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Umbau: Jobabbau in IG-Metall-Zentrale

Die größte deutsche Gewerkschaft kappt 125 Stellen - und stärkt gleichzeitig die Basis. Doch die Frage, ob die Verkleinerung der Zentrale politisch sinnvoll ist, spaltet die IG Metall.

Bald freie Büros: Die Zentrale der IG Metall in Frankfurt
Bald freie Büros: Die Zentrale der IG Metall in Frankfurt
Foto: Andreas Arnold

Die IG Metall hat einen massiven Personalabbau in ihrer Zentrale beschlossen: Mehr als 20 Prozent der Jobs werden gestrichen. Im Gegenzug wird die Basis gestärkt. Die Planungen für den radikalen Umbau der größten deutschen Gewerkschaft laufen seit mehr als einem Jahr. Damals hatte IG-Metall-Vizechef Detlef Wetzel die Richtung vorgegeben: Umverteilung der Ressourcen von oben nach unten, mehr Geld für die Mitgliederwerbung. So soll die Schlagkraft der Gewerkschaft gestärkt werden, lautet die Hoffnung. Nach heftigen internen Diskussionen ist nun die Umsetzung festgezurrt, vom Vorstand beschlossen und mit dem Betriebsrat abgestimmt.

In der IG-Metall-Vorstandsverwaltung in Frankfurt werden „wir innerhalb der nächsten vier Jahre 125 Arbeitsplätze abbauen“, sagt Wetzel der Frankfurter Rundschau. Die Zahl der Beschäftigten schrumpft damit auf 425 Menschen. „Es gibt keine betriebsbedingten Kündigungen – das gilt ohne Wenn und Aber“, versichert der Vizechef. Für die meisten Betroffenen sei bereits eine Lösung gefunden oder in Sicht.

Ziel des Betriebsrats sei es, einvernehmliche Regelungen mit den Leuten hinzukriegen, sagt Betriebsratschef Wolfgang Repp. Bisher funktioniere das gut. Viele Beschäftigte gingen in Altersteilzeit oder Rente. Einige aber würden auch in örtliche Verwaltungsstellen wechseln, andere für eine neue Aufgabe umgeschult. Finanzielle Einbußen müsse niemand hinnehmen.

Gestritten wurde darüber, ob die Verkleinerung der Zentrale politisch sinnvoll ist. So werden Abteilungen zusammengelegt: Die Frauenpolitik gehört jetzt ebenso wie die Bereiche Angestellte und Migranten zum Bereich „Mitglieder und Kampagnen“. Die Abteilung Wirtschaftspolitik wird aufgelöst, die Makroökonomie wandert in die Grundsatzabteilung, die Betriebswirtschaft in die Betriebspolitik. Kritiker fürchten, dass Wirtschafts- oder Frauenpolitik an Bedeutung verlieren. Wetzel meint dagegen: Die Zentrale sei derzeit „dysfunktional“, die neuen Struktur ermögliche effizienteres Arbeiten.

Dass sich Wetzel durchsetzte, hat wohl vor allem einen Grund: Unterm Strich werde in der gesamten Organisation mit dem Umbau weder Personal noch Geld gespart. Vielmehr sollen Mittel von der Zentrale zur Basis umgeschichtet werden. So habe der Vorstand beschlossen, für die „Erschließungsarbeit“ zusätzlich 16 bis 20 Millionen Euro pro Jahr bereitzustellen. Insbesondere die 164 örtlichen Verwaltungsstellen könnten damit Projekte finanzieren, um Mitglieder zu gewinnen oder Betriebsräte zu unterstützen. Das Geld sei auch gedacht für größere Vorhaben. So wolle die IG Metall etwa in der Windenergie-Branche mehr Mitstreiter werben.

Offen ist, ob auch bei den Chefs gekürzt wird. Zurzeit hat der Vorstand sieben Mitglieder. Wetzel plädiert dafür, dass es nur noch fünf sind. „Die IG Metall wird sich auf allen Ebenen restrukturieren, da kann sich die Führungsebene nicht anders verhalten.“ Bis zum Gewerkschaftstag im Oktober 2011 will der Vorstand einen Vorschlag vorlegen.

Autor:  Eva Roth
Datum:  19 | 11 | 2010
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