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Kommentar: Bittere Ernte

Das Hauptproblem sind nicht schlechte Getreide-Ernten sondern die Preistreiberei der Spekulanten. Handelsbegrenzungen sollen helfen.

 Stephan Börnecke
Stephan Börnecke

Die Weizen-Rallye geht weiter: Binnen weniger Tage legte der Getreidepreis um mehr als 50 Euro auf gut 230 Euro zu. Seit Anfang Juni registrieren Händler, Bauern und natürlich Spekulanten eine glatte Verdoppelung. So teuer war Weizen seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Und ein Ende ist kaum absehbar.

Denn seit das Weizen-Exportland Russland das zuvor bereits erwartete Ausfuhrverbot für das bald rare Korn erlassen hat, schießen die Preise kräftig nach oben. Allmählich kommen ungute Erinnerungen an die Preishausse rund um das Jahr 2007 auf, an die Hungerrevolten auf Haiti, die Proteste in Kairo, den Tortilla-Krieg in Mexiko.

So weit ist es noch nicht, doch lassen Meldungen aufhorchen, wonach Entwicklungsländer in Asien prompt nach dem russischen Export-Stopp mitgeteilt bekamen, dass sie nun weniger Weizen geliefert bekommen.

Auch die Welternährungsorganisation FAO sieht zwar noch keine Wiederholung der Nahrungsmittelkrise auf die Erde zukommen. Doch wird die aktuelle Preisspirale die Inflation in Gang setzen und Grundnahrungsmittel für viele Menschen vielleicht erneut unerschwinglich machen, für Menschen, die schon jetzt bis zu 80 Prozent ihres Einkommens nur für Nahrung ausgeben. In den Industriestaaten ist der Preisanstieg kaum ein Problem: Beim Brötchen macht der Weizenpreis nur wenige Prozent aus.

Natürlich sind auch diesmal wieder Spekulanten mit im Boot, die von der Knappheit profitieren wollen, vor allem beim Kakao sind dort die Preistreiber zu suchen, auch beim Weizen mischen sie mit. Beim Getreide haben die USA inzwischen Handelslimits für Spekulationen eingezogen. Ob sie nachhaltig wirken?

Gleichwie: Einige Experten rechnen bereits damit, dass der Preis nach der Ernte wieder sinken werde, sie verweisen dabei auch auf hohe Lagerbestände und auf eine wegen des Preisniveaus nachlassende Nachfrage. Doch Lagerbestände sind womöglich schnell aufgebraucht, zumal in einigen Teilen Australiens, ebenfalls ein großer Exporteur, Trockenheit herrscht. Das wahre Ausmaß wird sich zudem erst in der folgenden Anbausaison zeigen, denn die russischen Landwirte werden Probleme haben, nach der Dürre den Boden für die nächste Ernte zu bestellen.

Deutsche Bauern haben derweil ein ganz anderes Problem: Sie können nicht ernten, weil das Korn tropfnass ist.

Autor:  Stephan Börnecke
Datum:  6 | 8 | 2010
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