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11. Juni 2012

Kaffee-Kapseln von Nespresso: Fairtrade-Firma macht Nestlé Konkurrenz

Esprimo, der bessere Nespresso?  Foto: dapd

Für ein Kilo Kaffee sahnt eine Nestlé-Tochter bis zu 80 Euro ab, trotzdem verkaufen sich die Espresso-Kapseln gut. Lange hatten die Kunden auch keine andere Wahl, es gab nur einen Anbieter. Das hat sich vor kurzem geändert.

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Wo auch immer Kaffee aus Kapseln getrunken wird, ist meistens das Schweizer Unternehmen Nespresso daran beteiligt. Nun hat die Tochter des Nestlé-Konzerns in Deutschland Konkurrenz bekommen, die all das besser machen möchte, was Kritiker bei Nespresso stört: Weniger Müll, fair gehandelten Kaffee und niedrigere Preise verspricht die Marke Esprimo, hinter der die „Ethical Coffee Company“ mit Sitz im Schweizerischen Fribourg steckt.

Seit September 2011 verkauft Nesprimo auf dem deutschen Markt. Bernd Hehner, Geschäftsführer und Inhaber des Esprimo-Vertreibers Betron räumt ein, dass es in der Startphase Probleme gab. „Hauptkritikpunkt war der Hebelmechanismus. Von den Nespresso-Kapseln waren die Konsumenten gewohnt, dass es leicht geht, den Hebel umzulegen.“ Dieses Problem sei aber inzwischen gelöst.

Nestlé gibt sich locker

Ist es überhaupt legal, die Nespresso-Kapseln nachzubauen? „Würden wir gegen Gesetze verstoßen, hätte Nespresso unsere Kapseln per einstweiliger Verfügung verhindert", sagt Hehner. Allerdings laufen weiterhin patentrechtliche Verfahren.

Holger Feldmann, Geschäftsführer von Nespresso, gibt sich gelassen: Wettbewerb sei nichts Neues und sei ein wichtiger Motor für Innovation und Wachstum, sagte er.

Großes Gewicht legt Esprimo auf das Argument der Nachhaltigkeit, die gesamte Kapsel ist nach Angaben des Herstellers voll kompostierbar. „Sie besteht aus Pflanzenfasern. Das Grüne vom Mais“, erklärt Hehner. Optisch ähnelt die Kapsel dem Original von Nespresso. Doch beim Berühren wird der Unterschied deutlich: Wo bei Nespresso kühles Aluminium den Kaffee ummantelt, ist es bei Esprimo ein Material, das an Kunststoff erinnert.

Die Kritik der Stiftung Warentest, dass die Kapseln eben nicht kompostierbar seien und sich häufig in den Maschinen verklemmen, weist Hehner zurück und zeigt ein Zertifikat eines Prüfinstituts aus Frankreich. Darin wird den Esprimo-Kapseln die Kompostierbarkeit nach EU-Norm EN 13432 attestiert.

Nespresso hält am Aluminium fest: „Von allen getesteten Materialien ist Aluminium das einzige, mit dem stets der gleichbleibend hochwertige Kaffee produziert werden kann, den unsere Kunden erwarten“, sagt Holger Feldmann und weist darauf hin, dass die Recyclingquote im Dualen System in Deutschland bei mehr als 80 Prozent liege.

Bernd Hehner unterstreicht den ethischen Aspekt, der bei Esprimo zum Tragen komme. Von den momentan sieben verschiedenen Sorten sind zwei „Fairtrade“-zertifiziert. Bald soll das für alle Kaffees gelten. Feldmann von Nespresso hält dagegen. "Nespresso hat sich dazu verpflichtet, Premiumpreise für Kaffee zu bezahlen." Diese lägen 30 bis 40 Prozent über den marktüblichen Preisen, zu denen Kaffee gehandelt werde.

Außerordentlich hohe Gewinnmarge

Esprimo verkauft die Kapseln zu einem ähnlichen Preis; Während die Kapseln von Nespresso mindestens 35 Cent kosten, sind es bei Esprimo knapp 33 Cent - die fair gehandelten Sorten kosten einen Cent mehr. „Wir wollen bis Jahresende 800 Fachhändler mit Kapsel beliefern“, sagt Hehner. Ziel sei es, bis spätestens 2015 eine halbe Milliarde Kapseln jährlich in Deutschland zu verkaufen und damit einen Marktanteil von 20 Prozent zu erreichen.

Bei Zahlen zu Umsatz oder Gewinn hält sich Nespresso bedeckt und macht auf Deutschland bezogen keine Angaben. Für das Jahr 2011 gibt das Unternehmen aber einen weltweiten Umsatz von 3,5 Milliarden Schweizer Franken (rund 2,9 Milliarden Euro) an. Das entspreche einem Wachstum von 20 Prozent. Neben dem Vertrieb übers Internet unterhält Nespresso rund 260 sogenannte Boutiquen - Ende 2012 sollen es weltweit 300 sein. Fast die gesamte Wertschöpfungskette liegt damit bei Nespresso selbst. Branchenkenner gehen daher von einer außerordentlich hohen Gewinnmarge aus. (dapd/jon)

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