Wie vom Handel erhofft, haben die Verbraucher in der vorigen Woche die weihnachtsgeschenkverdächtigen Läden gestürmt. Ob dort tatsächlich mehr in den Kassen hängen blieb als 2008, wird sich erst in ein paar Tagen definitiv zeigen. Nach dem schwachen dritten Adventswochenende machte sich die Branche selber Mut, Kunden würden immer kürzer vor dem Fest mit dem Kauf der Geschenke beginnen. Nach wie vor bleibt freilich rätselhaft, weshalb sich so viele Käufer erst jetzt in den stressreichen Kampf um die gute Gabe stürzen.
Der Kälte sei dank schauten zumindest die Verkäufer von warmer Winterkleidung etwas zufriedener auf das nunmehr frostig fallende Thermometer und den erstmals wieder steigenden Kassen-Pegel.
Der Samstag, auf den alle setzten, ging freilich vielerorts ohne spektakuläre Großeinkäufe ab - viele Verbraucher warten offenbar, ob der Fernseher in wenigen Tagen vielleicht doch noch ein paar Cent günstiger zu haben sein wird. Andere kaufen ohnehin nur noch über das Internet.
Kann man noch ernsthaft von einem Aufschwung reden, wenn der Einzelhandel in diesem Jahr nach eigenen Schätzungen etwa zwei Prozent vom 2008 erreichten Umsatzniveau einbüßt? Ohne echten oder scheinbaren Rabatt von der Art "20 Prozent auf alles, ohne Tiernahrung" läuft im Handel kaum noch etwas. Der Staat gibt mit der einen Hand Konsumförderung aus, mit der anderem kassiert er 2010 wieder Konsumpotenzial über steigende Gebühren und höhere Sozialbeiträge.
Es liegt an den Gewerkschaften, ob sie es schaffen, unter erschwerten Rahmenbedingungen höhere Löhne auszuhandeln, die nächstes Jahr die Kaufkraft stärken. Es liegt am Staat, ob er per Saldo mehr gibt als er nimmt. Es liegt am einzelnen Händler, ob er die Online-Möglichkeiten richtig nutzt und die durchaus vorhandenen Wachstumsnischen ausfüllt. Es liegt schließlich am einzelnen Verbraucher, ob er preisbewusst agiert, ohne die Qualität der Produktes aus dem Auge zu verlieren.
Eins steht leider fest: Für viele Menschen im weniger erfolgreichen Einzelhandel - nicht nur bei Quelle und Karstadt - wird es angesichts wackelnder Jobs dieses Jahr kein Freuden-Fest geben.
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