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31. Oktober 2012

KKH Allianz - Kommentar: Schwerkranke unwillkommen

 Von Daniel Baumann
Der KKH wird vorgeworfen, sie habe kranke Mitglieder telefonisch zur Kündigung gedrängt.  Foto: dpa

Eine Krankenkasse ist nicht für die Gesunden da. Eine Krankenkasse ist für die Kranken da. Traurig, dass man das überhaupt erwähnen muss, sollte der Grundsatz doch jedem Angestellten einer Krankenversicherung, jedem Krankenkassenchef ins Blut übergegangen sein. So ist es aber nicht.

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Aktuell sieht sich die Krankenkasse KKH-Allianz mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Sie soll Patienten mit HIV, Muskelerkrankungen und Diabetes zur Kündigung gedrängt haben, wie das ZDF-Magazin Frontal 21 berichtete. Die Krankenkasse weist diese Vorwürfe entschieden zurück.

Am Mittwoch hat sich das Bundesversicherungsamt in die Sache eingeschaltet. „Wir sind schon aktiv geworden“, sagte ein Sprecher der Aufsichtsbehörde der Berliner Zeitung. Das Amt habe die KKH-Allianz zu einer kurzfristigen Stellungnahme aufgefordert und werde falls notwendig auch selber vor Ort ermitteln. „Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten sollten, wäre das skandalös.“

Schwerkranke versorgen ist teuer

Die Versorgung Schwerkranker ist teuer und drückt auf das Budget der Krankenkassen. Wie aus einer Aufstellung der KKH-Allianz hervorgeht, gab sie zum Beispiel allein im Jahr 2008 für die Versorgung eines jungen Patienten mit Bluterkrankheit 1,815 Millionen Euro aus. Das war der damals teuerste Versicherte. Doch auch die Behandlung von Menschen mit anderen schweren Krankheiten kostet  schnell einen sechsstelligen Betrag.

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Diese  Kosten zu tragen, ist die  vornehmste Aufgabe der Krankenkassen, weil für die Patienten eine schwere Krankheit sonst  Siechtum, Armut und Tod bedeuten würde. Ein Krankenkassenchef, der sie nicht wahrnimmt, spricht der gesetzlichen Krankenversicherung ihre Existenzberichtigung ab. Leider kommt das viel zu häufig vor.

Die vielen alten, schwerkranken Versicherten der City-BKK wurden nach der Pleite ihrer Krankenkasse im vergangenen Jahr von anderen Versicherungen abgewimmelt.

Problematisch: Gesundheitsfonds und Zusatzbeiträge

So unerträglich dieses Verhalten ist, es hat handfeste wirtschaftliche Gründe. Die schwarz-rote Bundesregierung hat den Krankenkassen mit der Einführung des Gesundheitsfonds zum einen die Hoheit über die Beitragssätze genommen und zum anderen mit den Zusatzbeiträgen ein Wettbewerbsinstrument geschaffen, das bei der erstmaligen Erhebung Tausende Versicherte  flüchten lässt.  Die Kassen haben deswegen ein geradezu existenzielles Interesse daran, schwarze Zahlen zu schreiben.

Gleichzeitig hat der Gesetzgeber schlecht gearbeitet bei der Verteilung des Geldes aus dem Gesundheitsfonds: Schon lange ist bekannt, dass die Krankenkassen für manche Patientengruppen zu viel Geld aus dem Fonds bekommen und für andere zu wenig.  Die Gemeinsame BKK ging daran zugrunde, dass sie unter ihren Mitgliedern zwei Bluterkrankte hatte, deren Kosten durch die Zuweisungen nicht gedeckt waren. Der Haushalt reichte nicht aus, um diese Lücke zu stopfen. 

So lange das so bleibt, gibt es für die Kassen Anreize, bestimmte Versicherte gezielt anzuwerben und andere loszuwerden. Das geschieht oft subtil und hin und wieder grobschlächtig. Für Krankenkassen mit schlechter Haushaltslage sind diese Anreize besonders groß.

Die Bundesregierung will vorerst aber nicht handeln.

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