Zahlen, nichts als Zahlen, mag sich mancher Leser denken und sich vielleicht auch noch an den Spruch erinnern, dass Statistiken die Steigerungsform von "Lügen" sind. Zu recht mag man bezweifeln, ob die jeweiligen Statistiker eines Entwicklungslandes bis in die letzte Hütte hineingeblickt und zum Beispiel den Feldfrüchte-Anbau für den Eigenbedarf afrikanischer Bauern korrekt in Geldeinheiten umgerechnet haben.
Auf der anderen Seite verfügt die Weltbank über Erfahrung im Sammeln sozialer Daten - bilden sie doch die Planungsbasis für viele ihrer Hilfsprojekte. So wie die Armut in einer Region Aufschluss über die dort erforderlichen Vorhaben geben kann, können die globalen Zahlen als eine Messlatte für die Anstrengungen und Versäumnisse der internationalen Nord-Süd-Politik dienen.
Wenn die Weltbank jetzt ein Stückchen Schönfärberei korrigiert, stellt sie den Entwicklungspolitikern des Nordens und den Regierungen des Südens gleichermaßen ein Armutszeugnis aus. Letztere haben bei den großen Millenniums-Zielen bereits den kreativen Umgang mit Statistiken unter Beweis gestellt, als sie einfach als Ausgangsbasis das Jahr 1990 heranzogen.
Niemand kann die Geberstaaten dazu zwingen, sich an ihre einst gegebenen Entwicklungsversprechen und -ziele auch tatsächlich zu halten. Aber aus einem in Zahlen gegossenen, schlechten Gewissen kann durchaus der erste Schritt zum politischen Handeln folgen.
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