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Kommentar: 2:0 für Japan

Von Juli an können Privatleute ihren Alltag mit einem Brennstoffzellen-Auto bestreiten - aus Japan. Und die Deutschen? Forschen viel, wagen aber höchstens Testserien. Von Florian Brückner.

Florian Brückner ist Volontär der Frankfurter Rundschau.
Florian Brückner ist Volontär der Frankfurter Rundschau.

Die Wahrheit liegt auf dem Platz, lautet eine Fußballweisheit - was im Endeffekt nichts anderes bedeutet, als dass Fußballspiele nicht mit Sonntagsreden, sondern mit einer guten Leistung während eines Matchs gewonnen werden. Übertragen auf die Automobilbranche bedeutet dies im Endeffekt nichts anderes, als dass Japan gegen Deutschland mit 2:0 in Führung gegangen ist. Und zwar in der Partie: klimafreundliche Antriebstechnologien.

Denn als erster Automobilhersteller hat Honda die Serienproduktion von Autos für Endkunden mit Brennstoffzellenantrieb aufgenommen. Mag sein: 200 Fahrzeuge bis zum Jahr 2010 sind nicht viel. Und ja, der Wagen ist ein Verlustgeschäft. Doch trotzdem werden von Juli an erstmals reine Privatleute über mehrere Jahre ihren Alltag mit einem Brennstoffzellen-Auto bestreiten. Ein Novum. Und die Deutschen? Die Forschen und reden viel - oder wagen sich höchstens für kurze Zeit mit Kleinstserien für handverlesene Autotester unters Volk.

Kurzsichtige Politik

Die Wahrheit liegt aber eben auf der Straße und nicht auf den Automessen, wo Mercedes-Benz und Konsorten ihre schicken Öko-Studien gerne präsentieren. Das aber hat sich bei den Konzernlenkern offenbar noch nicht rumgesprochen - die lieber wie der Vorstandsvorsitzende von VW Martin Winterkorn in der Bild-Zeitung über die ferne Zukunft schwadronieren, anstatt Fakten zu schaffen - wie es vor Honda bereits Toyota mit seinem Hybrid-Auto Prius getan hat. Das war nicht nur ein PR-Coup, sondern hat einer ganzen Technologie zum Durchbruch verholfen. Heute redet eine ganze Branche über diesen Antrieb.

Dass die Deutschen bereits zum zweiten Mal von einem japanischen Hersteller bei einer Zukunftstechnologie düpiert werden, ist auch ein Versäumnis der Politik. Die deutsche Politik betreibt kurzsichtigen Artenschutz für PS-starke Limousinen, wie man an der Ablehnung des Tempolimits genauso sieht, wie an dem unrühmlichen CO2-Kompromiss. Klüger wäre es, die Autoindustrie dazu zu zwingen, neue Technologien nicht nur zu entwickeln, sondern auch auf die Straße zu bringen. Das zahlt sich nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Unternehmen aus. Die Wahrheit liegt halt auf dem Platz.

Autor:  Florian Brückner
Datum:  17 | 6 | 2008
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