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Jede dritte Apotheke bedroht: Easy greift an

Jede dritte Apotheke steht in Deutschland laut einer Studie vor dem Aus. Vor allem Easy rollt den Markt auf. Das Unternehmen eröffnete im hessischen Raunheim nun die 47. Filiale. Von Jutta Maier

Beim Apotheken-Discounter gibt es viele Medikamente billiger.
Beim Apotheken-Discounter gibt es viele Medikamente billiger.
Foto: ddp

5,77 Euro kosten die Augentropfen in der Easy-Apotheke, 7,40 Euro sind die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers. "Sie sparen 22 Prozent", steht auf dem Etikett. Dass die Tropfen in der herkömmlichen Apotheke um die Ecke noch günstiger sein könnten, schließt Thorsten Simon, Sprecher des Apotheken-Discounters, nicht aus. In der Menge aber sei Easy "immer billiger". Die 2004 gegründete Kooperation mit dem giftgrünen Auftritt wirbt mit bis zu 50 Prozent Rabatt auf die Preisempfehlung.

Am Freitag eröffnete im hessischen Raunheim die 47. Easy-Filiale. Weitere 28 sollen 2010 hinzukommen. Das Konzept des Gesundheits-Rundumversorgers mit Supermarkt-Ambiente scheint anzukommen. Die Kundenfrequenz sei mit 450 bis 500 Kunden pro Tag doppelt so hoch wie in herkömmlichen Apotheken, verkündet Easy, und auch die Durchschnittsumsätze seien höher als die der klassischen Apotheken.

Rechtslage

Fremdbesitzverbot: In Deutschland dürfen nur studierte Pharmazeuten eine Apotheke führen und betreiben. Die Bestätigung des Fremdbesitzverbots durch den Europäischen Gerichtshof im Mai 2009 bedeutete eine herbe Niederlage für die Internet-Apotheke DocMorris, die 2006 im Saarland eine erste Filiale eröffnet hatte. Nach dem Urteil änderte DocMorris seine Strategie hin zu einem Franchise-Konzept.

Kooperationspartner der Internet-Apotheke sind - wie bei Easy auch - unternehmerisch selbstständige Apotheker, die als Lizenznehmer agieren.

Mehrbesitzverbot: Apotheker dürfen zusätzlich zu ihrer Hauptapotheke nur bis zu drei weitere Filialen betreiben, um die Bildung von Ketten zu verhindern. (jma)

Viele Apotheken schreiben Verluste

Bei diesen sieht es laut einer Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung (IfH) derzeit nicht so rosig aus: Jede dritte stehe vor dem Aus, hat der jährliche Betriebsvergleich ergeben. 37 der 400 teilnehmenden Apotheken schreiben Verluste, betroffen sind Apotheken in Städten ebenso wie auf dem Land.

Ralf Ziegenbein, Professor an der International School of Management (ISM), glaubt die Gründe zu kennen: "Die Wettbewerbsdynamik im Markt hat in den vergangenen Monaten und Jahren auch ohne die Aufhebung des Fremdbesitzverbotes durch den Europäischen Gerichtshof stark zugenommen." Er sieht dringenden Handlungsbedarf: "Der Apotheker von heute ist noch nicht Kaufmann genug." So gebe es häufig kein echtes Controlling, die Unternehmen würden nicht richtig gesteuert.

Übrig bleiben würden kleine, spezialisierte Apotheken und solche mit großem Volumen und überproportional steigendem Absatz. In der Durchschnittsapotheke in der Mitte "werden wir ein Sterben erleben", so Ziegenbein. Er rät den Apotheken, alternative Vertriebskanäle zu erschließen. Zudem sollten die Kooperations- und Markenapotheken ihr stationäres Geschäft besser mit dem Versandhandel verknüpfen und nachhaltige Marken aufbauen.

Ein Beispiel für Letzteres sei die Celesio-Tochter DocMorris mit nur 150 Lizenz-Apotheken. Andere Marken wie Linda mit 1300 Mitgliedern seien dagegen noch immer relativ unbekannt. Viele Apotheken haben sich in Kooperationen geflüchtet, um gegen die Konkurrenz durch übermächtige Ketten gewappnet zu sein.

Die Bundesregierung versucht unabhängig vom Wettbewerb der Apotheken die Arzneimittelpreise zu senken. Der Union gehen die Pläne von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) allerdings nicht weit genug. In einem Strategiepapier fordert die CDU/CSU-Fraktion ein Preismoratorium bereits für dieses Jahr, das auch rückwirkend gelten soll.

Befristet bis Ende 2013 sollen die Preise nicht steigen dürfen. Ist ein Medikament in Deutschland im internationalen Vergleich um mehr als 20 Prozent teuer, will die Union den Preis deckeln. So sollen jährlich 1,1 Milliarden Euro gespart werden. Das Gesundheitsministerium zeigte sich zu einem Preismoratoriums noch für dieses Jahr bereit.

Autor:  Jutta Maier
Datum:  22 | 3 | 2010
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