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Kommentar: Diener

Der öffentliche Dienst steht stets unter dem Generalverdacht, Staatsgelder an unfähige Staatsdiener zu verschleudern. Aber ein guter Staat hat seinen Preis. Von Roland Bunzenthal

Roland Bunzenthal ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Roland Bunzenthal ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Öffentlicher Dienst - was ist das überhaupt? Für die so genannten Wirtschaftsweisen ist es ein Bremsfaktor, weil die steigenden "konsumtiven" Ausgaben des Staates die allen Experten am Herzen liegenden "investiven" Ausgaben verdrängten. Und gleichzeitig mache sich der Staat auch noch am Markt stark auf Kosten der Privatwirtschaft.

Weil dies alles am Ende der Steuerzahler begleichen muss, findet dieser die vorgeschlagenen 1,2 Prozent Tariferhöhung durchaus als Obergrenze für angemessenes Kassieren - es sei denn, er gehört selbst dem Kreis der Öffentlichkeitsdiener an. Wenn der Steuerzahler allerdings seine kleinen Kinder gut untergebracht haben will, trifft er zwar auf neue konjunkturprogrammierte Kitas und Schulräume. In denen aber leider die dazu passenden Erzieher und Lehrer fehlen. Er ärgert sich über die immer längeren Wartezeiten bei den Ämtern oder über chaotische Kreuzungen, die dringend einen Verkehrspolizisten bräuchten.

Der öffentliche Dienst steht stets unter dem Generalverdacht, Staatsgelder an unfähige Staatsdiener zu verschleudern. Abgesehen vielleicht von den kostspieligen Personal-Karussellen in den Ministerien nach jedem Regierungswechsel dürfte der öffentliche Dienst kaum ein ungünstigeres Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweisen als die Privatwirtschaft.

Wer die Einkommen der verbeamteten oder angestellten Experten für Pädagogik, Administration, Logistik oder Politikbegleitung vom allgemeinen Gehaltsgefüge abkoppelt, erhält langfristig genau jenen unfähigen Beamten, den das Vorurteil schon jetzt auszumachen glaubt. Es war eben schon immer etwas teurer, einen guten Staat haben.

Dass Busfahrer, Krankenschwestern oder Erzieher sich in ihrem Job engagieren und dabei erheblich verschleißen, zeigt die Frühverrentungsstatistik. Kaum einer erreicht die Regelaltersgrenze. Es ist deshalb eigentlich müßig, die Pläne der Bundesregierung für eine freiwillige Verlängerung der Altersgrenze ganz ernst zu nehmen. Vorbei die Zeiten als unsere Kanzler noch ein Vorbild für die Integration alter Menschen waren. Im Kabinett sitzen jüngere Leute - mit wenig Erfahrung und einem ungünstigen Preis-Leistungs-Verhältnis.

Autor:  Roland Bunzenthal
Datum:  27 | 2 | 2010
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