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09. Juni 2012

Klaus Töpfer: "Wir waren so euphorisch"

Sieht in der deutschen Energiewende einen Hoffnungsträger für Grüne Ökonomie: Klaus Töpfer  Foto: dpa

Wenn sich einer mit Weltklimakonventionen auskennt, dann er: Umweltexperte Klaus Töpfer spricht im Interview über den Geist von Rio und die nötige Reformation des Wirtschaftssystems.

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Wenn sich einer mit Weltklimakonventionen auskennt, dann er: Umweltexperte Klaus Töpfer spricht im Interview über den Geist von Rio und die nötige Reformation des Wirtschaftssystems.

Wenn einer den „Geist von Rio“ kennt, dann Klaus Töpfer. Der Ex-Bundesumweltminister war maßgeblich daran beteiligt, dass der UN-Gipfel von 1992 in der brasilianischen Metropole ein Erfolg wurde. Dort wurden die Weltklimakonvention und die Blaupause für eine nachhaltige Entwicklung beschlossen, die „Agenda 21“. Von dem damaligen Aufbruch ist wenig geblieben. Von der in der übernächsten Woche stattfindenden Nachfolgekonferenz „Rio plus 20“ fordert Töpfer: „Wir müssen endlich in die Umsetzung kommen.“

Herr Töpfer, man nannte Sie nach dem UN-Erdgipfel 1992 den „Retter von Rio“, dennoch hat der Gipfel die Welt nicht gerettet. Der CO2-Ausstoß ist stark gewachsen, die Artenvielfalt nimmt weiter ab, die Böden werden übernutzt ...

Zur Person

Klaus Töpfer ist Deutschlands renommiertester Umweltexperte. Der 73-jährige CDU-Politiker war von 1987 bis 1998 Bundesumwelt- und Bauminister. Bis 2006 leitete er das UN-Umweltprogramm. Er war Co-Vorsitzender der Ethikkommission zum Atomausstieg. Derzeit ist er Gründungsdirektor des Nachhaltigkeitsinstituts IASS in Potsdam und Vizepräsident der Welthungerhilfe.
Umweltgipfel: Die Konferenz „Rio plus 20“ zieht die Bilanz des UN-Gipfels für Umwelt und Entwicklung, der 1992 im Rio de Janeiro stattfand. Sie beginnt offiziell am 20. Juni. Über 100 Staats- und Regierungschefs haben ihr Kommen zugesagt. Bereits 2002 gab es einen Rio-Nachfolgegipfel im südafrikanischen Johannesburg . 1997 fand der Kyoto-Klimagipfel in Japan statt.

Das ist mir zu negativ. Eine Konferenz konnte die Welt nicht retten. Aber Ideen geben, wie eine friedliche Entwicklung in der globalisierten Welt gelingen könnte, das hat Rio getan. Wer kann schon sagen, wie sich die Welt ohne den Gipfel entwickelt hätte? In den 20 Jahren seither ist die Weltbevölkerung von 5,5 auf sieben Milliarden Menschen angewachsen. Länder wie China, Indien und Brasilien sind große Player geworden.

Sind Sie immer noch Optimist?

Bin ich. Rio war der Deklarations- und der Konventions-Gipfel. Den Gipfel zur Umsetzung haben wir zehn Jahre später in Johannesburg erhofft. Bei „Rio plus 10“ wurde dafür damals ein Plan mit klaren Zielen verabschiedet.

Wenn Sie an die zwei Wochen im Juni 1992 zurückdenken, was fällt Ihnen als erstes ein?

Die einmalige, geradezu unglaublich euphorische Atmosphäre nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation. Die Teilnehmer aus Nord und Süd, West und Ost überwanden ihre Konflikte und Vorbehalte, sie schienen wirklich überzeugt von der Idee, nachhaltigen Wohlstand durch Entwicklung für alle zu schaffen, ohne die ökologischen Grundlagen des Planeten auszuplündern. Es wurde anerkannt, dass reiche und arme Länder eine „gemeinsame, aber unterschiedliche Verantwortung“ tragen. Das war ein Meilenstein.

Was war denn daran schuld, dass der viel beschworene „Geist von Rio“ sich buchstäblich in Kohlendioxid aufgelöst hat?

Wir gingen damals zu blauäugig an die Sache heran. Wir waren so euphorisch. Wir hatten zum Beispiel die Weltklima-Konvention zustande gebracht. An die Umsetzung haben wir dagegen viel zu wenig gedacht. In der Konvention hatten sich die Staaten darauf verpflichtet, „eine gefährliche Störung des Klimasystems zu verhindern“. Das war eine Sensation. Und wir glaubten, dass das von allen ernst gemeint war. Wir hätten nicht nur die Bretter hinlegen sollen, sondern gleich die Nägel reinhauen. Danach fing das Gewürge an. Es war, wie Helmut Kohl gerne sagte: Alle sind der Meinung, man müsse den Gürtel enger schnallen, und dann fängt jeder an, am Gürtel des anderen herumzufummeln.

Die Amerikaner legten sich als erste quer. Sie wollten den American Way of Life nicht opfern.

Es waren nicht nur die Amerikaner. Aber die Amerikaner waren ein ganz besonders schwieriger Partner.

Die Bremser bremsen nun seit 20 Jahren.

Die Sache ist unerträglich langsam. Aber es gibt auch positive Entwicklungen, etwa den ungeahnten Aufschwung der erneuerbaren Energien. Und man darf auch „Rio plus 20“ nicht von vorneherein abhaken. Wir müssen eine solche Atmosphäre erzeugen, dass die Politiker sagen: Wir haben hier die Chance, etwas zur Stabilisierung des Planeten zu tun – und das müssen wir schaffen.

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