Die Hälfte des zusätzlichen Energiebedarfs der letzten zehn Jahre wurde mit Kohle gedeckt.
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Die Hälfte des zusätzlichen Energiebedarfs der letzten zehn Jahre wurde mit Kohle gedeckt.
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Für den Kampf gegen den Klimawandel ist es ein Desaster: Kohlestom boomt, der Ausbau der Erneuerbaren Energien hält nicht ansatzweise Schritt. Nicht einmal die Energieeffizienz ist in den letzten Jahren gestiegen. Wie konnte es soweit kommen?
Die Internationale Energie-Agentur IEA hat den Ruf, Probleme kleinzureden. Vor ein paar Jahren prognostizierte die Agentur, der Ölpreis werde heute bei gut 20 Dollar pro Fass stehen, tatsächlich liegt er bei über 100. Umso erschreckender ist die negative Tonlage des Jahresberichts der IEA.
Die zehn größten CO2-Abzocker
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Die zehn größten CO2-Abzocker
Platz 9: Dow Chemical. Das US-Unternehmen zählt zu den größten Chemiekonzernen der Welt und ist seit Jahrzehnten auch in Deutschland vertreten. Bei ihm schlagen 1,67 Millionen Zertifikate im Wert von 21,7 Millionen Euro zu Buche.
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Platz 8: Trianel. Dass auch staatliche Unternehmen im Emissionshandel kräftig mitmischen zeigt der Fall des Energiekonzerns Trianel, dessen Vorstand die Bundeskanzlerin im Jahr 2010 persönlich über den Bau eines Kraftwerks in Lünen unterrichten durfte. Laut Studie hält Trianel 1,79 Millionen überschüssige Zertifikate im Wert von 23,3 Millionen Euro.
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Platz 7: Stadtwerke München. Und noch ein Staatsunternehmen, dass sich unter den Global Playern fast fehl am Platze wirkt. Doch das Zertifikats-Guthaben ist alles andere als bescheiden: 2,02 Millionen Stück im Wert von 26,2 Millionen Euro.
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Platz 6: BASF. Auch bei dem großen Chemiekonzern mit Sitz in Ludwigshafen sind die Emissionszertifikate offenbar längst eine Einkommensquelle geworden. 2,12 Millionen überschüssige Zertifikate im Wert von 27,6 Millionen Euro besitzt das das deutsche Unternehmen.
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Platz 5: Lhoist. Dem Hersteller von Kalk- und Dolomitprodukten gehört unter anderem die deutsche Rheinkalk. Zum Klima-Goldesel macht die Gruppe aus Sicht von Umweltschützern der Besitz von 2,96 Millionen überschüssigen CO2-Zertifikaten, deren Gesamtwert: 38,5 Millionen Euro beträgt.
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Platz 4: Dillinger Hütte. Das jahrhundertealte Hüttenwerk im Saarland ist offenkundig im modernen Emissionsgeschäft zu Hause. Der Beleg: 7,2 Millionen überschüssige Zertifikate im Wert von 93,6 Millionen Euro.
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Platz 3: Salzgitter. Die Stahlindustrie galt als energieintensive Branche als Verlierer des modernen Umweltschutzes in der EU. Dass sie im Gegenteil von den Emissionsrichtlinien profitiert, zeigen die Zahlen der BUND-Studie zur Salzgitter AG: 7,55 Millionen Zertifikate liegen dort auf der hohen Kante. Der Wert: 98,1 Millionen Euro.
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Platz 2: ArcelorMittal. Auch der luxemburgische Stahlriese versteht Emissionszertifikate als Geldanlage. 13,77 Millionen überschüssige Zertifikate im Wert von 179 Millionen Euro hält der Konzern.
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Platz 1: ThyssenKrupp. Der Klima-Goldesel geht laut BUND an den deutschen Stahlriesen. Der besitzt 19,51 Millionen Zertifikate, die er nicht unmittelbar benötigt. Deren Wert beträgt 253,6 Millionen Euro.
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Platz 10: Royal Dutch Shell. Im Millionengeschäft mit Emissionszertifikaten ist der größte Energiekonzern der Welt einer der Profiteure - zumindest in Deutschland. Einer aktuellen Studie der Umweltorganisationen BUND und Sandbag zufolge hat der Konzern mehr als anderthalb Millionen überschüssige Zertifikate angehäuft. Aktueller Wert: 20,6 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um Zertifikate, die das Unternehmen nicht benötigt, um sich von seinen CO2-Sünden freizukaufen.
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Seine Botschaft: Die Tür schließt sich, um den Klimawandel noch einzugrenzen und nur so viel Treibhausgas in die Luft zu pusten, dass die globale Erwärmung vermutlich zwei Grad nicht überschreitet. Die IEA glaubt, dass sogar eine Erwärmung um sechs (!) Grad möglich ist, wenn sich nichts ändert. Die Tür schließt sich, um so schnell wie nötig die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu senken. Die Tür schließt sich, um ausreichend Energie einzusparen. Wie kann das sein? Diskutieren wir nicht seit Jahren über den Klimawandel, investieren wir nicht Milliarden in erneuerbare Energien
Die Schwellenländer setzen auf Kohle
Tatsächlich steigt der Anteil der grünen Energiequellen zukünftig weltweit steil an. Das Problem ist allerdings, dass der Energiebedarf in den Schwellenländern noch schneller steigt. Sie sind für 90 Prozent des Mehrverbrauchs verantwortlich: 2035 wird China 70 Prozent mehr Energie verbrauchen als die USA – auch wenn es pro Kopf noch deutlich weniger sein wird.
Die Schwellenländer haben bislang auf Kohle gesetzt: Zeitweise wurden in China wöchentlich neue Kohle-Großkraftwerke ans Netz gebracht. Überhaupt wurde fast die Hälfte des zusätzlichen Energiebedarfs der vergangenen zehn Jahre weltweit mit Kohle gedeckt – dem schmutzigsten aller fossilen Brennstoffe. Die Stromproduktion aus Kohle ist viermal so schnell gewachsen wie die aus regenerativen Quellen.
Unkonventionelle Energiegewinnung
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Unkonventionelle Energiegewinnung
Erdwärme-Kraftwerke, wie dieses im mecklenburgischen Neustadt-Glewe im Kreis Ludwigslust, das 2003 offiziell ans Netz ging, arbeiten mit unterschiedlichen Methoden. Das Geothermie-Kraftwerk nutzt 97 Grad heißes Tiefenwasser aus der Erdkruste und erzeugt jährlich 1.400 Megawattstunden Strom für bis zu 500 Haushalte.
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Auch sogenannte Biogasanlagen ermöglichen es, alternative Energien zu gewinnen. Eines steht in Schwedt in der neuen Anlage des Betreibers Verbio. Die Biogasanlage nahm im März offiziell ihren Betrieb auf. Die Technik wird schon an vielen Stellen genutzt.
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Hier werden nur Reststoffe verwertet. Die Produktionsstätte ist mit einer bestehenden Anlage des Unternehmens zur Bioethanol-Herstellung gekoppelt. Die Biogasanlage kostete nach Unternehmensangaben rund 40 Millionen Euro. und erzeugt rund 30 Megawatt Strom.
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Zu den unkonventionellen Methoden der Energiegewinnung zählen Aufwindkraftwerke. Ihre gigantischen Ausmaße machen sie für Europa wenig geeignet: Bis zu 1000 Meter hoch und 100 Meter breit müssen sie sein. An ihrem Fuß soll ein fast fünf Kilometer großes Glasfeld die von der Sonne im Boden erzeugte Hitze zum Turm in der Mitte leiten und die dort integrierten Turbinen antreiben.
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Mit dieser Technik können 200 Megawatt Strom pro Turm erzeugt werden. Allerdings wohl eher in unbewohnten Wüstenregionen. Eine Anlage kostet bis zu 800 Millionen Euro.
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Eine der ältesten Formen der Energiegewinnung ist Wasserkraft. Das geht jedoch nicht nur durch Staustufen sondern auch mit Gezeitenkraftwerken wie hier in St. Malo (Archivbild). Ebbe und Flut lassen den Wasserstand um bis zu zehn Meter schwanken. Spitzenleistung liegt bei 240 Megawatt.
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Einen ganz anderen Weg beschreiten Druckluftkraftwerke. Weltweit gibt es erst zwei, eins davon in Huntdorf bei Bremen. Es verfügt über eine Leistung von 321 Megawatt.
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Bei Solnova 1 bündeln Spiegel in Form von Parabolrinnen das Sonnenlicht in einem Rohr und heizen das darin zirkulierende Spezialöl, das sogenannte Wärmeträgermedium, auf. Ein anderer Weg besteht darin, das Sonnenlicht von zahlreichen flachen Spiegeln auf einer kleinen Fläche an der Spitze eines oft mehr als 100 Meter hohen Turmes zu bündeln. Vermutlich werden unterschiedliche Technologien im Rahmen des visionären Projekts Desertec zum Einsatz kommen: Das Projekt sieht vor, Strom solarthermischer Kraftwerke aus Nordafrika nach Europa zu übertragen.
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Alternative Energien sind auf dem Vormarsch. Manche sind gerade erst in der Entwicklung, andere längst eingeführt. FR-online.de zeigt die Möglichkeiten der Technik und die Perspektiven auf. Pumpspeicher-Kraftwerke, wie das Hohenwarte II-Kraftwerk in Thüringen, arbeiten mit Wasser. Das seit 1966 laufende Spitzenlastkraftwerk hat eine Leistung von 320 Megawatt Elektroenergie. Zu Zeiten von geringem Elektroenergieverbrauch wird Wasser von einem Unterbecken in das Oberbecken gepumpt, zu Zeiten mit hohem Energiebedarf strömt das Wasser aus dem Oberbecken wieder in das Unterbecken und treibt dabei Turbinen zur Stromerzeugung an.
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Eine böse Überraschung im IEA-Bericht ist auch, dass die Energieeffizienz, die eigentlich aufgrund des technischen Fortschritts jedes Jahr besser werden sollte, sich in den vergangenen beiden Jahren sogar verschlechtert hat. Das bedeutet: Für jeden erwirtschafteten Dollar wurde 2010 mehr Energie verbraucht als 2008.
Klimaziele sind fast unerreichbar
Im Energiesektor sind solche Entwicklungen besonders unangenehm, weil sie auf Jahre zementiert sind. So bestehen Energie-Investitionen im Automobilbereich für mindestens zehn Jahre. Bei Großkraftwerken sind es sogar 40 und mehr Jahre. Vier Fünftel der Treibhausgasemissionen, die 2035 höchstens emittiert werden dürfen, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, sind laut IEA deshalb jetzt schon quasi unvermeidlich.
Das sind düstere Aussichten. Von dem Ruck, der nach Ansicht der Internationalen Energie-Agentur global durch die Politik gehen müsste, um das Übelste zu verhindern, ist nichts zu sehen. Die Verhandlungen für ein weltweites Klimaabkommen sind quasi gescheitert. Die Euro-Krise bindet fast die gesamte politische Tatkraft auf dem Kontinent, der sich bislang am engagiertesten gezeigt hat. Der IEA-Bericht verhehlt nicht mehr, dass es nun fast schon unmöglich ist, die ambitionierten Klimaziele zu erreichen. Ab jetzt heißt die Maxime: Schadensbegrenzung.