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07. März 2016

Klima: Klimasünder Landwirtschaft

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Kühe gelten weltweit als ein wichtiger Faktor für den Klimawandel: Sie stoßen das Treibhausgas Methan aus, das klimaschädlicher ist als CO2.  Foto: Imago

Der Landwirtschaft gelingt es nicht, die von ihr ausgelöste Klimabelastung zu reduzieren. Dabei sind die gesetzten Ziele längst nicht erreicht.

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Jeder Deutsche isst im Schnitt 60 Kilo Fleisch und Wurst im Jahr. Und er konsumiert 121 Kilo Milch, Milchprodukte, Käse und Butter. Diese fleisch- und milchbetonte Ernährungsweise ist nicht gesund – und auch nicht klimafreundlich. Das spricht sich zunehmend herum. Zumindest der Fleischkonsum sinkt seit Jahren, wenn auch nur allmählich, während Vegetarismus und Veganismus bei vielen „in“ sind. Das ambitionierte Klimaziel des „Paris-Gipfels“ vom Dezember – Erwärmungslimit 1,5 statt zwei Grad – erfordert allerdings noch viel deutlichere Veränderungen in Deutschland im Bereich Ernährung und Landwirtschaft.

Der Agrarsektor hinkt beim Klimaschutz im Vergleich mit der Energiewirtschaft und der Industrie nämlich deutlich hinterher. Selbst das bisher gültige nationale Treibhausgas-Reduktionsziel wird weit verfehlt. Nur der Verkehr liegt noch weiter zurück.

„Das kann so nicht bleiben“

In der Landwirtschaft spielt Kohlendioxid (CO2) nicht die Hauptrolle. Die Emissionen, die entstehen, wenn der Bauer mit dem Traktor übers Feld fährt oder den Stall heizt und dafür Diesel und Heizöl verbrennt, werden im Energiesektor „verbucht“. Klima-Einheizer im Agrarbereich sind vor allem Methan und Lachgas.

Diese Treibhausgase stammen von wiederkäuenden Rindern und Schafen, aus der offenen Lagerung von Mist und Gülle sowie von stark gedüngten Feldern. Und sie haben es in sich: Methan ist 25-fach, Lachgas 298-fach klimaschädlicher als CO2. Insgesamt sind Ackerbau und Viehzucht für rund sieben Prozent des Treibhausgas-Ausstoßes – berechnet als CO2-Äquivalent (CO2äq) – verantwortlich. Zählt man die CO2- Emissionen aus dem Energieverbrauch und der Düngemittel-Herstellung sowie die Ausgasungen aus landwirtschaftlich genutzten Moorböden hinzu, kommt man auf 15 bis 17 Prozent.

Der Bauernverband lobt die eigene Branche zwar. Man habe bei der Reduktion von Methan und Lachgas „große Fortschritte erzielt“, heißt es dort. Bis 2010 sei der Ausstoß um 16 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 1990 gesenkt worden, so die Agrarfunktionäre. Das ist zwar richtig, aber nur die halbe Wahrheit. Denn das Klimaziel der Bundesregierung, das 2020 erreicht sein soll, liegt mehr als doppelt so hoch, nämlich bei 40 Prozent.

Der Rückgang beruhte vorrangig auf dem Niedergang der Viehwirtschaft in den neuen Bundesländern, die nach der Wende ihren Markt im Osten verloren hatten. In den vergangenen Jahren stagnierten die Emissionen in der Landwirtschaft oder wuchsen sogar wieder an, 2014 zum Beispiel im Vergleich zum Vorjahr um etwa 2,2 Prozent. Laut Umweltbundesamt (UBA) gibt es drei Faktoren dafür: Die Lachgas-Emissionen legten zu, weil die Bauern mehr düngten, und der Methan-Ausstoß ging nach oben, weil erstens die Milchviehhaltung aufgrund des Wegfalls der Milchquote zunahm und zweitens mehr Energiepflanzen wie Mais für die Nutzung in Biogas-Anlagen vergoren wurden, was bei offenen Lagern für die Gärrückstände die Emissionen erhöht.

Politisch wächst der Druck, den Agrarbereich auf Kurs zu bringen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) räumte unlängst ein, neben dem Verkehr sei auch die Landwirtschaft „für den Klimaschutz viel zu lange vernachlässigt worden“. Und forderte: „Das kann so nicht bleiben.“ Sie müsse künftig „substanzielle Beiträge“ leisten.

Wie das gehen kann, hat das Umweltamt in seinem Szenario „Treibhausgasneutrales Deutschland 2050“ gezeigt. Danach müssen die Emissionen des Agrarsektors bis Mitte des Jahrhunderts in etwa halbiert werden. Das entspräche einer Reduktion von aktuell rund 72 auf 35 Millionen Tonnen CO2äq pro Jahr.

Vor allem zwei Maßnahmen können die Wende bringen. Einmal der effizientere, sparsamere Einsatz des auf die Felder ausgebrachten Stickstoffdüngers, zudem die konsequente Nutzung der in der Tierproduktion anfallenden Gülle zur Energieproduktion in Biogasanlagen mit – das ist wichtig – gasdichter Lagerung der Gärreste.

Weiter hält das UBA es für nötig, die Umwandlung von Grünlandflächen in Ackerland einzustellen, dieser „Umbruch“ führt nämlich dazu, dass der Boden CO2 freisetzt. Zudem müsse ein erheblicher Teil der landwirtschaftlich genutzten Moore aus der Bewirtschaftung genommen und wieder „vernässt“ sowie ein anderer Teil klimafreundlich genutzt werden – mit sogenannten Paludikulturen. Dabei geht es immerhin um rund sechs Prozent der gesamten heute genutzten Agrarfläche. Hintergrund: Moore sind im natürlichen Zustand große Kohlenstoffspeicher. Trockene Moore wieder zu fluten, entzieht durch Einlagerung von Pflanzenmasse der Atmosphäre CO2. Positiv wirkt insgesamt auch eine Umstellung auf Öko-Anbau und eine Bewirtschaftung mit Fruchtfolgen, um die Anreicherung von Humus im Boden zu fördern.

Paris - und nun?

Auf dem Klimagipfel in Paris wurden im Dezember ambitionierte Ziele zum Schutz des Klimas beschlossen. Doch mit dem Vertragswerk alleine ist es nicht getan. Die FR beleuchtet in einer Serie, was in Deutschland geschehen muss, damit die Ziele auch erreicht werden. Analysiert wurden bislang die Bereiche Energieerzeugung, Industrie, Verkehr und Wohnen. Heute geht es um die Landwirtschaft. Klima-Einheizer sind da vor allem Methan und Lachgas. Diese Treibhausgase stammen von wiederkäuenden Rindern und Schafen, aus der Lagerung von Mist und Gülle.

Allerdings: All diese Maßnahmen reichen nur aus, um die Treibhausgasemissionen auf rund 45 Millionen Jahrestonnen zu senken. Die restlichen zehn Millionen sind nur zu schaffen, wenn weniger Tiere gehalten werden, ergo weniger Fleisch und Milchprodukte produziert werden. In einem der UBA-Szenarien geht der Bestand an Rindern, Schweinen und Schafen auf nur noch 40 Prozent des Wertes von 2007 zurück, während die – vergleichsweise wenig klimabelastende – Geflügelproduktion in etwa auf dem alten Niveau bleibt. Das wäre eine Umkehrung des aktuellen Trends. Zuletzt ist die Viehhaltung in Deutschland nämlich angestiegen, wobei ein immer größerer Anteil des produzierten Fleisches in den Export geht.

Bauern sträuben sich

Den Verbrauchern empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ohnehin, den Fleischkonsum von aktuell 60 auf maximal 30 Kilo pro Jahr zu senken. Beim Bauernverband indes kann man sich bisher mit der Idee nicht anfreunden, bei Hamburger, Steak oder Wurstbrötchen aus Klimaschutzgründen weniger zuzulangen. „Diese Verzichtsstrategien“ würden nicht weiter helfen, heißt es dort. Stattdessen setzt man auf Effizienzsteigerung.

Im Umweltbundesamt glaubt man nicht, dass das reicht: Schon für das Zwei-Grad-Limit brauche es ambitionierte Maßnahmen, „darunter eine geringere Tierhaltung“, sagt UBA-Expertin Frederike Balzer. Um einen 1,5-Grad-Pfad zu erreichen, müsse aber noch deutlich mehr geschehen.

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