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28. November 2012

Klimawandel: Verzerrte Wahrnehmung

 Von Joachim Wille
Entwicklungsländer werden deutlich häufiger von Unwettern, bedingt durch den Klimawandel, heimgesucht. Die Menschen sind den Naturgewalten meist schutzlos ausgeliefert.  Foto: dapd

Wütet in der USA ein Sturm gibt es Sondersendungen, wütet ein anderer in einem Entwicklungsland reicht es bestenfalls für eine Meldung. Dabei sind gerade arme Länder deutlich schwerer betroffen.

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Wütet in der USA ein Sturm gibt es Sondersendungen, wütet ein anderer in einem Entwicklungsland reicht es bestenfalls für eine Meldung. Dabei sind gerade arme Länder deutlich schwerer betroffen.

Wenn ein Hurrikan New York bedroht und dann verwüstet, beherrscht das die Schlagzeilen für eine Woche. Monstersturm „Sandy“ erzeugte Anfang November serienweise TV-Sondersendungen und er entschied sogar die US-Präsidentschaftswahlen mit. Wütet ein solcher Sturm auf Kuba oder gibt es schwere Überschwemmungen in Laos, reicht es oft nur für eine Meldung im Vermischten der Zeitungen. Eine verzerrte Wahrnehmung.

Tatsächlich sind oft ärmere Entwicklungsländer die Hauptopfer von extremen Wetterereignissen, deren Häufung auch mit dem Klimawandel in Zusammenhang gebracht wird. Sie sind im Durchschnitt deutlich schwerer als Industrieländer betroffen, wie der „Globale Klima-Risiko-Index“ für 2011 zeigt, der von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch erarbeitet wurde. Thailand, Kambodscha und Pakistan liegen auf der Rangliste vorn, die jetzt auf dem Weltklimagipfel in Doha vorgestellt wurde. In Thailand forderten im vorigen Jahr ungewöhnlich starke Regenfälle fast 900 Todesopfer und verursachten Schäden von umgerechnet rund 60 Milliarden Euro. Auch in Kambodscha kam es zu den schwersten Überflutungen seit Jahrzehnten.

Germanwatch führt eine Langzeit-Rangliste für die Folgen von Wetter-Extremereignissen wie schwere Stürme, Überschwemmungen oder Dürren. In den zwei Jahrzehnten von 1992 bis 2011 hatten danach Honduras, Myanmar und Nicaragua besonders viele Todesfälle und Schäden zu beklagen. Weltweit kamen in dieser Zeit über 530 000 Menschen als direkte Folge der Extremereignisse um, von denen mehr als 15 000 registriert wurden. Die ökonomischen Verluste betrugen mehr als zwei Billionen Euro. Acht der zehn am stärksten betroffenen Staaten waren Entwicklungsländer aus den Gruppen mit niedrigem oder mittlerem Einkommen.
Studien von Klimaforschern zeigen, dass der Faktor Klimawandel offenbar die Häufigkeit und Schwere von Hitzewellen erhöht: Die langanhaltenden Großfeuer in Russland 2010 und die Dürre im Mittleren Westen der USA in diesem Jahr gelten als Beispiele dafür.

Auf dem Doha-Gipfel müsse es deswegen ernsthafte Fortschritte in den Verhandlungen zur Reduktion der Treibhausgase, mehr Geld für die Anpassung an den Klimawandel und einen Startschuss für den Aufbau eines internationalen Kompensationsmechanismus geben, über den trotzdem auftretende Schäden und Verluste bezahlt werden.

Dass etwas gegen die Klimagefahren getan werden kann, zeigt das Beispiel Bangladesch. Das Land ist wegen seiner tief liegenden Küsten besonders durch den Meeresspiegelanstieg gefährdet. Trotzdem landete es im Langfrist-Index zum ersten Mal nicht mehr unter den ersten drei Ländern, sondern verbesserte sich auf Rang vier. Ein Grund dafür ist, dass die schwere Sturmkatastrophe von 1991 mit mehr als 140 000 Toten nicht mehr in der Analyse berücksichtigt wurde. Doch Bangladesch ist auch eines der wenigen armen Länder, das viele Maßnahmen durchgeführt hat, um sich besser auf den Klimawandel vorzubereiten. Es wurden zum Beispiel in den Küstenzonen erhöhte Schutzräume gebaut. Für Germanwatch eine Erfolgsgeschichte: „Bangladesch zeigt, dass aktive Anpassung hilft, um Schäden zu reduzieren.“

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