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Körper-Test beim Vorstellungsgespräch: Blut für Daimler

Der Autokonzern verlangt von Bewerbern regelmäßig vor der Einstellung Blutproben - und sorgt damit für Entsetzen bei Datenschützern. Das Stuttgarter Innenministerium ermittelt. Von Matthias Thieme

Daimler steht wegen umstrittener Bewerbertests in der Kritik.
Daimler steht wegen umstrittener Bewerbertests in der Kritik.
Foto: dpa

Viel scheint man in Stuttgart nicht aus den Datenskandalen der Vergangenheit gelernt zu haben: Der Autokonzern Daimler verlangt von Bewerbern regelmäßig vor der Einstellung Blutproben - und sorgt damit für Entsetzen bei Datenschützern.

Es sei "durchaus üblich", dass Bewerber vor der Einstellung mit Bluttests medizinisch untersucht würden, sagte eine Konzernsprecherin der Frankfurter Rundschau und bestätigte damit einen Bericht von NDR-Info.

Stammwerkes der Fahrzeugmarke Mercedes-Benz der Daimler AG.
Stammwerkes der Fahrzeugmarke Mercedes-Benz der Daimler AG.
Foto: dpa

Im Blut der Bewerber suche man unter anderem nach Hinweisen auf überhöhtes Cholesterin, Diabesteserkrankungen und Allergien, so die Sprecherin. Der werksärztliche Dienst teile der Personalabteilung mit, "ob ein Bewerber für den Job geeignet ist, oder nicht". Die Untersuchung geschehe aus reiner "Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern".

Daran haben Datenschützer massive Zweifel: "Das ist ganz klar illegal", sagt Marit Hansen, stellvertretende Leiterin des Datenschutzzentrums Schleswig Holstein der Frankfurter Rundschau. "Die Daten müssen gelöscht und alle Betroffenen müssen informiert werden."

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Das Vorgehen von Daimler verstoße "gegen alle bestehenden Regeln des Datenschutzes." Medizinische Daten dürften auf Bewerbungsverfahren keinen Einfluss haben. Nur bei speziellen Berufsgruppen wie etwa Ärzten gebe es Ausnahmen, um beispielsweise Pandemien zu vermeiden.

In normalen Bewerbungsgesprächen dürften medizinische Daten nicht erhoben werden, so Hansen. Mit Blutproben könne von Gesundheitstests bis zur Genanalyse und der Prüfung von Verwandschaftsverhältnissen alles mögliche hinter dem Rücken der Mitarbeiter gemacht werden.

Auch die von Daimler behauptete Freiwilligkeit der Tests sei im Machtgefälle der Bewerbungs-Situation zweifelhaft: "Der Jobsuchende hat gar keine reale Chance, die Untersuchung abzulehnen", meint Hansen, "dass dies zum Schutz der Mitarbeiter geschieht, ist eine Ausrede".

Daimler müsse sein Bewerbungsverfahren "den Rechtsnormen anpassen", so die Datenschützerin. "Hier sind Bußgelder in erheblichem Ausmaß möglich." Zudem könnten Bewerber, die wegen solcher Gesundheitstests einen Job nicht bekommen, "mit hohen Erfolgschancen klagen" - wegen Diskriminierung.

Die Datenschutzbehörde im Stuttgarter Innenministerium teilte auf Anfrage mit, man habe Ermittlungen aufgenommen.

Autor:  Matthias Thieme
Datum:  28 | 10 | 2009
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