Tel Aviv. Wer ein ganzes Land überzeugen will, auf Elektroautos umzusteigen, sagt Dafna Berezovski Agassi, "braucht gute Argumente". Solche, wie den Elektroprototypen des Renault Megane, der neben der Marketingfrau in einer Autowerkstatt in Tel Aviv steht.
Seine Batterie macht erst nach gut 160 Kilometern schlapp und beschleunigt den beliebten Mittelklassewagen von Null auf Hundert in weniger als acht Sekunden. "Mit diesen winzigen Cityflitzern", wie sie bisher am Markt waren, "hätten wir den Plan gleich begraben können".
Dieser Plan sieht so aus: Von 2011 an will "Better Place", das Risikokapitalunternehmen des ehemaligen SAP-Hoffnungsträgers Shai Agassi, den israelischen Automarkt mit einem flächendeckenden Netz aus Auflade- und Austauschstationen auf den Kopf stellen. Dabei zauberte Agassi keine revolutionäre Akku-Technologie aus dem Hut, sondern präsentierte 2007 ein Geschäftsmodell ähnlich dem der Mobilfunkbranche, das genügend Investoren fand, um mit 200 Millionen Dollar Kapital das fünftgrößte Startup-Unternehmen zu gründen.
Agassi, heißt es, habe viele Argumente. Ökonomische, ökologische, und psychologische. Die Regierung will die Steuern auf Elektroautos um 68 Prozent senken, denn CO2-Emissionen fallen weg - zumindest am Auto. Wie sauber es wirklich wird, ist unklar: Better Place will den Strom, wenn möglich, aus "sauberen Quellen" einkaufen, braucht aber zunächst den Strom aus Kohlekraftwerken. In der Zukunft aber setzt Israel auf Solarenergie.
2011 dann, so will es der Vertrag mit Renault-Nissan, geht das Projekt in "Serie", dann steht auch das Netz. Geht der Plan auf, werden im ersten Jahr 20 000 Elektroautos verkauft, das wären dann immerhin zehn Prozent aller Neuwagenzulassungen Israels.
Kunden schließen einen Vertrag mit Better Place ab. Der hat eine Mindestlaufzeit und einen Mindestumsatz für Strom. Dafür erhält der Kunde einen womöglich vollständig subventionierten Neuwagen, eine Aufladestation vor seiner Haustür und einem Ort seiner Wahl, etwa am Arbeitsplatz. Hinzu kommt ein Netz von zunächst 200 000 Lade- und 200 Wechselstationen, in denen Batterien in fünf Minuten vollautomatisch ausgetauscht werden. Die Autos von den Batterien zu trennen, ahnen Experten, das sei der größte Clou.
In Israel, sagt Berezovski Agassi, wird ein ganzes Land zum Testmarkt für Elektroautos mit in Zukunft bis zu 500 000 Lade- und Wechselstationen. Das israelische Netz ist für alle Autobauer offen und soll global kompatibel sein. Mit dem dänischen Energieversorger Dong gibt es Verträge, auch das "umweltbewusste Deutschland", so Entwicklungs-Leiter Amit Yudan, sei ein Zielmarkt. Deutschland, 17mal größer als Israel, und mit offenen Grenzen?
In kürzester Zeit, sagt Yudan, könne man "ein Netz in den Ballungszentren" aufbauen. Der Rest würde nach und nach abgedeckt. Doch das System funktioniert und rentiert sich erst ab einer bestimmten Kundenzahl. Von denen, sagt Yudan, "gibt es in Deutschland genug". Analysten der Deutschen Bank haben errechnet, dass die Kosten im Better-Place-System, inklusive Anschaffung und Verbrauch, pro gefahrenen Kilometer um 70 Prozent sinken könnten.
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