiß der Konzern, welche Kunden in der Nähe wohnen und welche Produkte sie kaufen. Und es muss nicht zwangsläufig bei Büchern bleiben. Schließlich macht das Unternehmen inzwischen zwei Drittel seines Umsatzes mit Produkten jenseits der Medienbranche. Die Analyse von Daten macht es zudem möglich, dynamische Preise zu entwickeln. Sie können sich stündlich ändern, immer für den maximalen Umsatz optimiert.

Amazon zeigt dem Einzelhandel, wo es langgeht?
Definitiv. Mit der Verknüpfung von optimiertem Sortiment und optimierten Preisen können Amazon-Läden eine Bedrohung für viele stationäre Einzelhändler einer Stadt werden.  Bezos‘ Konzern verfügt damit über die Werkzeuge und das Wissen, um zu zeigen, wie der Einzelhandel der Zukunft aussieht – dazu gehört auch eine enge Verzahnung von online und offline. Geschäfte können auch als Showrooms für alle möglichen Produkte genutzt werden, etwa für Möbel. Hinzu kommt: Durch die Kundschaft in den Läden kommen neue Daten hinzu, die das Angebot immer weiter verbessern können.  Vor allem ist es dadurch möglich, dass die Waren nur ganz kurze Zeit im Regal liegen. Die Geschwindigkeit beim Absatz ist der entscheidende Faktor für den Erfolg von Einzelhändlern.

Was ist mit der Hardware, die der Konzern anbietet?
Auch hier sind neue Perspektiven denkbar. Denn Amazon bietet auch den E-Reader Kindle oder den Tablet-Rechner Kindle Fire an. Kunden hätten die Möglichkeit, die Geräte in den Geschäften auszuprobieren.

Spielt auch die Auslieferung für Online-Kunden eine Rolle?
Hierin dürfte ein weiterer Vorteil liegen. Bezos will die eigenen Aktivitäten bei der Auslieferung an Online-Kunden ausbauen und damit unabhängiger von Paketdiensten wie DHL oder UPS werden. Zu diesen Plänen gehört auch das Netz von Auslieferungslagern immer enger zu stricken. Denkbar ist, dass sie Läden als eine Art Vorposten in Innenstädten fungieren. Von dort aus könnten eines Tages vielleicht Fahrradkuriere oder Lieferdrohnen starten. Damit ließe sich das neue Konzept der schnellen Lieferung nur wenige Stunden nach der Bestellung umsetzen. Zugleich können die Läden auch als Abholzentren für die Kunden genutzt werden. 

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