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Karstadt, Quelle etc.: Neue Runde im Poker um Arcandor

Während der Konzern nach der Insolvenz am liebsten alles zusammenhalten würde, stehen die potenziellen Käufer schon in den Startlöchern. Von Eva Roth und Jutta Maier

Die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft ver.di, Margret
Mönig-Raane (r), und der Gesamtbetriebsratschef von Quelle und Karstadt, Ernst Sindel (2.v.r.), kommen in Berlin mit weiteren Arbeitnehmervertretern zu Beratungen über die Arcandor-Insolvenz in das Ministerium für Technologie und Wirtschaft.
Die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft ver.di, Margret Mönig-Raane (r), und der Gesamtbetriebsratschef von Quelle und Karstadt, Ernst Sindel (2.v.r.), kommen in Berlin mit weiteren Arbeitnehmervertretern zu Beratungen über die Arcandor-Insolvenz in das Ministerium für Technologie und Wirtschaft.
Foto: dpa

Wie geht es mit Arcandor weiter? Soll der insolvente Handelskonzern in Einzelteile zerlegt oder als Ganzes erhalten werden? Die Gewerkschaft Verdi ist bereit, alle Modelle tabulos zu prüfen. "Unser wichtigster Maßstab lautet: Wie können möglichst viele Arbeitsplätze mit einer möglichst guten Perspektive erhalten bleiben?", sagte Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane der Frankfurter Rundschau.

Arcandor hat einen Insolvenzantrag für die Arcandor AG und die Töchter Karstadt und Primondo/Quelle gestellt, nachdem die Aussicht auf großzügige Staatshilfe schwand.

Verdi werde sich nun alle Vorschläge anschauen: "Wir werden sehr gründlich prüfen, mit welchem Konzept unser Ziel am besten zu erreichen ist: durch eine Warenhaus AG, in der Kaufhof und Karstadt zusammengefasst wird, durch einen Weiterbestand des Arcandor-Konzerns oder durch eine Trennung von Karstadt und Primondo/Quelle.

Es gibt keine Tabus", betonte Mönig-Raane, die auch im Arcandor-Aufsichtsrat sitzt. Wichtig sei, dass die Jobs zukunftsfähig seien, "damit wir nicht in einem Jahr vor der gleichen Situation wie jetzt stehen." Von der Insolvenz erfasst sind in Deutschland 43 000 Jobs.

Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick dagegen will den Konzern mit seinen drei Sparten - Warenhaus, Versandhandel und Touristik - zusammenhalten. Im Moment werden die Bücher geprüft. "Ziel ist es, sich bis nach dem Wochenende einen ersten Überblick zu verschaffen", sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg. Erste Priorität habe die "Stabilisierung des Geschäftsbetriebs".

Dazu spreche der Insolvenzverwalter mit den Führungskräften von Arcandor. Der Generalbevollmächtigte von Arcandor, Horst Piepenburg, sieht mit Blick auf 250 Millionen Insolvenzgeld wieder Spielräume und will den Konzern möglichst schnell restrukturieren.

Dazu kommt weitere Hilfe vom Staat. Mönig-Raane hatte sich am Mittwoch mit Regierungsmitgliedern getroffen. Mit Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) sei eine "Task Force" vereinbart worden: Für Fragen rund um die Arcandor-Insolvenz werde einen zentrale Anlaufstelle im Ministerium und in der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in NRW eingerichtet.

"Sobald klarer ist, wohin die Reise geht, werden wir uns wieder austauschen, ob und welche arbeitsmarktpolitischen Instrumente nötig sind", so Mönig-Raane. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) habe zugesichert, "dass der Arbeitnehmerseite Insolvenz-Fachleute des Ministeriums mit Rat und Tat zur Verfügung stehen".

Während man in Essen überlegt, wie eine Filetierung von Arcandor zu verhindern ist, haben potenzielle Investoren längst ein Auge auf einzelne Unternehmensteile geworfen: allen voran Metro, Otto und Rewe. Bei Arcandor wird erstmal geblockt, die Verhandlungen mit Metro lägen "auf Eis", hieß es.

Im Rahmen des Insolvenzverfahrens würden die Karten neu gemischt, Metro sei ein möglicher Geschäftspartner von vielen. Metro war direkt nach Bekanntgabe der Insolvenz hervorgeprescht und hatte sein Interesse an 60 der 89 Karstadt-Filialen bekräftigt. Metro-Chef Eckhard Cordes betonte unterdessen im ZDF, er wolle "einen fairen Kaufpreis" für Kaufhof zahlen.

Keineswegs wolle man sich den einstigen Konkurrenten nun zum Schnäppchenpreis unter den Nagel reißen. Gleichzeitig schloss Cordes einen Börsengang oder einen Verkauf der möglichen neuen Warenhaus AG als mittelfristige Option nicht aus.

Auch für den Primondo-Spezialversender Baby Walz würde sich ein Abnehmer finden: Konkurrent Otto, der auch mit den Sporthäusern von Karstadt liebäugelt. Die würden gut zu seiner Tochter Sport-Scheck passen. Mönig-Raane hätte grundsätzlich nichts dagegen: "Otto ist ein ausgesprochen seriöses Unternehmen." Derzeit sei aber noch unklar, ob es sinnvoll sei, Firmenteile zu verkaufen.

Und nicht zuletzt zeigt auch die Post Interesse an Arcandor-Teilen. Man prüfe derzeit eine mögliche Unterstützung von Karstadt und Quelle, ließ das Bonner Unternehmen wissen. Das Angebot ist nicht ganz uneigennützig: Arcandor ist ein großer Kunde der Post, rund 4000 Mitarbeiter aus dem Paket- und Briefgeschäft sowie Logistik sind laut Post mit Arcandor-Aufträgen beschäftigt.

Ein schneller Verkauf der rentablen Tourismus-Sparte Thomas Cook, die wie die Primondo-Spezialversender und der Shopping-Kanal HSE24 von der Insolvenz ausgenommen ist, wäre offenbar schwierig. Der Rewe-Konzern hatte sein Interesse bekundet. Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland hat Arcandor seinen 52,8 Prozent-Anteil an Thomas Cook als Sicherheit für Kredite verpfändet.

Das 960 Millionen Euro schwere Darlehen des Konsortiums um BayernLB, Commerzbank und Royal Bank of Scotland (RBS) soll mit einem 44,8-Prozent-Anteil an Thomas Cook besichert sein. Arcandors restliche acht Prozent stünden den Gläubigern einer Umtauschanleihe zu. Die Banken wollen das Cook-Aktienpakets angeblich in den nächsten zwölf Monaten verkaufen.

Autor:  EVA ROTH UND JUTTA MAIER
Datum:  12 | 6 | 2009
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