Frankfurt a.M. Trotz des Dioxin-Skandals in Irland plant die EU-Kommission vorerst kein Importverbot für Schweinefleisch von der Grünen Insel. "Die von den irischen Behörden ergriffenen Maßnahmen werden als ausreichend betrachtet", sagte eine Sprecherin in Brüssel.
Die zehn mit verseuchtem Futtermittel belieferten Schweinezüchter in Irland dürften kein Schlachtvieh mehr auf den Markt bringen. Die übrigen EU-Staaten seien angehalten, alle seit dem 1. September aus Irland importierten Schweinefleischprodukte zu testen.
In mindestens 21 Staaten wurde bereits mit Dioxin verseuchtes Schweinefleisch aus Irland entdeckt, wie die Kommission weiter mitteilte. Auch fünf deutsche Betriebe in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein wurden mit verseuchtem Fleisch beliefert, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mitteilte.
Ob das Fleisch in Deutschland bereits an die Verbraucher gelangt ist, sei noch unklar. Die Landesbehörden prüften das, sagte BVL-Sprecher Jochen Heimberg. Bei den Produkten handelt es sich laut Ministerium um Schweinehälften oder Teilstücke davon, aber nicht um verarbeitete Produkte wie etwa Würste.
Neben Deutschland seien Italien, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Belgien, Polen, Estland, Schweden, Dänemark, Zypern, Portugal, die Schweiz, die USA, Kanada, Russland, China, Hongkong, Japan, Singapur und Korea betroffen.
Grenzwerte weit überschritten
EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou kündigte für Montagnachmittag eine Sitzung mit Vertretern der zuständigen Behörden aus den Mitgliedstaaten an. Zudem habe sie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit ( Efsa), um eine Einschätzung der von dem verseuchten Fleisch ausgehenden Gefahren für die Gesundheit gebeten.
Dioxinverseuchtes Schweinefleisch stellt nach ersten Erkenntnissen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) bei nur gelegentlichem Verzehr keine unmittelbare Gesundheitsgefahr dar.
Die aktuell gemessenen Werte in irischem Schweinefleisch sind nach Angaben des Instituts zwar so erhöht, dass der von der Weltgesundheitsorganisation festgelegte Höchstwert für die lebenslange tägliche Aufnahme kurzfristig deutlich überschritten werden kann, wie Institutssprecherin Ariane Girndt am Montag erklärte.
Gesundheitliche Beeinträchtigungen seien aber nur bei länger andauerndem Verzehr von viel verseuchtem Fleisch nicht auszuschließen. Das Verbraucherschutzministerium hat daher deutsche Lebensmittelhändler aufgefordert, Fleisch aus Irland vorsorglich vom Markt zu nehmen.
Europäisches Schnellwarnsystem
Nach den bisherigen Erkenntnissen sind in Irland Gehalte an Dioxin-ähnlichen polychlorierten Biphenylen (PCB) von bis zu 292 Mikrogramm pro Kilogramm Schweinefleisch gefunden worden, wie das Institut mitteilte.
Damit werden die gesetzlich zulässigen Höchstwerte um etwa das Hundertfache überschritten, wie BVL-Sprecher Heimberg erklärte. Den deutschen Behörden wurde der Vorfall über das europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel gemeldet.
Bei den aktuell gemeldeten Fällen sind die PCB wahrscheinlich durch kontaminierte Futtermittel in die Tiere gelangt, wie das BfR erklärte. Die irische Behörde für Lebensmittelsicherheit teilte am Sonntagabend in Dublin mit, das Gift sei bei einem Futtermittelhersteller über die Beimischung von Industrieöl in die Nahrungskette geraten.
Zunächst seien nur zehn Prozent der Schweinefleischproduktion von der Verunreinigung betroffen gewesen. Bei der Weiterverarbeitung sei das belastete Fleisch aber mit anderem vermischt worden, was zu der umfassenden Verseuchung geführt habe, die auch Exporte betreffe.
Geringer Marktanteil
Irisches Schweinefleisch hat in Deutschland nur einen sehr geringen Marktanteil von 0,3 Prozent. Das sagte die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle für Erzeugnisse der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft (ZMP).
Der gesamte Jahresverbrauch an Schweinefleisch und dessen Produkten in Deutschland lag im Jahr 2007 bei knapp 4,6 Millionen Tonnen, entsprechend einem Pro-Kopf-Verbrauch von 55,7 Kilogramm pro Jahr, wie das ZMP auf der Basis von Zahlen des Statistischen Bundesamtes weiter erklärte. Laut Bundesverbraucherschutzministerium wurden im vergangenen Jahr rund 9.000 Tonnen Schweinefleisch aus Irland nach Deutschland eingeführt.
Branchenkenner vermuten allerdings, dass trotz des prozentual sehr geringen Anteils von irischem Schweinefleisch es doch überproportional in Deutschland gestreut wird, weil es vor allem im Bereich der Fleischverarbeitung, also der Wurstproduktion, verwendet werde. (ap/dpa)
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