Und wer hat’s erfunden? Die Österreicher. „Wir haben mit der Jugendgarantie gute Erfahrungen gemacht“, sagt Hannes Swoboda, der Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament. Angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Europa hat EU-Sozialkommissar Laszlo Andor am Mittwoch nämlich ein ehrgeiziges Programm vorgestellt. Jugendgarantie heißt es und sieht vor, dass Jugendliche unter 25, die vier Monate ohne Job sind, ein Angebot für eine Ausbildung oder mindestens einen Praktikumsplatz bekommen. Die EU-Kommission kann dies nicht gesetzlich festschreiben, sie will entsprechende Programme in den Mitgliedstaaten aber fördern.
Dass die Jugendgarantie wirkt, zeigt Swobodas Heimat Österreich. Dort liegt die Jugendarbeitslosigkeit EU-weit auf dem zweitniedrigsten Stand hinter Deutschland. „Wir haben damit vor zwanzig Jahren in Wien angefangen, seit drei Jahren gibt es das landesweit“, erklärt Swoboda. Jugendliche ohne Job erhalten eine übertriebliche Ausbildung, parallel besuchen sie eine Berufsschule. Rund 200 Millionen Euro lässt sich der österreichische Staat das ambitionierte Programm kosten.
Arbeitslosigkeit wäre teurer
Zu viel Geld? „Die Arbeitslosigkeit käme den Staat auf lange Sicht noch teurer“, entgegnet Swoboda. Viele Jugendliche bräuchten einfach einen zweiten Anlauf. „Wir holen die Leute mit dem Programm von der Straße. Es ist jetzt wichtig, das Programm europaweit auszudehnen. Für entsprechende Mittel im EU-Sozialfonds werden wir bei den Budgetverhandlungen mit den EU-Staaten kämpfen“, kündigt Swoboda an.
Auch aus der FDP kommt Zustimmung. „Die Jugendgarantie kann eine verlorene Generation retten“, sagt die FDP-Europaabgeordnete Nadja Hirsch. 7,5 Millionen junge Europäer unter 25 sind ohne Job. EU-Kommissar Andor warnt vor „katastrophalen Folgen“, wenn Europa im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit nicht vorankomme.
Hannes Swoboda hat sich am vergangenen Wochenende in Nottingham Programme angesehen, die aus dem EU-Sozialfonds finanziert werden. Europa müsse sich „da einfach beweisen“, sagt er. Deshalb begrüßt er auch Andors zweiten Vorschlag, das duale Ausbildungssystem nach deutschem Vorbild in der EU zu fördern und die Mobilität junger Arbeitnehmer in Europa zu erhöhen. „Wir brauchen ein Handwerker-Erasmus“, fordert der österreichische EU-Parlamentarier. Europa könne sich nicht nur bei der akademischen Jugend mit Austauschprogrammen beweisen.
„Das Erasmus-Programm für Studierende hat sich bewährt. Nun sind die Auszubildenden dran. Davon würden alle profitieren, die Jugendlichen und Europa“, sagte der CDU-Europaabgeordnete Andreas Schwab der Berliner Zeitung. Das Fazit seines Parlamentskollegen Hannes Swoboda lautet: „Erasmus hat doch gezeigt. Austauschprogramme fördern die Akzeptanz Europas an der Basis. Und darauf kommt es jetzt an.“
Deutschen Wirtschaftsforschungsinstituten und Arbeitsmarktexperten stehen hingegen die Haare zu Berge. „Eine Arbeits- und Ausbildungsgarantie für Jugendliche ist angesichts der enormen Arbeitslosigkeit Quatsch“, sagt Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Eine solches Versprechen sei unerfüllbar, weil Ländern wie Griechenland oder Spanien die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Möglichkeiten fehlten, sie einzulösen. Es gebe dort weder betriebliche Lehrstellen noch überbetriebliche Ausbildungsplätze. Auf der anderen Seite zeitigten öffentliche Beschäftigungsprogramme erfahrungsgemäß keine nachhaltigen Effekte.
Ähnlich äußerte sich der Arbeitsmarktexperte des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), Holger Schäfer. Man könne zwar einzelnen Problemgruppen gezielt Angebote unterbreiten und jungen Leuten ohne abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung Qualifizierungsmaßnahmen anbieten. Eine globale „Jugendgarantie“ in den 27 EU-Staaten sei aber keinesfalls erfüllbar und werde zwangsläufig Enttäuschungen produzieren, sagte Schäfer.
IAB-Arbeitsmarktexperte Hans Dietrich hält die Vorschläge wirtschaftspolitisch für wertlos. Öffentlich geförderte Beschäftigung könne die psychische Belastung arbeitsloser Jugendlicher zeitweise lindern: „Eine langfristige Perspektive bieten sie aber nicht – und sie kosten viel Geld, das die Krisenstaaten nicht haben.“
Die Enttarnung geheimer Geschäfte in Steueroasen beschäftigt Politik und Wirtschaft. Berichte und Hintergründe finden Sie in der Offshore Leaks-Themensammlung.
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22% | Ja, finde ich gut. Die Unternehmen ernennen von sich aus keine Frauen. |
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67% | Nein, ich bin dagegen. Die Qualifikation ist wichtiger als das Geschlecht. |
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11% | Ist egal, für die Wirtschaft ist das nicht entscheidend. |

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