Der Gesamtbetriebsrat von Karstadt wehrt sich massiv gegen die Bedingungen des Finanzinvestors. In einem Schreiben an die Belegschaft bezeichnet er das Angebot als "höchst unmoralisch". Von Jutta Maier
Filiale des Kaufhauses Karstadt in Bad Homburg. Die Kette kämpft ums Überleben: Nur Triton hatte ein verbindliches Angebot vorgelegt.
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Filiale des Kaufhauses Karstadt in Bad Homburg. Die Kette kämpft ums Überleben: Nur Triton hatte ein verbindliches Angebot vorgelegt.
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Frankfurt a.M. Das Kaufinteresse des deutsch-skandinavischen Finanzinvestors Triton an Karstadt stößt bei der Gewerkschaft Verdi auf Skepsis. "Ein Plan zur Fortführung des Unternehmens sollte nicht darauf kalkuliert sein, die Beschäftigten ein weiteres Mal zur Kasse zu bitten", so Vize-Vorsitzende Margret Mönig-Raane. Triton hatte am Wochenende angekündigt, im Falle einer Übernahme der Warenhauskette Tarifleistungen kürzen zu wollen.
Der Gesamtbetriebsrat von Karstadt wehrt sich massiv gegen die Bedingungen des Finanzinvestors. In einem Schreiben an die Belegschaft bezeichnete er das Angebot am Montag als "höchst unmoralisch".
Triton wolle die Beschäftigungssicherung für die 25.000 Arbeitnehmer sowie die Standortgarantie für die 120 Häuser aufheben und "4000 bis 5000 Arbeitsplätze vernichten", heißt es in dem offenen Brief. Unter Umständen sollten auch Bereiche von Karstadt - etwa die Premium-Warenhäuser, Sporthäuser, die Reisebüros oder die Gastronomie - in eigenständige Einheiten überführt werden.
Die Arbeitnehmer vermuten dahinter Pläne, die profitablen Sparten zu verkaufen, wenn die Sanierung des ganzen Konzerns misslinge.
Karstadt/Quelle - der Kampf ums Überleben
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Karstadt/Quelle - der Kampf ums Überleben
2004: Der Essener Handels und Touristikkonzern Karstadt-Quelle rutscht aufgrund der Flaute im Einzelhandel ins Minus. Mit einem Verlust von 1,6 Milliarden Euro steht der Konzern kurz vor der Pleite. Um der Krise zu begegnen, kündigt die Gesellschaft im Herbst an, 8500 Stellen zu kappen und 77 kleinere der 181 Warenhäuser zu schließen.
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2005: Der frühere Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Middelhoff übernimmt den Vorstandsvorsitz. Er kündigt ein Programm zur Konzernsanierung an. Unter Middelhoffs Regie trennt sich Karstadt-Quelle von Auslandsimmobilien und gibt Beteiligungen am Sportsender DSF, an der Plattform Sport1 und am Einkaufssender HSE ab. Zudem verkauft das Unternehmen kleinere Warenhäuser, die unter dem Namen Hertie geführt werden, sowie die Modehäuser Sinn Leffers und Wehmeyer. Alle drei Ketten melden später Insolvenz an.
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2006: Der Konzern kann wieder Gewinne einfahren - vor allem durch den Verkauf seiner Immobilien. Kurz vor Weihnachten übernimmt Karstadt-Quelle den 50-prozentigen Anteil der Lufthansa an der gemeinsamen Touristiktochter Thomas Cook.
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2007: Thomas Cook fusioniert mit dem europäischen Reiseanbieter MyTravel. Die Touristik wird damit zum größten Umsatzbringer des Unternehmens. Mitte 2007 wird der Konzern in Arcandor umbenannt. Der Name bleibt auf die Dachgesellschaft beschränkt: Die Warenhäuser firmieren weiter unter Karstadt, der Versandhandel unter Quelle und die Touristiksparte unter Thomas Cook.
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2008: Das Geschäftsjahr 2007/2008 beendet Arcandor tief in den roten Zahlen. Der Nettoverlust beläuft sich auf 746 Millionen Euro, die Schulden auf fast eine Milliarde Euro. Größtes Sorgenkind des Unternehmens ist die Warenhaustochter Karstadt. Middelhoff räumt unverblümt ein, dass die Krise um die Warenhäuser "leider ganz klar hausgemacht" sei. Im September steigt die Privatbank Sal. Oppenheim in großem Stil bei Arcandor ein. Mit 29,5 Prozent liegen die Kölner auf Augenhöhe mit Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, die ihre Mehrheit verliert.
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2009: Im Februar nimmt Middelhoff die Prognose für das laufende Jahr zurück. Noch im Herbst hatte er für das Geschäftsjahr 2008/2009 ein operatives Ergebnis von mehr als 1,1 Milliarde Euro angekündigt. Eine neue Prognose bleibt Arcandor schuldig.
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Am 1. März 2009 übernimmt der im Dezember berufene Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick den Posten des Vorstandsvorsitzenden. Einen Monat nach seinem Amtsantritt bereitet er die Beschäftigten bereits auf einen harten Sanierungskurs vor. Im April wird bekannt, dass Arcandor die Inanspruchnahme staatlicher Hilfen prüft.
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Mitte April 2009 stellt der Konzern ein Sanierungsprogramm vor, mit dem die Nobelhäuser und Karstadt-Filialen sowie Läden der Versandhandelstochter Quelle zur Disposition gestellt werden. Davon sind 12.500 Mitarbeiter betroffen. Bis Mitte Juni müssen laut Eick Kredite in Höhe von 650 Millionen Euro refinanziert werden. Bis 2014 gebe es einen zusätzlichen Bedarf von bis zu 900 Millionen Euro.
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8. Mai 2009: Arcandor verschiebt überraschend die Veröffentlichung seiner Halbjahreszahlen. Als Gründe nennt der Konzern die Neuordnung, das vorgelegte Konsolidierungsprogramm sowie die laufenden Finanzierungsverhandlungen.
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13. Mai 2009: Konkurrent Metro signalisiert, an der Lösung der Karstadt-Probleme mitwirken zu wollen. Es gehe aber nicht um eine Übernahme. Metro spricht sich gegen staatliche Hilfen für den Rivalen aus.
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15. Mai 2009: Arcandor kündigt an, binnen einer Woche einen Antrag für eine Staatsbürgschaft über 650 Millionen Euro beim Deutschlandsfonds zu stellen. Zudem bewirbt sich das Unternehmen um einen Kredit aus dem Sonderprogramm der KfW.
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28. Mai 2009: Der Arcandor-Konzern präsentiert seinen Antrag erstmals vor dem staatlichen Bürgschaftsausschuss. Im Anschluss daran äußert sich Vorstandschef Karl-Gerhard Eick zufrieden und kündigt eine Fortsetzung der Gespräche an.
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3. Juni 2009: Die EU-Kommission sieht keine Grundlage für die beantragte Bürgschaft beim Bund, weil die Probleme des Konzerns nicht erst mit der Finanzkrise begonnen hätten. Wirtschaftsminister Guttenberg sagt, aus Brüssel sei eine sehr klare Absage gekommen. Er rät Eick, auch andere Möglichkeiten zu prüfen.
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4. Juni 2009: Guttenberg und Bundeskanzlerin Angela Merkel machen deutlich, dass sie jenseits der Staatshilfe nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft sehen. Sie wollen, dass Eigentümer und Banken mehr Verantwortung übernehmen. Für Arcandor steigt der Druck, mit Metro über eine Kaufhausfusion zu sprechen.
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5. Juni 2009: Arcandor beantragt zusätzlich einen Beihilferettungskredit. Die Bundesregierung berät mit Unternehmens- und Bankenvertretern über Wege zur Rettung.
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8./9. Juni 2009: Alle Bemühungen sind vergebens: Arcandor erhält weder eine Staatsbürgschaft, noch den beantragten Notkredit. Das Unternehmen verzichtet auf weiterer Staatshilfen und geht in die Insolvenz.
17. Juni 2009: Arcandor teilt mit, man habe für weitere 15 Tochter-Gesellschaften aus dem Bereich Handel Insolvenzanträge wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt.
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13. August 2009: Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg kündigt den Abbau von rund 3700 der 10.500 Arbeitsplätze bei der Versandhandelssparte Primondo an. Bei Karstadt werden 19 Warenhäuser erneut auf den Prüfstand gestellt.
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15. August 2009: Die Suche nach einem Investor für den Arcandor- Konzern wird eingestellt. Jetzt geht es nur noch um die Sanierung der Töchter.
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1. September 2009: Das Essener Amtsgericht eröffnet voraussichtlich die Verfahren für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften.
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13. Oktober 2009: Insolvenzverwalter Görg schließt bei Primondo/Quelle einen weiteren Personalabbau über die angekündigten 3700 Stellen hinaus nicht aus. Berichten zufolge sollen mehrere hundert zusätzliche Stellen betroffen sein.
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Quelle kämpft - wie Karstadt und andere Töchter des Arcandor-Konzerns - ums Überleben. Die Ursachen für die aktuellen Probleme reichen weit zurück. Eine Zeittafel.
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Schuldenkrise
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"Gleichwohl werden wir in einem Gespräch mit Triton klären, welche konkreten Vorstellungen und Erwartungen an uns bestehen", erklärte der Betriebsrat. In allen Filialen seien Betriebsversammlungen geplant.
Ein Triton-Sprecher sagte der FR lediglich, Karstadt habe verlustbringende Segmente, auf die sich "eine nachhaltige Sanierung fokussieren" müsse. Dies könne bedeuten, unrentable Sparten an Fremdfirmen abzugeben. Angeblich sind dort 5000 Frauen und Männer beschäftigt.
Die Gewerkschaft sieht nach dem bereits zugestandenen Sanierungsbeitrag der Belegschaft eine Grenze erreicht: Die Beschäftigten verzichten bis 2012 auf Weihnachts- und Urlaubsgeld in Höhe von 150 Millionen Euro. Auch mit dem Vermieterkonsortium Highstreet wird der Finanzinvestor diese Woche über weitere Zugeständnisse verhandeln.
Unter diesen Voraussetzungen soll Triton bereit sein, Karstadt für 30 Millionen Euro zu übernehmen sowie 60 Millionen zu investieren.
Sollte die Triton-Offerte scheitern, erwägt das Highstreet-Konsortium unter Führung der US-Investmentbank Goldman Sachs ein eigenes Angebot. Es hat ein großes Interesse, eine Zerschlagung zu vermeiden, da ihm ein Großteil der 120 Karstadt-Filialen gehört. Eine Entscheidung wird in der Finanzbranche noch diese Woche erwartet. (mit rtr)