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03. August 2012

Karrierenetzwerk boomt: Linkedin - das Anti-Facebook

 Von Jonas Rest
Linkedin ist an der Börse im Gegensatz zu Facebook sehr erfolgreich. Foto: dapd

Während die Facebook-Aktie einen neuen Tiefstand erreicht und erstmals unter 20 Dollar fällt, läuft es bei Linkedin prächtig. Das Karrierenetzwerk verdoppelt seinen Umsatz - Millionen werden dort Mitglied, um ihre Daten an Konzerne zu verkaufen.

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Während die Facebook-Aktie einen neuen Tiefstand erreicht und erstmals unter 20 Dollar fällt, läuft es bei Linkedin prächtig. Das Karrierenetzwerk verdoppelt seinen Umsatz - Millionen werden dort Mitglied, um ihre Daten an Konzerne zu verkaufen.

Facebooks Börsengang ist für die Aktionäre zum Desaster geworden, am Donnerstag erreichte die Aktie einen neuen Tiefstand: 56 Prozent hat der US-Konzern seit Börsengang Ende Mai an Wert verloren. Doch im Schatten der Aufmerksamkeit für Facebook wirtschaftet ein anderes soziales Netzwerk äußerst profitabel: Das Karrierenetzwerk Linkedin verdoppelte im letzten Quartal erneut seinen Umsatz und rechnet inzwischen mit einem Erlös von mindestens 915 Millionen US-Dollar zum Jahresende. Kursanstieg seit Jahresbeginn: 43 Prozent.

Nicht nur in dieser Hinsicht ist Linkedin so etwas wie das direkte Gegenstück zu Facebook. Fürchten Facebook-Nutzer den Verkauf ihrer Daten an Konzerne, ist genau dies ein wesentlicher Grund, Linkedin überhaupt zu nutzen. Denn je mehr Firmen dafür bezahlen, die Daten des Netzwerks zu nutzen, desto höher ist die Chance, dass im Posteingang der Nutzer ein interessantes Job-Angebot landet.

Lebensläufe statt Party-Fotos

Bei dem Karrierenetzwerk dreht sich alles um geschäftliche Kontakte: Statt entlarvender Party-Fotos findet man hier bestenfalls aufgemotzte Lebensläufe. Linkedin ist so etwas wie Facebook in ernsthaft. Der Basisaccount ist kostenlos, Zusatzfunktionen wie das Anschreiben von Kontakten, die nicht in der eigenen Freundschaftsliste sind, können ab 15 Euro monatlich dazugekauft werden.

Personalabteilungen zahlen gar mehrere tausend Euro, um Zugang zu einer Software zu bekommen, mit der sie die Datenbank mit den Profilen auch mit komplexen Suchkombinationen durchforsten können, um sogenannte passive Bewerber zu finden: Fachkräfte, die möglicherweise gerade für eine andere Firma arbeiten, aber sich in dem Karrierenetzwerk kontaktbereit halten – offiziell natürlich nur, um ihre geschäftlichen Kontakte zu pflegen.

Inzwischen sind bei Linkedin nach eigenen Angaben 174 Millionen Nutzer angemeldet, darunter Führungspersonal aus den 500 größten US-Unternehmen. Damit ist Linkedin weltweit mit Abstand das größte Karrierenetzwerk. Im deutschsprachigen Raum konkurriert es mit dem Hamburger Unternehmen Xing, das lediglich zwölf Millionen Mitglieder hat, aber mit 5,5 Millionen hierzulande der Marktführer ist – und wie Linkedin kontinuierlich wächst.

Arbeitsmarkt verändert sich

Hinter der steigenden Bereitschaft, sich bei Karrierenetzwerken anzumelden, steht ein tiefgreifender Umbruch: Phasen der Festanstellung und der Selbstständigkeit wechseln sich in vielen Branchen zunehmend ab. In Deutschland war 2011 fast jede zweite neue Stelle befristet. Noch nie zuvor hatten so viele Arbeitnehmer befristete Verträge, stellte eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung fest. Zugleich sind Firmen in Zeiten von Fachkräftemangel händeringend auf der Suche nach qualifiziertem Personal.

Im angelsächsischen Raum ist es inzwischen Alltag, dass sie dazu auf soziale Netzwerke wie Linkedin zurückgreifen: 92 Prozent der US-Unternehmen nutzen dort diese Option, heißt es in einer gerade veröffentlichten Studie. Zwar sucht in Deutschland bislang erst jedes sechste Großunternehmen häufig oder sehr häufig in Karrierenetzwerken nach Kandidaten, wie die Universität Bamberg und die Goethe-Universität Frankfurt in einer gemeinsamen Untersuchung ermittelt haben. Doch der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr ist beachtlich: Die Zahl der Personalabteilungen, die Xing oder Linkedin nutzt, verdoppelte sich.

Linkedin hat sein Geschäftsmodell inzwischen komplett auf sie ausgerichtet. Zwar blendet es wie Facebook oder Xing Werbung ein. Doch während Facebook fast ausschließlich mit Marketing Geld verdient und Xing den Umsatz vor allem mit Premium-Mitgliedschaften der Nutzer erzielt, kommt bei Linkedin mehr als die Hälfte des Umsatzes von Personalabteilungen und Recruitment-Firmen.

Ein zentraler Unterschied zu Facebooks Geschäftsmodell: Während Mark Zuckerberg primär die Zeit zu Geld macht, die seine Nutzer auf Facebook verbringen, monetarisiert Linkedin vor allem ihre Daten. Deshalb kann Linkedin nach Berechnungen des US-Wirtschaftsmagazins Forbes 1,30 Dollar Einnahmen pro Stunde generieren, die Nutzer auf der Plattform verbringen – Facebook dagegen gerade einmal 6,2 Cent.

Für Facebook ist das ein Problem, das sich noch weiter verschärfen dürfte, je mehr Nutzer Smartphones und Tablets benutzen. Während für Linkedin die steigende mobile Internet-Nutzung – inzwischen etwa ein Drittel der Besuche – vor allem bedeutet, dass es mehr Daten gibt, die das Unternehmen zu Geld machen kann, kämpft Facebook damit, die Anzeigenerlöse auf den kleineren Smartphone-Bildschirmen zu erhalten, ohne dabei die Nutzer zu verärgern.

Headhunter bangen um Geschäft

So setzt Linkedin alles darauf, an Personalabteilungen seine Software zum Durchsuchen des Netzwerks zu verkaufen. Die Zahl der Verkäufer hat Linkedin im vergangenen Jahr verdoppelt – und nach Forbes-Informationen sollen 95 Prozent der Großkonzerne die kostspieligen Zugänge dauerhaft nutzen. Oft haben sie für ihre Personalabteilung gleich Dutzende Zugänge gemietet.

Linkedin dringt so in einen Milliardenmarkt vor, den bislang Headhunter und Recruitment-Firmen unter sich aufteilten. Im Gegenzug verlieren diese massiv an Wert. Zwar bleibt ihnen die Vermittlung von Vorstandsvorsitzenden des Kalibers Hartmut Mehdorn vorbehalten. Doch im letzten Jahr hat Korn Ferry International, die größte internationale Firma, die auf Führungskräfte-Suche spezialisiert ist, mehr als ein Drittel an Wert eingebüßt, die altehrwürdige Headhunter-Firma Heidrick & Struggles sogar mehr als die Hälfte. Das bisherige Geschäftsmodell erklärte ihr Geschäftsführer angesichts der digitalen Konkurrenz inzwischen als gescheitert.

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