Die Commerzbank kann nach dem Deal mit der Allianz die Dresdner schneller übernehmen als geplant. Die "neue Commerzbank" wird erstmal Verluste schreiben, sagt Analyst Dieter Hein auf FR-online.de.
Wie kommen die Commerzbank und Dresdner Bank zusammen?
Foto: Foto: dpa
Wie kommen die Commerzbank und Dresdner Bank zusammen?
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Herr Hein, die Commerzbank kann die Dresdner Bank schneller und für weniger Geld komplett übernehmen. Wie finden Sie das?
Na ja, dadurch, dass die Commerzbank die Allianz jetzt in bar statt in Aktien bezahlt, ist die Übernahme ja nicht billiger. Im Gegenteil: Auf dem gegenwärtigen Aktienkurs hätte die Übernahme der verbleibenden 40 Prozent an der Dresdner Bank 1,1 Milliarden Euro gekostet. Jetzt legt die Commerzbank 1,4 Milliarden Euro auf den Tisch. Billiger ist das Ganze nur im Vergleich mit dem Aktienkurs im September, als die Commerzbank-Aktien noch 20 Euro wert waren.
Dann lohnt sich der neue Deal also vor allem für die Allianz?
Ich glaube, dass es für beide Parteien von Vorteil ist. Die Allianz weiß, was sie hat, und die Commerzbank kann schneller mit der Integration beginnen. Und sie muss sich nicht den Segen der außerordentlichen Hauptversammlung holen.
Banken - die Karten sind neu gemischt
Bildergalerie ( 13 Bilder )
Banken - die Karten sind neu gemischt
Deutsche Bank/Postbank
+ Mit dem Kauf der Postbank steigt die Zahl der Privatkunden der Deutschen Bank von 9,7 auf 24,2 Millionen.
- Ex-Kanzler Gerhard Schröder bot der Deutschen Bank die Postbank schon einmal auf dem Silbertablett an, doch die winkte ab - ob Ackermann sich heute darüber ärgert?
Drilling
Seit einigen Jahren gehört es in Berlin zum guten Ton, für nationale Champions zu plädieren. Dafür reicht der Zusammenschluss von zwei Banken nicht aus. Mit Unterstützung der Allianz wäre der von der Politik favorisierte Drilling aus Commerzbank, Postbank und Dresdner Bank möglich. Die Münchener Versicherung bliebe vorerst am fusionierten Institut beteiligt.
+ Verhindert den Ausverkauf der deutschen Banken und schafft der Deutschen Bank einen ebenbürtigen Konkurrenten auf dem Heimatmarkt.
- Kostet mindestens 20.000 Arbeitsplätze und führt zur Schließung zahlreicher Filialen in den Innenstädten.
Commerzbank/Postbank
+Die Postbank bringt 89 Milliarden Euro Einlagen mit, die sich die Commerzbank dann nicht am Kapitalmarkt beschaffen müsste.
- Die Stärke der Postbank im Privatkundengeschäft wird überschätzt. Viele der 14,5 Millionen Konten sind bloß Zweitkonten.
Deutsche Bank/Citibank
+ Wenn die drei großen Konkurrenten fusionieren, kann die Deutsche Bank mit der Übernahme des Privatkundengeschäfts der Citibank gegenhalten.
- Mit geschätzten fünf Milliarden Euro wird die Übernahme teuer.
Banco Santander/Citibank
+ Weder Politiker noch Gewerkschafter würde es stören, wenn die spanische Großbank die Tochter der US-Großbank übernimmt. Strategisch passt es auch, da beide auf Privatkunden setzen.
- Es gibt wenig, das gegen diese Kombination spricht.
SEB/Dresdner Bank
+ Grün und grün gesellt sich gern: Die Dresdner Bank bringt die Firmenkunden mit, die der schwedischen Großbank SEB ins Konzept passen würden.
- Die SEB bietet bereits für die Mittelstandsbank IKB. Die Integration von zwei neuen Töchtern wäre keine leichte Aufgabe.
Banco Santander/Postbank
+ Auch die Postbank würde gut zum Profil des Banco Santander passen, der zu den zehn größten Banken der Welt gehört.
- Angesichts der indirekten Beteiligung des Bundes birgt der Verkauf der Postbank an einen ausländischen Wettbewerber politischen Zündstoff.
Crédit Mutuel/Citibank
+ Auch die französische Genossenschaftsbank schielt über den Rhein.
- In der Heimat verdient der Allfinanzkonzern Crédit Mutuel viel Geld mit dem Verkauf von Versicherungen. Dafür ist der Kreditspezialist Citibank mit mehr als 340 Filialen nicht der optimale Partner.
Citibank/Commerzbank
+ Diese Kombination macht die Commerzbank zum Marktführer bei Privatkrediten.
- In kurzer Zeit gab es zwei Wechsel an der Citibank-Spitze. Das und der eilig betriebene Verkauf deutet auf Probleme im operativen Geschäft hin.
Deutsche Bank/Dresdner Bank
+ Es wäre ein echter Überraschungscoup, der das vergleichsweise risikoarme Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank stärkt.
- Der geplatzte Zusammenschluss der beiden Institute im Jahr 2000 hat viel verbrannte Erde hinterlassen.
ING/Citibank
+ Die niederländische Konzernmutter der Direktbank ING Diba würde ihre Position in Deutschland gerne ausbauen.
- Wegen der vielen Interessenten wird die deutsche Citibank teuer. Dem Vernehmen nach hat die niederländische Großbank deshalb bereits abgewunken.
Crédit Mutuel/Postbank
+ Mit 855 Filialen bietet die Postbank den Franzosen eine ideale Plattform für den Verkauf von Versicherungen.
- Wie alle Auslandsbanken müsste Crédit Mutuel bei der Politik viel Überzeugungsarbeit leisten.
(Kombiniert von Anna Sleegers)
Commerzbank/Dresdner Bank - dieser Deal steht fest. Und: Die Deutsche Bank greift nach der Postbank. Damit dürfte die Kreditbranche in Deutschland ihre neue Struktur bekommen haben. Dass es so kommt, war lange Zeit nicht so klar wie es jetzt scheint. FR-online.de legt nochmal alle Karten auf den Tisch - und erinnert an die Alternativen, die nun vom selbigem sind.
+Die Dresdner bringt sechs Millionen Privatkunden, ein starkes Mittelstandsgeschäft und 66 Milliarden Euro Einlagen mit.
-Die Vertriebspartnerschaften mit AMB Generali (Commerzbank) und der Allianz (Dresdner) müssen auf den Prüfstand.
Fotostrecken Wirtschaft
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Wirtschaft
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Ist es nicht ziemlich riskant, ausgerechnet im beginnenden Konjunkturabschwung zwei auf Deutschland konzentrierte Mittelstandsfinanzierer zu fusionieren?
Doch. Bevor die Commerzbank den Antrag auf Staatsgeld gestellt hatte, war die Übernahme der Dresdner Bank in meinen Augen sogar existenzbedrohend. Und zwar nicht nur, weil in den nächsten Jahren die Zahl der Kreditausfälle steigen wird, sondern auch, weil immer noch nicht klar ist, welche Risiken noch in den Büchern der Dresdner Bank schlummern. Außerdem hat es das Institut im Boom der vergangenen Jahre nicht geschafft, schwarze Zahlen zu schreiben - und das, obwohl sie noch außerordentliche Gewinne aus dem Verkauf von Beteiligungen verbuchen konnte. Wie soll das erst in der Rezession aussehen?
Sie glauben also, dass die "neue Commerzbank" im nächsten Jahr keine schwarze Zahlen schreibt?
Das wird wohl kaum klappen. Schließlich hat das Institut wegen der Übernahme Restrukturierungskosten von zwei Milliarden Euro angesetzt.
Wäre es dann nicht besser gewesen, die Übernahme abzublasen?
Dank der Milliarden aus dem Sonderfonds der Bundesregierung kann die Commerzbank viel gelassener agieren. Mit diesem Geld kann sie die Allianz ja auch gleich ausbezahlen. Und aus Sicht der Allgemeinheit ist es doch wünschenswert, dass durch die Fusion ein neuer Marktführer auf dem deutschen Markt entsteht.