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16. September 2014

Klimaschutz: Mehr grünes Wachstum nötig

 Von 
Braunkohlekraftwerk in Brandenburg. Die UN mahnen in einem neuen Bericht zu mehr Klimaschutz.  Foto: dpa/Symbolbild

Nächste Woche tagt in New York ein UN-Sondergipfel zum Klimaschutz. Bereits heute präsentieren die Vereinten Nationen einen Bericht über die wirtschaftlichen Auswirkungen von mehr Klimaschutz.

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Ambitionierter Klimaschutz muss keine Wachstumsbremse sein, sondern kann sogar als Motor für Wachstum und Wohlstand fungieren. So lautet die Kernbotschaft eines Berichtes, der von der hochrangig besetzten „Weltkommission für Wirtschaft und Klima“ erarbeitet wurde. Vorgestellt wird der Bericht am heutigen Dienstag in New York unter anderem von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon, dem ehemaligen mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón und dem britischen Ökonomen Sir Nicholas Stern. Die Kommission will damit einen Beitrag zur Debatte der Staats- und Regierungschefs auf dem Klima-Sondergipfel leisten, zu dem Ki-Moon für nächste Woche an den UN-Sitz eingeladen hat.

 

Laut dem Bericht sind die nächsten 15 Jahre entscheidend, um einen klimaverträglichen Wachstumspfad einzuschlagen. In diesem Zeitraum würden weltweit Investitionen in Höhe von rund 90 Billionen US-Dollar in städtische Infrastruktur, Energiesysteme und den Verkehrssektor getätigt. Dies sei eine beispiellose Gelegenheit, um Investitionen in klimaverträgliches Wachstum zu lenken, mit dem zusätzliche Arbeitsplätze, bessere Gesundheit, Produktivität und Lebensqualität einhergehen würden. Entsprechende Investitionen und Innovationen können laut dem Report angeregt werden, wenn Regierungen per Emissionshandel einen verlässlichen, allmählich ansteigenden CO2-Preis und gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen den Ländern durch ein internationales Klimaschutzabkommen schaffen würden.

 

Calderon, Co-Vorsitzender der Kommission, kommentiert: „Der Bericht widerlegt die Ansicht, dass wir zwischen der Bekämpfung des Klimawandels und einer wachsenden Wirtschaft wählen müssen“. Stern ergänzt, dass die Investitionsentscheidungen von heute „die Zukunft unserer Wirtschaft und unseres Klimas bestimmen“. Werde der CO2-intensiven Weg fortgesetzt, werde der Klimawandel zu schwerwiegenden Risiken für den langfristigen Wohlstand führen. Eine anderer, von Stern geleiteter Report hatte 2006 gezeigt, dass die jährlichen Kosten des Klimawandels, wenn nicht gehandelt wird, auf bis zu 20 Prozent oder mehr des erwarteten globalen Bruttoinlandsprodukts ansteigen könnten.

 

Insbesondere in drei Schlüsselsektoren der Weltwirtschaft sieht der Bericht große Chancen auf starkes Wachstum mit geringeren Treibhausgas-Emissionen: Städte, Energie und Landnutzung. Um dies zu erreichen, müssten Regierungen und Unternehmen die Ressourceneffizienz verbessern, in eine bessere Infrastruktur investieren und technische sowie unternehmerische Innovation fördern.

 

- Städte: Durch kompaktere Städte mit sehr gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsmitteln können laut dem Report in den nächsten 15 Jahren über 3000 Milliarden US-Dollar Investitionskosten eingespart werden. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sowie die Lebensqualität, etwa durch geringere Luftverschmutzung, würden verbessert und CO2-Emissionen eingespart.

 

- Energie: Da der Preis von Solar- und Windenergie stark fällt, kann laut dem Bericht bis 2030 mehr als die Hälfte der neu installierten Stromversorgung aus Öko-Energien stammen, was die Abhängigkeit von der besonders klimaschädlichen Kohle verringert. Gefordert wird dazu der Abbau der Subventionen für fossile Brennstoffe von weltweit aktuell 600 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Dies könne auch Geld für gezielte Armutsbekämpfung freimachen.

 

- Landnutzung: Die Wiederherstellung von nur zwölf Prozent der weltweit – etwa durch Erosion und Auslaugung - degradierten Böden könnte weitere 200 Millionen Menschen ernähren und die Einkommen von Landwirten um 40 Milliarden US-Dollar pro Jahr erhöhen. Auch die CO2-Emissionen durch Entwaldung würden so verringert, weil weniger Brandrodung für Ackerfläche stattfinden würde.

 

In Europa werden laut dem Report bis 2030 rund 16 Billionen US-Dollar und somit etwa ein Fünftel der weltweit 90 Billionen US-Dollar in neue Infrastruktur investiert. Europa biete sich eine wichtige Gelegenheit, mit neuen Infrastrukturinvestitionen den europäischen Klimaschutz voranzubringen und Wachstumsimpulse zu setzen, sagte das deutsche Mitglied der Weltkommission, Caio Koch-Weser, der Deutsche Bank-Manager sowie Aufsichtsratschef der Europäischen Klima-Stifung (European Climate Foundation) ist.

 

„Der angebliche Zielkonflikt zwischen Wirtschaftswachstum, Versorgungssicherheit und Klimaschutz entpuppt sich als Mythos. Alle drei Ziele können erreicht werden, wenn es gelingt, verlässliche politische Rahmenbedingungen zu schaffen, nachhaltige Investitionen zu tätigen und Anreize für Innovationen zu setzen“, sagte Koch-Weser. Das von EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker angekündigte Investitionsprogramm könne hier eine wichtige Lenkungswirkung entfalten. „Europa kann seine weltweite Vorreiterrolle bei der Entwicklung sauberer Technologien ausbauen und gleichzeitig die Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren“, meinte der Manager.

 

Der Kommission gehören 24 internationale Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft an, darunter OECD-Generalsekretär Angel Gurría, Unilever-Chef Paul Polman, die ehemalige neuseeländische Premierministerin Helen Clark sowie Bloomberg-Chef Daniel L. Doctoroff und Chad Holliday, Vorsitzender der Bank of America. Ihr neuer Bericht folgt dem Konzept des „Grünen Wachstums“, wie es unter anderem auch vom UN-Umweltprogramm der Vereinten Nationen als Lösung des Klima- und Ressourcen-Problems angesehen wird. Kritiker dieses Konzepts wenden ein, dass eine Lösung der Umweltkrise ohne eine Senkung des Konsumniveaus besonders in den Industriestaaten nicht möglich sei.

Für den Ban-Ki-Moon-Gipfel in New York haben bereits mehr als 125 Staats- und Regierungschefs ihr Teilnahme zugesagt, darunter US-Präsident Barack Obama, Frankreichs Präsident Francois Hollande und der britische Regierungschef David Cameron. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) allerdings wird nicht da sein, sie lässt sich durch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) vertreten. Das Treffen soll einen Konsenses darüber befördern, wie das neue globale Klimaabkommen aussehen könnte, das 2015 in Paris beschlossen werden und 2020 als Nachfolger des Kyoto-Protokolls in Kraft treten soll.

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