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Jugendarbeitslosigkeit: Ohne Perspektive

Immer mehr Jugendliche wissen nicht, wie es nach der Berufsausbildung weitergeht. Die Zahl junger Menschen ohne Job steigt laut dem DGB doppelt so schnell wie die anderer Arbeitnehmer. Die größten Verlierer sind junge Männer in Westdeutschland. Und es könnte noch dicker kommen.


Foto: ddp

Berlin. Junge Leute sind die Hauptleidtragenden der Krise. Während sich Beschäftigte, die ihre Ausbildung längst hinter sich haben und bereits fest im Berufsleben stehen, über ein Wunder am Arbeitsmarkt mit erstaunlich wenig Entlassungen freuen dürfen, stehen die Berufsanfänger vor verschlossenen Türen. Dies zeigt eine der FR vorliegende Untersuchung der DGB-Jugend, für die der Deutsche Gewerkschaftsbund 1957 junge Menschen befragt hat, die sich im letzten Ausbildungsjahr befinden.

Demnach hat nur jeder Dritte von ihnen eine Zusage seines Ausbildungsbetriebes, dort nach der Lehre weiter arbeiten zu können. Etwa jeder Vierte weiß schon heute sicher, dass er nicht übernommen wird. Und rund 40 Prozent haben keinerlei Informationen, wie es mit ihnen weitergeht.

Der Lehrling im Jahr 2009.
Der Lehrling im Jahr 2009.
Foto: ddp

Selbst wenn junge Menschen nach erfolgreicher Abschlussprüfung einen Arbeitsplatz in ihrem Betrieb bekommen, gewinnen nur wenige an Sicherheit. Lediglich 38 Prozent von ihnen gaben in der Befragung an, ihnen sei eine unbefristete Beschäftigung angeboten worden. Ein Drittel erhält demnach einen Arbeitsvertrag für zwölf Monate, ein Fünftel eine Zusage für sechs Monate.

Ein ähnlich düsteres Bild für die heranwachsende Generation zeichnet die Bundesagentur für Arbeit (BA) in einer Analyse mit dem Titel "Ein Jahr Krise auf dem deutschen Arbeitsmarkt". Darin betont sie zwar, im internationalen Vergleich habe der deutsche Arbeitsmarkt die globale Wirtschaftskrise gut verkraftet. "Die Erwerbslosigkeit ist relativ moderat gestiegen", so die BA. Auch seien die schlimmsten Befürchtungen nicht eingetreten.

Firmen wollen eigene Leute halten

Doch die Entwarnung gilt nicht für alle Altersgruppen. "Besonders stark von den Auswirkungen der Krise sind Jugendliche betroffen", stellt die BA fest. So stieg die Arbeitslosigkeit der 15- bis 25-Jährigen zwischen Oktober 2008 und Oktober 2009 um knapp zwölf Prozent und damit rund 50 Prozent schneller als die Arbeitslosigkeit insgesamt.

Besonders hart trifft es junge Männer mit einem Plus von 19 Prozent, während bei jungen Frauen die Arbeitslosigkeit um drei Prozent zulegte. Und im Westen sind die Einschnitte gravierender als im Osten, so dass sich zusammenfassen lässt: Die größten Verlierer sind junge Männer in Westdeutschland.

Offenbar setzen die Betriebe in der Krise alles daran, um mit Kurzarbeit und erheblichen, auch finanziellen Eigenleistungen ihre Leute zu halten und Massenentlassungen zu vermeiden. Für alle, die draußen stehen, bleibt das Berufsleben aber immer öfter unerreichbar.

Die DGB Jugend führt dies auf die Arbeitsmarktpolitik der vergangenen Jahre zurück, auf die Flexibilisierung und den Abbau von Arbeitnehmerrechten. "Die Flexibilisierung führt dazu, dass es schwieriger bis unmöglich wird, das weitere Leben zu planen und ruft Ängste in Bezug auf das Alter und das gesamte Lebensgefühl der jungen Generation hervor", heißt es in der Auswertung der DGB Jugend.

Sie fordert Politik und Wirtschaft auf, allen jungen Menschen "die Chance für ein selbstbestimmtes Leben mit vielfältigen Perspektiven und materieller Sicherheit" zu eröffnen.

Autor:  Markus Sievers
Datum:  13 | 12 | 2009
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