Hartmut Ostrowski ist um seinen Job nicht zu beneiden. Seit er im Januar den Posten des mächtigster Medienmanagers der Republik übernahm, ist er mit nichts anderem als Aufräumarbeiten beschäftigt. Er muss in Ordnung bringen, was seine Vorgänger verbockt haben. Zugegeben - es ist nicht einfach in der Branche die Übersicht zu behalten. Internet und Digitalisierung wirbeln alles durcheinander. Doch was bei Bertelsmann in den vergangenen Jahren alles schief ging, das ist schon höchst beachtlich.
Letztlich gehen die Fehler auf die Ära von Thomas Middelhoff zurück, der von November 1998 bis Juli 2002 in Gütersloh regierte. Middelhoff stürzte sich Hals über Kopf in alle möglichen Internetabenteuer, mit denen er viele Millionen Euro verbrannte. Die größte Pleite war der Einstieg bei der Musiktauschbörse Napster. Etwa 300 Millionen Dollar mussten an Konkurrenten wegen Urheberrechtsverletzungen gezahlt werden.
Zugleich gelang es aber nicht, Napster zu einer erfolgreichen Bezahlplattform für Musik aufzubauen - wie das geht, machte Apple mit iTunes vor. Bertelsmann hielt viel zu lange am traditionellen Musikgeschäft mit Compact Discs fest. Das hat Ostrowski endlich mit dem Verkauf des Bertelsmann-Anteils von Sony BMG an den bisherigen japanischen Partner korrigiert.
Doch nun wird es höchste Zeit, dass der Manager eine Strategie fürs Internet-Zeitalter entwickelt, und die muss diesmal gangbar sein. Das Wichtigste ist ein Konzept für das Bezahlfernsehen, das künftig vor allem über Internet verbreitet wird. Wenn das nicht funktioniert, wird es bald auch für die Sparte eng, die derzeit noch den höchsten Umsatz und die höchste Rendite im Konzern abwirft: die RTL-Gruppe.
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