Visa-Kunden drohen harte Zeiten. Wenn das Beispiel der Sparkassen Dinslaken-Voerde-Hünxe und Heilbronn Schule macht, werden schon bald eine Million Direktbankkunden in Deutschland Probleme bei der Bargeldbeschaffung haben. Der Grund: Die Sparkassen kündigen ihre Verträge mit dem Kreditkartenunternehmen. Die Sperre von Geldautomaten für die Klientel der Direktbanken wird damit juristisch wasserdicht. Besonders bitter für Visa: Auch unter den Volks- und Raiffeisenbanken wächst der Groll auf den Kartenanbieter.
"Wir haben ganz offiziell die Kündigung rausgeschickt", bestätigt Norbert Bieniarz aus dem Vorstandssekretariat der Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe der Frankfurter Rundschau. Thomas Braun, Vorstandsmitglied bei der Kreissparkasse Heilbronn, rechnet "in den nächsten Tagen" mit einem entsprechenden Beschluss. Weitere dürften folgen.
Gebühren zu niedrig
Den Sparkassen ist die Gebühr zu niedrig, die sie erhalten, wenn Kunden von Direktbanken mit der Visa-Karte ihre Geldautomaten nutzen. Die von Visa diktierten Vertragsbedingungen sehen 1,74 Euro pro Abhebung vor. Zum Vergleich: Wer mit einer EC-Karte bei einem Konkurrenten seiner Hausbank Bargeld am Automaten zieht, zahlt hierzulande im Durchschnitt 4,50 Euro.
Besonders sauer sind die Sparkassendirektoren, weil sich Direktbanken wie ING Diba, Comdirect, Volkswagen Bank und DKB via Visa einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Sie müssen sich keine Gedanken über die Bargeldversorgung ihrer Kunden machen, weil es die Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit ihren zusammen 44 000 Geldautomaten gibt: Die aufstrebende Konkurrenz mit inzwischen gut zehn Millionen Kunden - schätzungsweise eine Million davon nur mit Direktbankkonto - funktionierte die Visa-Karte für ihre Zwecke zur Geldkarte um. Ursprünglich diente sie als Kreditkarte für den bargeldlosen Zahlungsverkehr.
Weil die Direktbanken weniger als die Filialbanken für Infrastruktur ausgeben, können sie häufig mit attraktiveren Konditionen um Kunden werben als die etablierten Größen im Privatkundengeschäft - beispielsweise übernehmen sie die Geldautomatennutzungsgebühr für ihre Kunden. Die Filialbanken, die nicht zur billigen Auszahlstelle für die Konkurrenz werden wollen, sprechen von einem Kartentrick.
Ungefähr 50 Sparkassen und vereinzelte Volksbanken sperrten daher ihre Geldautomaten für Direktbankkunden mit Visa-Karte. Dagegen gingen mehrere Wettbewerber mit einstweiligen Verfügungen vor - in der Mehrzahl der Fälle setzten sie sich bei Gericht durch. Immerhin haben die Sparkassen einen Vertrag mit Visa.
Nun aber wollen die Sparkassen reinen Tisch machen und mit Visa brechen. "Rechtlich ist das dann nicht mehr angreifbar", sagt Sparkässler Bieniarz. Nehmen sich viele andere öffentliche Kreditinstitute ein Beispiel an den Kollegen in Dinslaken, könnte das Visa richtig weh tun.
Die Lage ist auch deshalb so prekär für Visa, weil nun auch im Genossenschaftslager Ärger droht. Da macht das Beispiel der Volksbank Siegerland Schule. Die dortigen Kreditgenossen hatten im September alle bis auf einen Geldautomaten umprogrammiert, und damit für Direktbankkunden unbenutzbar gemacht. "Viele Kollegen haben uns auf die Schulter geklopft", sagt Jens Brinkmann.
Der Bankvorstand allein kennt drei genossenschaftliche Institute aus der Nachbarschaft, die nachgezogen haben. Eines davon ist die Volksbank Olpe. "Die Direktbanken halten sich in der Konditionsgestaltung auch nicht zurück", schimpft Marketing- und Vertriebsleiterin Eva Pfaff zur FR.
Weißer Fleck im Siegerland
Das Siegerland ist damit zu etwas wie einem weißen Fleck für Direktbankkunden mit Bargeldbedarf geworden. Denn auch die Automaten der Sparkasse Siegen sind nun für Visa-Kartenbesitzer bis auf Weiteres gesperrt. "Visa muss sich bewegen", sagt Vorstandschef Wilfried Groos.
Darin sieht auch die Sparkasse Heilbronn die letzte Chance für das Kartenunternehmen, doch noch im Geschäft zu bleiben. "Wir sind verhandlungsbereit. Wir sind Kaufleute", sagt Vorstandsmitglied Braun. Wie viele seiner Kollegen wünscht sich Braun, Visa möge sich ein Beispiel an Mastercard nehmen. Der Visa-Konkurrent ermöglicht es den Sparkassen von Mitte des Jahres an, die Gebühr selbst festzulegen.
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