New York. Nach dem Scheitern der geplanten Werbepartnerschaft mit Google hat Yahoo den Software-Konzern Microsoft zu einem neuen Kaufangebot aufgefordert. "Das Beste, was Microsoft heute tun kann, ist, Yahoo zu kaufen", sagte Yahoo-Vorstandschef Jerry Yang am Mittwoch auf einer Web-2.0-Konferenz in San Francisco. Der Verwaltungsrat von Yahoo sei jetzt "offen für alles", versicherte Yang.
Anfang Mai war ein Kaufangebot von Microsoft für Yahoo gescheitert, weil Yang in den wochenlangen Verhandlungen einen höheren Kaufpreis verlangt hatte. Microsoft bot erst 31, dann 33 Dollar je Yahoo-Aktie. Das entsprach damals einem Wert von 47,5 Milliarden Dollar. Der Verwaltungsrat von Yahoo forderte aber mindestens 37 Dollar pro Aktie oder 53 Milliarden Dollar.
Bei der Vorlage des ersten Microsoft-Angebots am 1. Februar lag die Yahoo-Aktie bei 19,18 Dollar. Am Mittwoch waren es an der New Yorker Nasdaq noch 13,92 Dollar - rund 60 Prozent unter dem letzten Kaufangebot von Microsoft.
Der Software-Marktführer gab zuletzt nicht ganz eindeutige Signale zu seinem Interesse an Yahoo. In der Branche wird aber erwartet, dass Vorstandschef Steve Ballmer in den nächsten Monaten ein neues Kaufangebot vorlegen wird. Microsoft will so im Geschäft mit Internet-Werbung den Abstand zu Marktführer Google verringern.
Am Mittwoch gaben Google und Yahoo das Ende ihrer von den Kartellwächtern kritisch beäugten Werbepartnerschaft bekannt. Yahoo wollte mit dieser Zusammenarbeit seine wirtschaftliche Basis verstärken. Das Ende des Projekts setzt Yahoo nun wieder verstärkt unter Druck: Dem Konzern entgehen dringend benötigte neue Umsätze von mehreren hundert Millionen Dollar.
Google wolle einem langen juristischen Streit um den Werbe-Deal aus dem Weg gehen, teilte der Suchmaschinenriese mit. Werbekunden und Wettbewerber wie Microsoft hatten gegen die Kooperation scharf protestiert. Yahoo wollte auf einigen seiner Websites von Google verkaufte Anzeigen einblenden und so rund 800 Millionen Dollar pro Jahr zusätzlich einnehmen.
Yahoo hatte den Deal im Sommer als Teil des Abwehrkampfs gegen eine Übernahme durch Microsoft eingefädelt. Yahoo zeigte sich enttäuscht, dass Google eine Klärung vor Gericht scheue.
Google und Yahoo konnten in monatelangen Verhandlungen mit dem US-Justizministerium die Bedenken trotz Kompromissvorschlägen nicht ausräumen. Den Konzernen drohten zudem Klagen. Google ist der mit Abstand führende Vermarkter von Werbung im Umfeld von Internet-Suchergebnissen.
Google und Yahoo zusammen haben bei der Internet-Suche einen Marktanteil von rund 80 Prozent. Der höchst profitable Google-Konzern benötigte die Zusatzeinnahmen einer Partnerschaft weit weniger als Yahoo.
Microsoft wollte mit einem Kauf von Yahoo die Vormachtstellung von Google bei der Internet-Suche und damit verbundenen Werbeeinnahmen brechen. Der Softwareriese blitzte aber in einem monatelangen Tauziehen bei Yahoo-Chef Jerry Yang mehrfach ab.
Großaktionäre um den streitbaren Investor Carl Icahn wollen aber immer noch eine Partnerschaft mit Microsoft durchsetzen. Sie könnten nun Experten zufolge Druck machen. Microsoft hatte allerdings erst kürzlich einen weiteren Anlauf offiziell ausgeschlossen. Viele Yahoo-Aktionäre hatten die Ablehnung einer Übernahme durch Microsoft immer wieder als finanzielle Fehlentscheidung kritisiert. (ap/dpa)
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