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21. März 2012

Kommentar: Lohnunterschiede in Deutschland: Gebt den Frauen, was sie verdienen!

 Von Nadja Erb
Schnauzbart ankleben und endlich gerecht bezahlt werden - wenn es doch nur so einfach wäre.  Foto: dpa

Frauen haben 2011 in Deutschland ein Fünftel weniger Gehalt bekommen als Männer. Das ist eine Schande für eine Gesellschaft, die sich für so emanzipiert hält wie die unsere. Und es zeigt, dass jede Debatte über Frauenquoten zuallererst am Portemonnaie ansetzen muss.

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Wer in Deutschland einer geregelten Arbeit nachgeht, sollte unbedingt ein Mann sein. Es lohnt sich. Schließlich bringt jeder Mann am Monatsende im Durchschnitt 23 Prozent mehr Geld mit nach Hause als seine Kollegin, seine Frau, seine Nachbarin. Nur noch einmal zur Verdeutlichung: Rechnet man das aufs Jahr um, haben die Frauen bis zum nächsten Samstag, 24. März, ganz umsonst gearbeitet und verdienen erst danach genauso viel wie die Männer. Im Schnitt bekommen sie pro Stunde 4,62 Euro weniger ausgezahlt.

So weit die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Sie zeigen auch, dass die sogenannte Gender Pay Gap, die Lücke zwischen den Einkommen von Männern und Frauen, in Deutschland seit 2006 konstant ist. Das lässt Deutschland nicht nur im internationalen Vergleich wie ein Fossil aus der patriarchalischen Steinzeit aussehen.

Die subjektive Wahrnehmung, Deutschland sei mit dem Ausbau der Kinderbetreuung und der Diskussion über Frauenquoten in Politik und Wirtschaft auf einem guten Weg zu einer gleichberechtigten Gesellschaft, stellt sich als falsch heraus. Zumindest, wenn es darum geht, was am Ende heraus-, also im Portemonnaie ankommt.

Frauen im Job zu unterstützen ist nicht genug

Das heißt nicht, dass die ersten Versuche der Arbeitsmarkt- und Familienpolitik, Frauen im Job zu unterstützen, falsch waren. Zwei Drittel der eklatanten Lohnkluft sind dadurch zu erklären, dass Frauen öfter in schlecht bezahlten Branchen arbeiten, dass die typischen Frauenberufe Erzieherin, Friseurin, Verkäuferin deutlich schlechter entlohnt werden als Mechatroniker oder Schlosser.

Dass sie deutlich öfter Teilzeit arbeiten als ihre männlichen Kollegen - und deshalb bei gleicher Qualifizierung seltener in Führungspositionen aufsteigen. Dass sie häufiger Auszeiten nehmen, um sich um Kinder oder kranke Angehörige zu kümmern - und es deshalb auf weniger Berufsjahre bringen.

Um diese Widerstände zu beheben, sind mehr Kita-Plätze und das Gewähren von Elterngeld wichtig. Es reicht aber nicht. Die Politik muss die Unternehmen dazu zwingen, flexible Arbeitszeit-Modelle zuzulassen. Eine Familie darf kein Karrierekiller sein.

Gleiches Geld für gleiche Arbeit - um das zu erreichen, hat die Politik viel zu lange auf ein freiwilliges Entgegenkommen gesetzt. Ein großer Teil der Lohnkluft lässt sich nicht durch Niedriglohnjobs und Teilzeit erklären. Jede Krankenschwester bringt im Schnitt hundert Euro weniger nach Hause als jeder Krankenpfleger, auch wenn sie in der gleichen Position sind und identische Tätigkeiten ausüben.

Gegen Lohnkluft helfen nur Gesetze

Um diese himmelschreiende Ungerechtigkeit zu beenden, darf sich der Staat nicht mehr auf das Verhandlungsgeschick der Frauen oder die Versprechungen der Unternehmen verlassen. Hier brauchen wir schärfere gesetzliche Regelungen, die über das Gleichbehandlungsgesetz hinausgehen.

Lesen Sie weiter, wie eine kanadische Provinz Deutschland als Vorbild dienen kann.

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