Reis, Mais und Speiseöl könnten im Iran in den nächsten Wochen knapp werden. Malaysische Exporteure schicken kein Palmöl mehr, das im Iran zur Produktion von Speiseöl benötigt wird. Aus Malaysia stammte bislang die Hälfte des im Iran verbrauchten Palmöls.
Seinem Hauptlieferanten Indien blieb der Iran Geld für 200.000 Tonnen Reis schuldig. Händler aus Thailand, Vietnam und Pakistan gewähren iranischen Partnern keine Kredite mehr, die Ukraine hat ihre Mais-Lieferungen um fast die Hälfte gekürzt. Die Sanktionen gegen den Iran wegen dessen Atomprogramm, so heißt es, zeigten Wirkung.
Ineffizienter Staatssektor
Welche Engpässe im Iran aber tatsächlich auf die Sanktionen zurückzuführen und welche das Resultat hausgemachter Probleme sind – das ließe sich nicht ausmachen, meinen Iran-Kenner. Die Sanktionen verstärkten wohl nur die Misere, in der die iranische Wirtschaft schon seit langem steckt.
Als einer der Hauptgründe für die Krise wird der völlig aufgeblähte und ineffiziente Staatssektor genannt, der heute 85 Prozent der Wirtschaft ausmacht. Dieser Sektor arbeite höchst ineffizient, die Bürokratie sei aufgebläht und die Entscheidungsverfahren verliefen völlig intransparent. Eine Konsequenz ist die enorme Korruption. Laut Transparency International liegt der Iran in der Statistik von 2010 unter den dort 178 gelisteten Ländern auf Platz 146.
Die schlimmsten Folgen dieser desolaten Struktur hat die iranische Führung – abhängig vom Öl-Preis mal besser, mal schlechter – bisher ausgleichen können. Hart getroffen jedoch wurde das Land in jüngster Zeit durch die Finanzkrise in Dubai, die zu einem massiven Einbruch der Wirtschaftsleistungen auch im Iran geführt hat. „Die Iraner haben dort viel investiert und damit viel verdient,“ sagt ein Iran-Kenner. Die Krise in den Golfstaaten habe dem ein Ende gesetzt. Jetzt kämen die neuen Sanktionen der EU hinzu. Und diese Sanktionen, so der Wirtschaftsfachmann, „sind von ganz anderer Qualität als alles zuvor“.
Offizielle Angaben gibt es nicht
Der Staat werde Probleme bekommen, den Apparat zu finanzieren und die Angestellten und Arbeiter zu bezahlen, wenn die Zentralbank die Ölgeschäfte nicht mehr abwickeln könne, sagt ein Iran-Kenner. „Unternehmen werden Pleite gehen, neue Projekte müssen auf Eis gelegt werden, die Subventionen werden weiter abgebaut.“ Damit würden sowohl Arbeitslosenzahlen als auch Inflation weiter steigen.
Verlässliche, offizielle Angaben gibt es nicht. Aber die Inflationsrate wurde schon im Januar 2010 offiziell auf 15 Prozent geschätzt, inoffiziell soll es das Doppelte sein. Die geschätzte Arbeitslosenrate beträgt bis zu 30 Prozent, 2012 könnte sie auf 50 Prozent schnellen, so die Prognosen. In den vergangenen Monaten stieg der Wechselkurs des Rial zum US-Dollar und zum Euro auf dem freien Markt gegenüber dem Zentralbank-Kurs um fast 100 Prozent, was im Iran panikartige Gold- und Devisenkäufe auslöste.
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