Allmählich müsste es wohl jedem Politiker dämmern, dass in der Pflegebranche dringender Handlungsbedarf besteht: Einerseits wird unsere Gesellschaft immer mehr Pflegekräfte brauchen, die sich um alte Menschen kümmern. Andererseits klagen Arbeitnehmer-Vertreter schon jetzt über schlechte Arbeitsbedingungen in der Branche. Ausgerechnet die kirchliche Einrichtung Diakonie hat offenbar erbarmungslos hart gespart und etwa via Outsourcing und Leiharbeit Löhne gedrückt.
Die Kritik an der Diakonie ist berechtigt. Womöglich versucht die Einrichtung tatsächlich, ihre Marktposition durch besonders harte Sparpolitik zu festigen.
Der Kern des Problems liegt aber woanders: Unsere Gesellschaft stellt zu wenig Geld für die Pflege zur Verfügung. Wenn wir das nicht ändern, werden wir unbarmherzige Zustände erleben: Angehörige werden irgendwie versuchen, sich neben ihrem Job um ihre Eltern und Großeltern zu kümmern. Viele werden aber hoffnungslos überfordert sein. Die Schwarzarbeit wird blühen.
Pflege-Einrichtungen – ob kirchlich, privat oder öffentlich – wird künftig gar nichts anderes übrig bleiben als auf Teufel komm raus zu sparen. Sie werden vielleicht einigen gut qualifizierten Beschäftigten einigermaßen ordentliche Gehälter zahlen. Gleichzeitig werden sie aber versuchen, so viele Tätigkeiten wie möglich an schlecht bezahlte Hilfskräfte zu übertragen. Für viele Alte wird es nur eine Not-Versorgung geben.
So weit dürfen wir es nicht kommen lassen. Deswegen muss der Staat mehr Geld für die Pflege einsammeln – und darauf achten, dass die Lasten möglichst fair verteilt werden.
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