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Kommentar: Einstiegshürde

Die Chancen für junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt könnten auch im nächsten Jahr extrem schlecht bleiben. Wenn wir ihnen eine bessere Perspektive bieten wollen, müssen Politik und Tarifparteien jetzt handeln. Von Eva Roth

Eva Roth ist Wirtschaftsredakteurin der DuMont-Redaktionsgemeinschaft.
Eva Roth ist Wirtschaftsredakteurin der DuMont-Redaktionsgemeinschaft.
Foto: fr

Die Arbeitsmarktpolitik steht vor einer Herausforderung. Deutschland hat es zwar geschafft, dass die Arbeitslosenrate im internationalen Vergleich nur wenig gestiegen ist - trotz des wirtschaftlichen Einbruchs. Das extrem wirksame Mittel heißt Arbeitszeit-Verkürzung: Arbeitszeit-Konten wurden geleert, tarifliche Öffnungsklauseln genutzt und Kurzarbeit eingeführt.

Junge Menschen haben davon allerdings wenig profitiert, viele hat die Krise arbeitslos gemacht. Berufseinsteiger fanden keine Stelle, und Berufsanfänger mit befristeten Verträgen wurden verabschiedet. Die Chancen für junge Menschen könnten auch im nächsten Jahr extrem schlecht bleiben. Möglich ist folgendes Szenario: Wenn die Produktion weiter anzieht, weiten Unternehmen die Arbeitszeiten der Alt-Beschäftigten wieder kräftig aus, manche fahren sogar Sonderschichten mit ihrer eingespielten Stammbelegschaft. Sie stellen nur wenig neues Personal ein, bevorzugt kostengünstigere Leiharbeiter.

Wenn wir jungen Menschen eine bessere Perspektive bieten wollen, müssen Politik und Tarifparteien jetzt handeln. In der Metallindustrie reden Gewerkschafter und Arbeitgeber bereits über Jobsicherung und Übernahme von Azubis. Dabei setzen auch die Arbeitgeber auf neue Formen der Arbeitszeit-Verkürzung. Gut so. Wenn die Arbeitszeiten für alle noch eine Weile niedrig bleiben, kann das nicht nur Jobs sichern. Bei steigender Produktion haben auch Berufsanfänger bessere Einstiegschancen.

Die neue Arbeitsministerin Ursula von der Leyen sollte prüfen, wie der Staat da helfen kann. Die Metaller schlagen etwa vor, einen Teillohnausgleich bei starker Arbeitszeit-Verkürzung steuerfrei zu stellen. Ihr Vorgänger hat das abgelehnt, ohne einen besseren Vorschlag vorzulegen. Von der Leyen hat jetzt die Chance, diesen Fehler zu korrigieren. Dabei geht es nicht um eine Dauer-Subvention, sondern um befristete Hilfen.

Zu einer klugen Politik gehört auch, Bildungshürden abzubauen. Wer die schwierige Lage am Arbeitsmarkt nutzen will, um eine Ausbildung nachzuholen oder nach der Lehre zu studieren, sollte unbürokratisch unterstützt werden. Wer nichts tut, lässt die jungen Menschen im Stich.

Autor:  Eva Roth
Datum:  14 | 12 | 2009
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