Wirtschaft
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse, Finanz-Themen

03. Dezember 2012

Jugendarbeitslosigkeit: EU gegen hohe Jugendarbeitslosigkeit

 Von Peter Riesbeck
Jung, arbeitslos, sucht...In EU-Ländern wie Spanien und Griechenland sind mehr als die Hälfte der jungen Menschen ohne Arbeit. Foto: Imago

Die EU-Kommission will die hohe Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen - mit einem Beschäftigungspakt. Nach vier Monaten ohne Arbeit soll den jungen Menschen eine neue Stelle angeboten werden.

Drucken per Mail

Die bloßen Zahlen klingen nüchtern. Rund 150 Milliarden Euro entgehen der EU jährlich an Wertschöpfung wegen der hohen Jugendarbeitslosigkeit, das entspricht 1,2 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die bloßen Zahlen klingen aber auch besorgniserregend. In Griechenland und Spanien sind 55 Prozent der Jugendlichen unter 25 ohne Job. In Italien, Portugal, Irland, Bulgarien, Zypern, Lettland, Ungarn und der Slowakei sind jeweils rund ein Drittel der jungen Menschen arbeitslos.

Die EU-Kommission will das nun ändern. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung strebt Sozialkommissar Laszlo Andor einen Beschäftigungspakt für Jugendliche an: Nach vier Monaten ohne Arbeit soll den jungen Menschen eine neue Stelle angeboten werden, mindestens aber ein Praktikumsplatz. Entsprechende Pläne will die EU-Kommission am Mittwoch beschließen.

Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit finanziell belohnen

Klingt gut, hat nur leider einen kleinen Fehler. Der Vorstoß, so Andors Sprecher am Montag in Brüssel, sei lediglich ein Vorschlag. Er habe aber keinen rechtsverbindlichen Charakter.

Das ist schade. Aber immerhin hat die EU-Kommission ein Problem erkannt. Und zusammen mit den neuen bilateralen Reformverträgen und einem möglichen Eurozonen-Budget kann man sich sogar vorstellen, dass Länder finanziell dafür belohnt werden, wenn sie die Jugendarbeitslosigkeit senken.

Der Einstieg in den Arbeitsmarkt - und damit in mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit - freilich bleibt für Jugendliche schwierig. Nicht nur in Europas Süden. Hannes Swobodo, der Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament, mahnte am Wochenende in Nottingham mehr Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds an. „Wir haben die Mittel, aber wir müssen sie nutzen“, sagte er.

Auch EU und Mitgliedsländer haben die Mittel. Aber sie nutzen sie nicht. Das Erasmus-Programm etwa, ein Austauschprogramm für Studierende, das durch einen Auslandsaufenthalt die Chancen auf einen Job erhöht, wird gerade zusammengestrichen. Bei den Beratungen über die Finanzplanung bis 2020 kürzten die Staats- und Regierungschefs den Forschungsetat. Obwohl sie sonst beharrlich betonen, dass Forschung Wachstum und Jobs schaffe.

Europa verspielt seine Zukunft

Selbst die neue Arbeitsmigration, die Europa seit der Krise kennt, birgt ungeahnte Risiken. Es kommen nicht mehr ungelernte Arbeiter vom Land aus Europas Süden nach Deutschland, sondern junge Ingenieure, Architekten und Programmierer. Andere verlassen den Kontinent gleich ganz, junge Portugiesen etwa heuern im erdölreichen Angola an oder im aufstrebenden Brasilien. Dort haben sie noch nicht einmal ein Sprachproblem.

Schön, wenn sie woanders wieder Arbeit finden. In Spanien, Portugal und Griechenland ist das aber die angehende aktive Mittelschicht, die sich in Elternbeiräten, Kirchengemeinden und dem Sportverein engagiert. Schon warnen weitsichtige Soziologen wie Elisio Estanque von der Universität Coimbra vor den Folgen und einer von den aktiven (Jung-)Bürgern zurückgelassenen verödeten alternden Gesellschaft. Europa verspielt seine Zukunft - und die seiner Jugend.

Jetzt kommentieren

Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.

Videonachrichten Wirtschaft
Umfrage

Die FR möchte auch nach wissenschaftlichen Maßstäben das Gerechtigkeitsempfinden erforschen. Dabei setzen wir auf Sie, liebe Leserinnen und Leser - und Ihre Beteiligung an einer wissenschaftliche Studie der Universität Köln.

Koffein-Junkies

Die Jobs mit dem höchsten Kaffee-Konsum

Ohne den Wachmacher geht es nicht: 70 Prozent der befragten Berufstätigen glauben, ihre Arbeitsleistung wäre ohne Kaffee beeinträchtigt.

In TV-Serien sitzen Polizisten oft mit einem Becher Kaffee im Auto und observieren. Doch eine Umfrage belegt: Gesetzeshüter sind gar nicht die größten Kaffeetrinker unter den Berufsgruppen. In diesen zehn Jobs sind Mitarbeiter süchtig nach Koffein. Mehr...

FR-Schwerpunkt

Was ist gerecht?

Was ist gerecht?

WIRKLICH? Wie ungleich darf eine Gesellschaft sein – und was ist eigentlich Gerechtigkeit? Der große Schwerpunkt der Frankfurter Rundschau.

FR-Online: Ergänzende Informationen und ausgewählte Texte zum Thema im Online-Dossier.

iPad-App: Alle großen Stücke des Schwerpunkts - interaktiv in preisgekrönter Aufbereitung. Informationen und Bestellformular.

Zeitung: Sämtliche Analyen und Interviews im Vorteils-Abonnement - keine Folge verpassen und dabei noch anderen helfen. Das ist gerecht. Bestellformular.

Wie würden Sie Deutschland gerechter machen? Gibt es eine Ungerechtigkeit, der die Frankfurter Rundschau unbedingt nachgehen sollte? Reden Sie mit - auf unserer interaktiven Webseite.

STUDIE! Die FR möchte auch nach wissenschaftlichen Maßstäben das Gerechtigkeitsempfinden erforschen. Nehmen Sie teil an unserer Umfrage!

Premium-Fotostrecke

Das Frankfurter Bankenviertel - eine Welt für sich. Schlendern Sie mit uns um die Mittagszeit über Opernplatz, Platz der Republik und Taunusanlage.

Zur Premium-Fotostrecke
Brutto-Netto-Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen