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IT-Sparte SIS: Siemens streicht 4200 Stellen

Von den gut 9500 Stellen in Deutschland sollen rund 2000 wegfallen - vor allem in München, dem Großraum Nürnberg und Paderborn. Danach will der Konzern seine IT-Tochter loswerden. Von Thomas Magenheim

Aus Furcht um ihre Arbeitsplätze haben die Beschäftigten des Elektrokonzerns bereits gegen die geplante Ausgliederung der IT-Dienstleistungssparte SIS demonstriert.
Aus Furcht um ihre Arbeitsplätze haben die Beschäftigten des Elektrokonzerns bereits gegen die geplante Ausgliederung der IT-Dienstleistungssparte SIS demonstriert.
Foto: Foto: dpa

München. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen kündigt Siemens den Abbau Tausender Stellen an und steuert damit auf einen ernsten Konflikt mit der Belegschaft zu. Vom neuen Kahlschlag betroffen ist die IT-Dienstleistungssparte SIS, die weltweit 4200 ihrer 35000 Stellen kappen muss, wie Siemens-Personalvorstand Siegfried Russwurm in München ankündigte. Die heimischen Standorte, an denen 9700 Menschen für SIS arbeiten, sind mit einem Abbau von 2000 Arbeitsplätzen überdurchschnittlich betroffen. Erst Ende Januar hatte Siemens hierzulande das Aus für 2000 Stellen im Industriesektor des Konzerns verkündet. IG Metall und Gesamtbetriebsrat lehnen sich nun auf.

Arbeitsplätze einfach abzuwickeln, sei nicht hinnehmbar und werde der Verantwortung von Siemens für das eigene Personal nicht gerecht, kritisiert Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler. Die IG Metall bemängelt das Fehlen eines tragfähigen Konzepts für SIS. Die aktuellen Pläne seien nur eine fantasielose Fortschreibung jahrelanger Sanierungsversuche, die sich stets in Kosten- und Stellenabbau erschöpft hätten. "Versuche, die Versäumnisse im Management mit einer neuen Sparrunde zu kompensieren, lehnen wir ab", stellte Dieter Scheitor klar, der für die IG Metall im Siemens-Aufsichtsrat sitzt.

Konzernmanager sehen das anders. Es gebe ein Kosten- und kein Qualitätsproblem, widerspricht SIS-Interimschef Christian Oecking. Vorgänger Christoph Kollatz musste im Dezember gehen, nachdem bei SIS mehrmals Großaufträge aus dem Ruder gelaufen waren. Siemens-Finanzchef Joe Kaeser ging mit der eigenen Managementleistung kritischer um als Oecking. Bei früheren Sanierungsanläufen für SIS hätten nicht alle Manager an einem Strang gezogen, rügte er.

Als Folge habe SIS in der Wirtschaftskrise mehr gelitten als Konkurrenten. In den vergangenen zwei Jahren sind die Umsätze um 13 Prozent auf zuletzt 4,7 Milliarden Euro gesunken. Der Spartengewinn schrumpfte im vergangenen Geschäftsjahr von ohnehin schon mageren 144 auf 90 Millionen Euro. Die Kosten für die Streichaktion, die hierzulande vor allem die Standorte München, Paderborn und den Raum Nürnberg/Erlangen trifft, würden SIS im Anfang Oktober endenden Geschäftsjahr in die roten Zahlen treiben, sagte Kaeser. Zugleich gab er bekannt, dass Siemens bis 2012 eine halbe Milliarde Euro in das Sorgenkind investieren wird, um es diesmal endgültig fit zu machen.

Heikle Strategie

Das Geld werde für Kompetenzaufbau beim Personal oder auch Firmenkäufe ausgegeben. Zudem baut SIS seine Organisation erneut um. Aus sieben werden mit IT-Oursorcing und IT-Lösungen zwei Geschäftseinheiten gemacht. Ziel des Radikalumbaus sei es, die Firma an die Börse zu bringen oder zu verkaufen. Aus dem Konzernverbund in eine eigenständige GmbH ausgegliedert wird SIS Anfang Oktober.

Die Operation ist heikel. Denn rund ein Viertel des Geschäfts macht SIS mit operativen Siemens-Sparten. Große IT-Aufträge wurden etwa mit der Bundeswehr abgeschlossen, weshalb SIS rechtlich nicht problemlos an Dritte verkauft werden kann.

Autor:  Thomas Magenheim
Datum:  18 | 3 | 2010
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