Sie schildern in der Studie, wie ein Berater einem Kunden eine Risikokurve vorlegt. Der Kunde soll dann per Fingerzeig signalisieren, ob er ein konservativer Anleger oder ein Zocker ist. Sie nennen dieses Verfahren naiv.
Kohlert: Ja. Die Berater wissen teilweise selbst nicht, wie man die Risikobereitschaft ermitteln soll. Die Banken müssten die Berater gerade im Retailgeschäft so gut schulen, dass sie diese Kompetenz überhaupt erst einmal erlangen.
Wie würde ein guter Berater mit Kunden über Risiken sprechen?
Oehler: Aufklärung heißt ja nicht nur auf Kursschwankungen aufmerksam zu machen. Da müsste man zuerst mal mit dem Kunden vereinbaren, was der überhaupt unter Risiko versteht. Zum Beispiel wären Liquiditätsrisiken durch Wertverluste anzusprechen, also zu einem Zeitpunkt Geld zu brauchen, das dann aber nicht mehr zu haben, weil gerade die Kurse im Keller sind. Der Kunde muss gefragt werden, ob er gegebenenfalls auf einen Teil seines Geldes verzichten kann. Das wird aber ganz selten getan.
Wie also müsste es laufen?
Oehler: Der Berater nennt schlicht auch negative Konsequenzen: Es könnte sein, dass von 100 000 Euro in zwei Jahren nur noch 80 000 übrig sind. So klar hat das aber keiner der Berater gesagt, weder zu mir noch zu Herrn Kohlert.
Interview: Bernd Salzmann
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