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30. April 2012

Jobkrise: Europas verlorene Generation

 Von Stephan Kaufmann
Protest: Im Krisenland Spanien fordert die Jugend Perspektiven für sich.  Foto: dapd

In Spanien beträgt die Jugendarbeitslosigkeit 52 Prozent. Auch Uniabsolventen haben keine Chance. Nicht nur zum Tag der Arbeit fordert die junge Generation in ganz Europa eine Perspektive für ihre Zukunft.

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Europa geht die Lohnarbeit aus. Die Wirtschaftskrise schlägt riesige Schneisen in die ökonomische Landschaft. Dazu kommen die Sparpakete, die Regierungen unter dem Druck der Finanzmärkte beschließen. Unternehmenspleiten, Entlassungen und staatlicher Stellenabbau haben die Arbeitslosenrate in der Euro-Zone auf knapp elf Prozent gehievt. Millionen Menschen suchen verzweifelt nach Jobs. Dies hat einen durchaus erwünschten Nebeneffekt: Das Arbeitsüberangebot drückt das Lohnniveau, was die Lohnstückkosten sinken und die Wettbewerbsfähigkeit der Länder steigen lässt.

Leidtragende sind besonders die jungen Arbeitnehmer. Mehr als jeder fünfte Unter-25-Jährige in der Euro-Zone sucht nach einer bezahlten Arbeit (Grafik, PDF). In Spanien und Griechenland sind mittlerweile mehr Jugendliche arbeitslos als in Lohn und Brot. In Europa wächst eine verlorene Generation heran.

350 Euro billiger

Dass die Jugend besonders hart getroffen wird, hat mehrere Gründe: Wer neu auf den Arbeitsmarkt kommt, findet schlicht keine Stelle. Zudem sind Jugendliche die ersten, die in der Krise entlassen werden.

Dies liegt an früheren Reformen. „In vielen europäischen Ländern wurden die Arbeitsmärkte während der letzten zwei Jahrzehnte reformiert“, erklärt Chiara Corsa von der italienischen Bank Unicredit. „Die Strategie bestand darin, den Spielraum für atypische Verträge auszuweiten.“ Das bedeutet: Ungesicherte Arbeitsverhältnisse wie Zeitverträge nahmen drastisch zu.

Dies sollte den Unternehmen Kosten sparen. Schließlich können befristet Angestellte leicht gekündigt werden. Zudem liegt ihr Einkommen niedriger. Laut Unicredit erhält ein befristet Vollzeitngestellter in Italien durchschnittlich netto 1056 Euro im Monat, bei den Unbefristeten sind es 1 400 Euro.

Dieses Sonderangebot haben die Unternehmen genutzt. In Spanien waren vor der Krise ein Drittel aller Arbeitsverhältnisse befristet. Vor allem Jugendliche wurden in die Unsicherheit gedrängt. Und als die Krise kam, verloren sie als erste ihren Job. Nun sind ihre Aussichten auf Jahre hinaus trüb. Und der Arbeitsmarkt ist geteilt: Auf der einen Seite stehen die prekär Beschäftigten und Arbeitslosen, auf der anderen Seite die Privilegierten, die noch relativ gut abgesicherte Stellen haben.

Das nehmen Regierungen zum Anlass, auch die Rechte der Privilegierten zu beschneiden, um das Lohnniveau zu senken, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und so aus der Krise zu kommen. Die Frage ist, ob die Betroffenen mitmachen. „Die öffentliche Meinung wird wohl kaum akzeptieren, dass die Arbeitslosigkeit die einzige Variable bei der ökonomischen Anpassung bleibt“, so Patrick Artus von der Bank Natixis.

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