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18. August 2011

Kommentar: Die Kosten für Euro-Bonds

 Von Robert von Heusinger
Robert von Heusinger. 

Laut Berechnungen des Ifo-Instituts sollen Eurobonds 47 Milliarden Euro Mehrkosten für die Steuerzahler in Deutschland bedeuten. Selten ist die Manipulation von Zahlen so leicht zu erkennen.

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Laut Berechnungen des Ifo-Instituts sollen Eurobonds 47 Milliarden Euro Mehrkosten für die Steuerzahler in Deutschland bedeuten. Selten ist die Manipulation von Zahlen so leicht zu erkennen.

Traue nur den Zahlen, die Du selbst gefälscht hast! Dieser Ratschlag ist unter Ökonomen weit verbreitet. Selten indes ist die Manipulation so leicht zu erkennen, wie in der jüngsten Berechnung des Ifo-Institutes zu den Kosten für Eurobonds. Da betreibt Hans-Werner Sinn, „Deutschlands klügster Ökonom“ (BILD), ganz offensichtlich Propaganda gegen den Euro. Übrig bleibt nämlich diese Zahl: 47 Milliarden Euro Mehrkosten kommen auf die Steuerzahler in Deutschland zu, wenn Eurobonds eingeführt werden. Wirklich?

Auf diese fantastische Zahl kommt das Ifo-Institut nur, wenn es die verzerrten Panik-Zinsniveaus von Italien und Spanien Ende Juli, auf dem vorläufigen Höhepunkt der Euro-Krise, in Rechnung stellt und dies mit den ebenfalls verzerrten Flucht-in-Sicherheit-Zinsniveaus von Bundesanleihen vergleicht. Nimmt man dagegen den Durchschnitt der ersten sieben Monate diesen Jahres schnurren die Milliarden schon auf 33 zusammen, wie das Ifo selber gesteht. Doch für einen vernünftigeren Vergleich müsste man sich zumindest auch die Sätze vor der Euro-Krise anschauen, etwa das Jahr 2006. Damals lagen die Zinssätze so nah beieinander, dass mit der Ifo-Formel gerechnet, die Mehrkosten nur etwa ein bis zwei Milliarden Euro ausmachen würden. Das sind 45 Milliarden Euro weniger als die Ifo-Zahl, auf die sich die Euro-Skeptiker berufen werden.

Dabei muss die Ifo-Formel selbst in Frage gestellt werden. Sie geht nämlich vom ungünstigsten Fall aus, dass die Zinsen für Eurobonds sich genau im gewichteten Durchschnitt aller Eurostaaten einpendeln werden. Das ist aber mehr als fraglich. Viel wahrscheinlicher konvergieren die Zinsen für Eurobonds auf das deutsche Niveau oder sacken liquiditätsbedingt sogar darunter. Dann würden aus den Sinnschen Mehrkosten Einsparungen!

Ganz zu schweigen von der einseitigen Betrachtungsweise. Was sind denn die Erträge eines Eurobonds? Erträge dadurch, dass das Wachstum der Eurozone höher ausfiele und Deutschland mehr exportieren sowie die Staatsschulden rascher abbauen könnte? Kurzum: Das Ifo betreibt mal wieder Propaganda und nicht Wissenschaft.

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Können Eurobonds die Krise beenden?

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