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16. März 2011

Japan: Areva stoppt Atomlieferung

 Von Stefan Brändle
Das Logo des Atomkonzerns Areva am Sitz in Erlangen (Archivbild)  Foto: dpa

Areva stoppt eine Plutoniumlieferung an das AKW Fukushima: Die dort verwendeten Mox-Elemente könnten die Katastrophe schlimmer machen als normale Brennelemente. Für die Nummer eins des weltweiten Nukleargeschäftes ist das nur der letzte in einer Reihe von Rückschlägen.

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Die Ankündigung klingt so surreal wie unnötig: Areva „verschiebt“ eine vorgesehene Lieferung von Kernbrennstoff in den havarierten japanischen Atommeiler Fukushima. Die Chefin des französischen Unternehmens, Anne Lauvergeon, begründete dies mit der "Naturkatastrophe" in Japan. Wie schon 2010 hätte Areva im April eine Ladung "Mox" per Schiff an den dortigen AKW-Betreiber Tepco schicken sollen.

Dieses Gemisch aus Plutonium und Uran kommt in 21 französischen und zehn deutschen Reaktoren, aber auch in Japan zum Einsatz. Es ist energiereicher als normaler Kernbrennstoff, setzt bei einem Unfall aber auch mehr radioaktive Gase frei und verlangt wegen der großen Hitzeentfaltung mehr Kühlwasser. Deshalb protestieren deutsche Umweltschützer seit Jahren gegen die Castortransporte nach Gorleben - und deshalb erklärt nun das französische Anti-AKW-Netz "Sortir du nucléaire", der Einsatz von Mox drohe eine nukleare Katastrophe in Fukushima zu beschleunigen.

Eine Sprecherin der für die Herstellung zuständigen Areva-Tochter Melox in Südfrankreich meinte am Mittwoch, die Verwendung von Mox habe "unseren Experten zufolge" keine besondere Auswirkung auf die Vorgänge in Fukushima. In den USA läuft wegen der Gefährlichkeit von Mox allerdings seit Jahren ein Verbotsverfahren. In Fukushima wurde das hochempfindliche Plutoniumgemisch im August 2010 in den dritten Reaktor eingespeist.

Die drohende Atomkatastrophe erschüttert bei Areva nicht nur die Mox-Produktion. Der 2001 aus Framatome und Cogema entstandene Konzern liefert nämlich die ganze Kette der Kernenergie; in seinen westafrikanischen Minen baut er Uran ab, in der nordfranzösichen Anlage La Hague produziert er Brennstäbe und bereitet benutztes Kernmaterial aus der ganzen Welt wieder auf, um es in einer letzten Phase zu entsorgen. Dazu baut und wartet Areva Atommeiler auf der ganzen Welt. Sein Japan-Geschäft beträgt sieben Prozent des Umsatzes von insgesamt 11 Milliarden Euro. Bis vor kurzem noch feierte Lauvergeon in den höchsten Tönen die "Renaissance der Atomkraft". Dazu gehörte ihrer Meinung nach auch der Druckwasserreaktor EPR, auch "AKW der dritten Generation" genannt, der sogar den Absturz eines Flugzeuges auf den Meilerkern überstehen würde, wie die 51-jährige Französin sagte.

Seit einiger Zeit mehren sich nun aber bei den beiden EPR-Pionierbauten in Finnland und Nordfrankreich die Probleme und Verzögerungen. Areva und Electricité de France (EDF) mussten dafür schon mehrere hundert Millionen Euro zurücklegen. Auch der Bau herkömmlicher Reaktoren ist für Areva nicht mehr rentabel. Der französische Staat, Eigentümer zu 97 Prozent, musste 2010 Areva bereits 2010 mit fast einer Milliarde Euro rekapitalisieren. Dies genügt aber nicht, wird doch der Finanzbedarf Arevas bis mindestens 2012 auf jährlich 2,5 Milliarden Euro geschätzt. Lauvergeons Mandat dürfte diesen Sommer nicht erneuert werden.

Nun stellen die Vorgänge in Japan aber auch das umstrittene Mox-Geschäft in Frage; außerdem wird Areva um Bauaufträge etwa in indischen Atomkraftwerken kommen. In den letzten Tagen verlor das Börsenzertifikat des Unternehmens siebzehn Prozent an Wert.

Gestern stoppte der Abwärtstrend, nachdem die EU beschlossen hatte, alle Atommeiler der 27-Mitgliedstaaten einem "Stresstest" zu unterziehen. Das könnte Areva zu Renovationsaufträgen verhelfen. Der Spezialberater von Präsident Nicolas Sarkozy, Henri Guaino, freut sich denn auch, die im Zuge des japanischen Bebens fälligen Sicherheitsbestrebungen "dürften unsere Nuklearindustrie eher begünstigen".

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