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11. Januar 2016

Kinderarmut: Armutsrisiko in Bremen am höchsten

 Von Stefan Sauer
2014 lebten 19 Prozent der Kinder in einem Haushalt, der weniger als 60 Prozent des mittleren Nettohaushaltseinkommens zu Verfügung hatte.  Foto: Andreas Arnold

Die neuesten Daten aus dem Mikrozensus belegen, dass die Kinderarmut kaum zurückgegangen ist. Die Hans-Böckler-Stiftung stellt dabei stark regional voneinander abweichende Entwicklungen fest.

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Das Armutsrisiko für Kinder in Deutschland ist unverändert hoch. 2014 lebten 19 Prozent  der  Kinder in einem Haushalt, der weniger als 60 Prozent des mittleren Nettohaushaltseinkommens zu Verfügung hatte. Damit ist der Anteil armutsgefährdeter Kinder gegenüber dem Jahr 2005 mit 19,5 Prozent kaum zurückgegangen. Wegen der sinkenden Geburtenrate sank die absolute Zahl der armutsgefährdeten Kinder immerhin von 2,82 auf 2,47 Millionen. Das zeigen die neuesten verfügbaren Daten aus dem Mikrozensus, die das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ausgewertet hat.

Dabei offenbart die Analyse stark voneinander abweichende regionale Entwicklungen. Während das Kinderarmutsrisiko in den ostdeutschen Ländern von 29 Prozent im Jahr 2005 auf 24,9 Prozent 2014 sank, verzeichnete Nordrhein-Westfalen einen Anstieg von 20,4 auf 23,6 Prozent. Auch in Rheinland-Pfalz nahm das Kinderarmutsrisiko zu, während es in Bayern von 13,9 auf 11,9 Prozent abnahm.

Das höchste Risiko für Kinder, in einer armutsgefährdeten Familie aufzuwachsen besteht in Bremen mit einem Anteil von 33,1 Prozent. Auch Sachsen-Anhalt liegt mit 28,7 Prozent weit über dem Durchschnitt, wobei dort die Quote 2005 noch 33,8 Prozent betragen hatte. Besonders negative Daten liefert der Regierungsbezirk Düsseldorf, wo die Armutsgefährdung für Kinder von 18,9 Prozent im Jahr 2006 auf 25,1 Prozent 2014 zunahm. Die geringsten Werte weisen die bayerischen Regierungsbezirke Oberbayern und Oberpfalz auf. Dort sank das Kinderarmutsrisiko zwischen 2005 und 2014 von 11,7 auf 9,1 Prozent sowie von 14,3 auf 11,6 Prozent.

Maßgeblich für diese Entwicklungen sind nach Ansicht der WSI-Forscher  Veränderungen am Arbeitsmarkt. So sei die Arbeitslosenquote im Osten seit 2005 um mehr als 10 Prozentpunkte zurückgegangen, was den Rückgang der Armutsgefährdung erkläre.  Auch für Bayern und Baden-Württemberg ist der Zusammenhang erkennbar. Dort gehen die bundesweit geringsten Armutsanteile mit deren bundesweit niedrigsten Arbeitslosenquoten Hand in Hand.

Vor dem Hintergrund der hohen Zuwanderungs- und Flüchtlingszahlen rechnet das WSI für die kommenden Jahre mit eher steigenden Armutsanteilen für Kinder und damit auch für Erwachsene. Denn schon die Armutsquoten der bisher aus den Hauptherkunftsregionen eingewanderten Familien  mit Kindern seien überdurchschnittlich hoch. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts waren 47,7 Prozent der aus Serbien zugewanderten Familien 2014 armutsgefährdet. Das Gleiche traf auf 34,6 Prozent der Familien aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie für 43,6 Prozent der Familien vom afrikanischen Kontinent zu. Da die Arbeitslosigkeit unter den neu hinzu gekommenen Flüchtlingen naturgemäß erst einmal hoch sein wird, ist sind steigende Armutsquoten wahrscheinlich.

Dabei werden mit den Begriffen Einkommensarmut, Armutsrisiko oder Armutsgefährdung  nach internationaler Übereinkunft Haushalte gekennzeichnet, die weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Netto-Einkommens zu Verfügung haben.  Dabei wird berücksichtigt, dass größere Haushalte zwar mehr Wohnraum, Lebensmittel und andere Konsumgüter beanspruchen als kleine, durch gemeinsam genutzte Küchen, Badezimmer, Herde und TV-Geräte die Kosten pro Kopf aber langsamer ansteigen, oder anders: Vier Single-Haushalte haben höhere Kosten als eine vierköpfige Familien mit gemeinsame Wohnung.  Für letztere lag die Armutsschwelle 2014 bei einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 1926 Euro.

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