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John Paulson: Profiteur eines Skandals

John Paulson hat die Idee seines Lebens. Würde es klappen, wäre er mit einem Schlag unendlich reich. Als die Welt ein Jahr später in den Abgrund blickt, steigt der Hedgefonds-Manager in den Olymp der Wall Street auf. Von Felix Wadewitz

John Paulson hatte die Idee seines Lebens. Würde es klappen, wäre er mit einem Schlag unendlich reich. Als die Welt ein Jahr später in den Abgrund blickte, stieg der Hedgefonds-Manager in den Olymp der Wall Street auf.
John Paulson hatte die Idee seines Lebens. Würde es klappen, wäre er mit einem Schlag unendlich reich. Als die Welt ein Jahr später in den Abgrund blickte, stieg der Hedgefonds-Manager in den Olymp der Wall Street auf.
Foto: rtr

John Paulson hatte die Idee seines Lebens. Würde es klappen, wäre er mit einem Schlag unendlich reich. Er wollte wetten. Er brauchte nur jemand, der dagegen hielt. Der Boom am US-Immobilienmarkt war eine Blase, die bald platzen würde: Auf dieser Annahme basierte seine Idee. Auch andere ahnten, dass das Kartenhaus zusammenfallen würde, aber nur wenige sagten etwas. Paulson aber handelte. Das war im Jahr 2006.

Als die Welt ein Jahr später in den Abgrund blickte, stieg der Hedgefonds-Manager in den Olymp der Wall Street auf. Bejubelt wurde er für seine Weitsicht, gelobt für seine analytische Brillanz. Als in den heißen Wochen des Herbstes 2007 von der Großbank bis zum Kleinsparer fast alle Geld verloren, machte er Kasse.

Rund 15 Milliarden Dollar soll der 1994 von Paulson gegründete Hedgefonds Paulson&Co im Krisenjahr gescheffelt haben; 3,7 Milliarden davon strich der Chef persönlich ein.

Seit dem Zusammenbruch des US-Häusermarkts wird der 54 Jahre alte Spekulant deshalb von vielen in einem Atemzug mit Warren Buffett und George Soros genannt, den Superstars der Finanzwelt. Jetzt aber steht der Mann im Zentrum des Sturms, den eine Klage der US-Börsenaufsicht SEC gegen die Investmentbank Goldman Sachs ausgelöst hat.

Das Institut, das alle Vorwürfe bestreitet, soll seine Anleger betrogen haben mit einem von Anfang an zum Scheitern verurteilten Finanzmarktprodukt. Eines der Opfer ist der deutsche Steuerzahler: Die Mittelstandsbank IKB verlor fast 150 Millionen Dollar und musste wegen diesem und anderer Flops später von der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau mit Milliarden Euro vorm Kollaps bewahrt werden.

Gegen die IKB und andere wettete John Paulson. Der Wettmakler in diesem Fall: Goldman Sachs. Die Bank konstruierte ein Finanzprodukt, mit dem man auf die Fortsetzung des Booms am US-Häusermarkt wetten konnte. Für den Fall eines Flops verkaufte Goldman Sachs eine Art Ausfallversicherung - allerdings nicht an die IKB, sondern an Paulson. Der Mann sicherte sich also gegen den Verlust von etwas ab, das ihm gar nicht gehörte.

Goldman Sachs verschwieg laut Anklage, wer bei der eigentlichen Konstruktion des Finanzpapiers geholfen hatte: John Paulson. Das ist in etwa so, als könnte man bei einer Fußball-Wette die Aufstellung der Mannschaft festlegen. Die IKB-Bank hätte laut US-Börsenaufsicht niemals investiert, wenn sie davon gewusst hätte. Denn dass Paulson auf ein Platzen der Blase setzte, war bekannt.

Goldman Sachs steckt nun in einer tiefen Krise. Gewinner Paulson aber ist fein raus. Angeklagt wird er nicht, und sein Geld darf er behalten.

Autor:  Felix Wadewitz
Datum:  19 | 4 | 2010
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