Wer in Deutschland einer geregelten Arbeit nachgeht, sollte unbedingt ein Mann sein. Es lohnt sich. Schließlich bringt jeder Mann am Monatsende im Durchschnitt 23 Prozent mehr Geld mit nach Hause als seine Kollegin, seine Frau, seine Nachbarin. Nur noch einmal zur Verdeutlichung: Rechnet man das aufs Jahr um, haben die Frauen bis zum nächsten Samstag, 24. März, ganz umsonst gearbeitet und verdienen erst danach genauso viel wie die Männer. Im Schnitt bekommen sie pro Stunde 4,62 Euro weniger ausgezahlt.
So weit die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Sie zeigen auch, dass die sogenannte Gender Pay Gap, die Lücke zwischen den Einkommen von Männern und Frauen, in Deutschland seit 2006 konstant ist. Das lässt Deutschland nicht nur im internationalen Vergleich wie ein Fossil aus der patriarchalischen Steinzeit aussehen.
Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern sind in einzelnen Branchen besonders hoch. In anderen ist die Gleichberechtigung auch auf dem Gehaltszettel angekommen, wie die Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen. Hier ein Ranking, von recht gleichberechtigt bis höchst ungerecht:
Die subjektive Wahrnehmung, Deutschland sei mit dem Ausbau der Kinderbetreuung und der Diskussion über Frauenquoten in Politik und Wirtschaft auf einem guten Weg zu einer gleichberechtigten Gesellschaft, stellt sich als falsch heraus. Zumindest, wenn es darum geht, was am Ende heraus-, also im Portemonnaie ankommt.
Das heißt nicht, dass die ersten Versuche der Arbeitsmarkt- und Familienpolitik, Frauen im Job zu unterstützen, falsch waren. Zwei Drittel der eklatanten Lohnkluft sind dadurch zu erklären, dass Frauen öfter in schlecht bezahlten Branchen arbeiten, dass die typischen Frauenberufe Erzieherin, Friseurin, Verkäuferin deutlich schlechter entlohnt werden als Mechatroniker oder Schlosser.
Dass sie deutlich öfter Teilzeit arbeiten als ihre männlichen Kollegen - und deshalb bei gleicher Qualifizierung seltener in Führungspositionen aufsteigen. Dass sie häufiger Auszeiten nehmen, um sich um Kinder oder kranke Angehörige zu kümmern - und es deshalb auf weniger Berufsjahre bringen.
Die Lohnstatistik offenbart eine Zweiteilung Deutschlands in Ost und West. Während 2011 in den alten Bundesländern Frauen im Schnitt 25 Prozent weniger verdienten als Männer, waren es in den neuen Bundesländern nur sechs Prozent. Hier die genauen Zahlen zu den einzelnen Ländern im Ranglisten-Überblick:
Um diese Widerstände zu beheben, sind mehr Kita-Plätze und das Gewähren von Elterngeld wichtig. Es reicht aber nicht. Die Politik muss die Unternehmen dazu zwingen, flexible Arbeitszeit-Modelle zuzulassen. Eine Familie darf kein Karrierekiller sein.
Gleiches Geld für gleiche Arbeit - um das zu erreichen, hat die Politik viel zu lange auf ein freiwilliges Entgegenkommen gesetzt. Ein großer Teil der Lohnkluft lässt sich nicht durch Niedriglohnjobs und Teilzeit erklären. Jede Krankenschwester bringt im Schnitt hundert Euro weniger nach Hause als jeder Krankenpfleger, auch wenn sie in der gleichen Position sind und identische Tätigkeiten ausüben.
Um diese himmelschreiende Ungerechtigkeit zu beenden, darf sich der Staat nicht mehr auf das Verhandlungsgeschick der Frauen oder die Versprechungen der Unternehmen verlassen. Hier brauchen wir schärfere gesetzliche Regelungen, die über das Gleichbehandlungsgesetz hinausgehen.
Lesen Sie weiter, wie eine kanadische Provinz Deutschland als Vorbild dienen kann.
Ein Vorbild könnte die kanadische Provinz Quebec sein. Hier gibt es seit 1997 ein Lohngleichheitsgesetz. Das verpflichtet alle Firmen mit mehr als zehn Beschäftigten, geschlechterspezifische Lohndiskriminierung zu ermitteln und zu beseitigen. Hilfe leistet eine eigens entwickelte Software. Für größere Unternehmen ist außerdem ein Lohngleichheitskomitee vorgeschrieben, dem mindestens zur Hälfte Frauen angehören müssen. Experten zufolge wurden die Lohnunterschiede dadurch erheblich minimiert.
Löhne werden von überkommenen Stereotypen beeinflusst
Frauen haben die besseren Abschlüsse, sie sind motiviert und oftmals ebenso karriereorientiert wie ihre männlichen Kollegen - und trotzdem müssen sie riesige Lohnunterschiede kämpfen. Das zeigt, dass der deutsche Arbeitsmarkt mehr von überkommenen Stereotypen als von Fakten gelenkt wird. Die Politik muss die Wirtschaft per Gesetz zum Umdenken zwingen. Damit Frauen endlich das Geld bekommen, dass sie längst verdienen.
Die Enttarnung geheimer Geschäfte in Steueroasen beschäftigt Politik und Wirtschaft. Berichte und Hintergründe finden Sie in der Offshore Leaks-Themensammlung.
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22% | Ja, finde ich gut. Die Unternehmen ernennen von sich aus keine Frauen. |
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67% | Nein, ich bin dagegen. Die Qualifikation ist wichtiger als das Geschlecht. |
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11% | Ist egal, für die Wirtschaft ist das nicht entscheidend. |

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